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Wolfgang Reitzle, Ex-Vorstandsvorsitzender der Linde AG
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Wolfgang Reitzle, Ex-Vorstandsvorsitzender der Linde AG

Analyse

Explosives Gemisch bei Linde

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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Eine Aufsichtsratssitzung sollte für Entspannung sorgen. Nun sind die Fronten im Fusionspoker mit Praxair verhärteter denn je. Der Konzern steuert auf einen Showdown zu.

Bei der Gärung entstehen Gase, die ein explosives Gemisch bilden können. Diese Erfahrung macht im übertragenen Sinn gerade der Münchner Dax-Konzern Linde. Der global zweitgrößte Hersteller von Industriegasen will gegen den Widerstand von zwei Gewerkschaften, eigenem Personal sowie Politik mit dem US-Konkurrenten Praxair fusionieren und sorgt damit für Gärprozesse. Eine Aufsichtsratssitzung hätte am Donnerstag für eine Entspannung der Lage sorgen sollen. Das Gegenteil war der Fall. Von Anfang an sei die Stimmung gereizt gewesen, heißt es aus dem Umfeld des Gremiums. „Als während der Sitzung bekannt wurde, dass die IG Metall die Eignung von Wolfgang Reitzle als Linde-Aufsichtsratschef in Frage stellt, wurde es noch hitziger“, sagt ein Insider. Die Fronten hätten sich jetzt noch mehr verhärtet.

Dem Traditionskonzern droht damit eine Zerreißprobe. Auf der einen Seite steht der 68-jährige Reitzle als treibende Kraft hinter der Fusion. Soeben hat er wissen lassen, dass er sie notfalls mit seinem Doppelstimmrecht als Aufsichtsratschef gegen den Willen der Belegschaft durchdrücken will. Auf der anderen Seite wächst die Front der Gegner.

In sie reihen sich die beiden bei Linde aktiven Gewerkschaften IG Metall und IG BCE ein, der europäische und andere Linde-Betriebsräte sowie mittlerweile auch politische Parteien. Sowohl Bayerns CSU-Wirtschaftsministerin Ilse Aigner als auch der SPD-Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Matthias Machnig warnen davor, eine Fusion gegen die Arbeitnehmer durchzuboxen. Schon ein erster Anlauf zur Firmenehe war vorigen Dezember an Widerständen gescheitert. Nicht einmal das eigene Management folgt Reitzle bei seinem Brachialkurs.

Beide Lager prallen aufeinander

„Nein, das wäre schlecht“, hat Linde-Chef Aldo Belloni auf die Frage geantwortet, ob der Konzern gegen den Willen des eigenen Personals fusionieren könne. Das ist insofern bemerkenswert, als Belloni als Vertrauter Reitzles gilt. Der umstrittene Linde-Oberaufseher hat ihn extra aus dem Ruhestand zurück an die Konzernspitze geholt, um beim zweiten Anlauf zur Fusion leichtes Spiel zu haben. Sein Vorgänger musste gehen.

Im Aufsichtsrat sind die Positionen beider Lager jetzt unversöhnlich aufeinandergeprallt. Gewerkschaften und die Belegschaft erwarten im Fusionsfall europaweit und auch hierzulande massiven Stellenabbau bei Linde. Stellen- und Standortgarantien, die bis 2021 laufen sollen, können sie nicht beruhigen. Zudem würden kartellrechtliche Auflagen vor allem zu Lasten Lindes drohen, zusammengenommen ein „Kahlschlag, der den Markenkern von Linde zerstören wird“, schreiben die Betriebsräte. Das als Fusion unter Gleichen angekündigte Vorhaben gleiche einer Übernahme von Linde durch die kleinere Praxair, die auch die deutsche Mitbestimmung aushebeln würde. Überhaupt sei der Zusammenschluss unnötig, weil Linde auch gut allein klar komme.

Entkräften konnten die Aufseher der Kapitalseite diese Bedenken bislang nicht, sagen Fusionsgegner. Unter günstigen Vorzeichen stehen die Fusionspläne also wahrlich nicht. Über sie entschieden werden soll Anfang Mai bei einer weiteren Linde-Aufsichtsratssitzung. Bis dahin ist Zeit, sich zusammenzuraufen. Die Hoffnung darauf ist gering. Die IG Metall hat für den 27. April zu einen europaweiten Aktionstag aufgerufen. „Das steuert auf einen Showdown zu“, sagt ein Kenner. Das klingt realistisch.

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