ETFs bilden einen ganzen Börsenindex wie den Dax oder den MSCI World ab.
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ETFs bilden einen ganzen Börsenindex wie den Dax oder den MSCI World ab.

Geldanlage

Exchange Traded Funds: Bei ETF-Geldanlagen ist ein langer Atem gefragt

  • vonTheresa Draebing
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Exchange Traded Funds sind beliebte Geldanlageprodukte. Wie man die passenden Indexfonds auswählt und welchen Risiken sie unterliegen.

  • Vorbild für ETFs sind Aktienfonds
  • Bei ETFs ist ein langer Atem von Vorteil
  • Das größte Risiko sind Kursschwankungen

Wer nach einer guten Geldanlage fragt, erhält in der letzten Zeit oft den Rat, in ETFs – kurz für Exchange Traded Funds – zu investieren. Sie bilden einen ganzen Börsenindex wie den Dax oder den MSCI World ab. Der Hintergedanke ist: In den letzten Jahrzehnten gingen die Kurse – trotz aller Schwankungen – an den Aktienmärkten nach oben. Anleger sollten aller Wahrscheinlichkeit nach also langfristig profitieren. Wir erklären, was zu beachten ist.

Wie funktionieren ETFs?

Die Buchstaben ETF stehen für Exchange Traded Funds, was übersetzt börsengehandelter Indexfonds bedeutet. Vorbild für ETFs sind Aktienfonds. Eine Möglichkeit um einen Index wie den Dax nachzubilden ist es etwa, eine Gesellschaft zu gründen, die Aktien aller großen deutschen Dax-Unternehmen nachkauft. „Im Prinzip ist ein ETF dasselbe wie ein Investmentfonds, mit dem Unterschied, dass es keinen aktiven Fondsmanager gibt – der ETF läuft einem Index nach“, sagt Finanzexperte Thomas Kehl vom Portal Finanzfluss.de. Der zweite wesentliche Unterschied sei, dass der ETF an der Börse und nicht wie ein Fonds von einer Fondsgesellschaft gehandelt werde. Das macht ETFs günstig. Während bei aktiven Fonds der Fondsmanager vom Anleger bezahlt wird, fallen solche Kosten beim ETF weg.

Wann lohnt sich die Anlage in ETFs?

Wer kurzfristig sein Geld vermehren möchte, sollte sich nach einer anderen Anlage umschauen. Bei ETFs ist ein langer Atem von Vorteil. „Zehn bis 15 Jahre sind ein guter Zeitraum“, sagt Kehl. Egal ob als einmalige Anlage von einer größeren Summe oder als Sparplan: Das Geld mehrere Jahre liegenzulassen, hat den Vorteil, dass Börsenschwankungen dem Erfolg keinen Abbruch tun. Und Börsenschwankungen gibt es regelmäßig. Sie auszusitzen ist die Aufgabe des klugen Anlegers. Kehl weist darauf hin, dass ETFs an sich ja noch keine Erfolgsgaranten sind. Sie seien ein „Anlagevehikel“. Eines, das angesichts geringer Gebühren besonders attraktiv ist.

Wie den passenden ETF auswählen?

Laut Stiftung Warentest gibt es zurzeit 1800 ETFs, die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zugelassen wurden. Angesichts der großen Auswahl fällt die Entscheidung oft schwer. Grundsätzlich gilt: „Streuung reduziert das Risiko“, sagt Kehl. Ein Dax-ETF setzt zum Beispiel nur auf die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Bei Indizes, die die weltweit führenden Unternehmen abbilden, ist die Streuung größer. Daneben gibt es auch solche, die Industrie- und Schwellenländer weltweit kombinieren. 

Auch Stiftung Warentest empfiehlt in einem „Spezial – Anlegen mit ETF“ diese ETFs als langfristige Basisanlage. Zu einem weltweiten ETF können Rentenfonds, ETFs aus Schwellenländern oder Nebenwerte (zum Beispiel Technologie) beigemischt werden. Kehl weist darauf hin, dass ein genauer Blick in den Aufbau eines Aktienindexes lohnend ist. Manche Unternehmen sind in mehreren Indizes gelistet. „Ein Klumpenrisiko gilt es zu vermeiden“, sagt Kehl.

Ein weiterer Tipp bezieht sich darauf, die Solidität des ETFs zu prüfen. Experten raten, ETFs zu wählen, die mindestens fünf Jahre alt sind, in denen mehr als 100 Millionen Euro oder US-Dollar Anlagekapital investiert sind und zu denen Anlegerinformationen in deutscher Sprache angeboten werden.

Was sind die Risiken von ETFs?

Das größte Risiko sind Kursschwankungen, wie sie bei Aktien vorkommen. Ein großer Börsencrash wie er 2007 durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers ausgelöst wurde, ist auch heute möglich. Zurzeit gibt es wieder viele Warnungen vor einem starken Abfall der Börsen in den nächsten Monaten. Kehl sieht diese Prognosen nicht als Argument gegen den Kauf von ETFs. Schließlich empfiehlt er eine langfristige Anlageperspektive. Diese würde Schwankungen auffangen. 

Insgesamt sei die Stimmung bei den Anlegern zurzeit ausgesprochen optimistisch. „Wer zu lange zögert, hat außerdem Opportunitätsverluste“, sagt er. Das heißt: Er erhält auch keine Renditen oder sonstigen Gewinne aus Anlagen, wenn die Börse trotz negativer Prognosen weiter gut läuft. Stiftung Warentest erklärt außerdem, dass ETFs über einen Pleiteschutz verfügen. Gehen eine ETF-Gesellschaft, ein ETF-Anbieter oder eine Depotbank pleite, ist das im Fonds befindliche Geld sicher. Allerdings zu dem Satz, der am Verkaufstag dem Aktienindex entspricht.

Wie kaufe ich einen ETF?

Zunächst muss ein Aktiendepot eröffnet werden. Bei der Bank erledigt das der Berater. Im Internet ist es ebenfalls möglich. Wer eine Online-Bank wählt, kann sich häufig per App identifizieren. Alternativ kann der Personalausweis oder Pass bei der Post vorlegt werden. Zum Depot gehört ein Girokonto oder ein Verrechnungskonto, das im Paket eröffnet wird. Hierauf muss Geld überwiesen werden. ETF sind mit einer Wertpapierkennnummer (WKN) oder international mit einer sogenannten ISIN gekennzeichnet. Sie muss der Käufer dem Berater oder online angeben, um den Fonds zu erwerben.

Stiftung Warentest hat Filial- und Depotbanken verglichen. Bei ersteren schnitten die Leipziger Volksbank, die Postbank und die BBBank mit jährlichen Kosten zwischen 23 und 36 Euro am besten ab; bei den Internetdepots lagen Onvista, Flatex und die BBBank mit Kosten zwischen sieben und elf Euro vorn.

Steuern auf Erträge: Inländische und ausländische ETFs

Inländische ETFs: Auf Erträge aus neuen Finanzanlagen muss Abgeltungssteuer gezahlt werden. ETFs zählen dazu, weil sie mit Investmentfonds steuerlich gleichgesetzt sind. Die Abgeltungssteuer wird automatisch von der Depotbank ans Finanzamt abgeführt, sofern der ETF im Inland gehandelt wird. 

Ausländische ETFs: Kauft der Anleger einen ausländischen Indexfonds, muss er eventuelle Gewinne in seiner Steuererklärung angeben. Es kann jedoch sein, dass die Erträge bereits im Ausland versteuert wurden. Vorsicht ist angebracht. Zu viel gezahlte Abgaben können beim Finanzamt geltend gemacht werden.

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