Alternative zu US-Anbietern

Europäisches Cloud-Projekt startet

Gaia-X bei Digital-Gipfel vorgestellt.

Deutsche und europäische IT-Anbieter sollen sich künftig zu einem Netzwerk zusammenschließen, bei dem Unternehmen ihre Daten sicher und selbstbestimmt speichern und verarbeiten können. Das ist der Kern eines ambitionierten Projekts für eine europäische Daten-Infrastruktur als Alternative zu Diensten amerikanischer Internet-Riesen, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Dienstag auf dem Digital-Gipfel in Dortmund präsentiert hat.

Das Cloud-Netzwerk Gaia-X soll unter anderem europäischen Firmen auch den Weg zu digitalen Geschäftsmodellen ebnen. Es soll etwa auch dabei helfen, mit Hilfe von Datenanalyse Krankheiten wie Krebs zu bekämpfen. Diverse praktische Fragen wie Kosten, Finanzierung oder Bedarf an Software-Entwicklern blieben bei dem europäischen Konzept jedoch zunächst noch offen.

Kurz nach Vorstellung seiner Pläne war Altmaier beim Gang von der Bühne gestürzt. Der 61-jährige Politiker wurde mit einem Rettungswagen in eine Klinik gefahren. Er zog sich eine Platzwunde am Kopf zu und war eine kurze Zeit lang bewusstlos.

„Die Wertschöpfung verschiebt sich, nicht nur innerhalb eines Marktes“, sagte Altmaier in seiner Auftaktrede. Als Beispiel nannte er die Buchung einer Übernachtung für den Urlaub über das Internet. Früher habe das Reisebüro die Provision bekommen. Heute gehe ein Teil der Provision an die Plattformbetreiber, die häufig nicht in Deutschland oder Europa säßen. Diese neue Plattform-Ökonomie müssten die Europäer nun selbst in Angriff nehmen, damit die Wertschöpfung im Lande bleibe.

Details des Gaia-X-Projekts wollte Altmaier in einer anschließenden Pressekonferenz diskutieren, die jedoch wegen seines Sturzes abgesagt wurde. Bei dem Projekt soll es laut einem Papier dennoch schnell gehen: Für das zweite Quartal des kommenden Jahres sind erste Tests des technischen Konzepts geplant. Ende 2020 solle der Livebetrieb mit ersten Anbietern und Anwendern starten. Frankreich gilt als weitere treibende Kraft hinter dem Riesen-Projekt. (dpa)

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