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Am Plan für die Cloud arbeiten viele Dax-Konzerne mit.

Cloud-Dienste

Europäische Cloud: eine Wolke namens Gaia X

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Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will das Geschäft mit den Daten nicht den amerikanischen Internetkonzernen überlassen. Er treibt den Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur voran.

Daten gelten als wichtigster Rohstoff der Zukunft. Wer Daten hat, hat Wissen. Und er hat die Möglichkeit, intelligente Computerprogramme mit ihnen zu füttern und damit noch mehr Wissen zu generieren. Vor allem China und die USA machen längst vor, wie künstliche Intelligenz bei der Verarbeitung riesiger Datenmengen helfen kann und wie riesige Datenmengen dabei helfen können, künstliche Intelligenz zu verbessern.

Die Bundesregierung verfolgt diesen Trend seit Längerem mit Sorge – vor allem weil deutsche Unternehmen bislang nur wenig Interesse daran zeigen, in das Geschäft mit dem virtuellen Rohstoff einzusteigen. Im Gegenteil. Die führenden Dax-Konzerne greifen gerne auf Angebote amerikanischer Internet-Konzerne zurück, wenn es darum geht, Daten im Netz zu speichern. Volkswagen etwa nutzt für seine „Industrial Cloud“, in der Daten sämtlicher Maschinen, Anlagen und Systeme alle VW-Fabriken zusammengeführt werden sollen, Rechner- und Speicherkapazitäten des Cloud-Weltmarktführers Amazon.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier will dieser Entwicklung nicht länger nur zusehen und hat angekündigt, den Aufbau einer europäischen Dateninfrastruktur voranzutreiben. „Gaia X“ heißt das Projekt, das der CDU-Politiker am Dienstag beim Digitalgipfel der Bundesregierung in Dortmund vorstellen will. Es soll ein großer Wurf werden. In einem Konzeptpapier des Bundeswirtschaftsministeriums, das dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, ist von einem „digitalen Ökosystem“ die Rede, das Europa die Datensouveränität und Unabhängigkeit von ausländischen Konzernen und Staaten garantieren soll.

Altmaier und seine Beamten haben in den zurückliegenden Wochen eine Menge Gespräche mit Unternehmen, Verbänden, Wissenschaftlern und anderen Akteuren zum Thema „Gaia X“ geführt. Die Liste der mitwirkenden Personen ist lang. Vertreter von Siemens, Bosch, SAP, der Telekom, der Deutschen Bank und der IG Metall stehen darauf. „Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind entschlossen, gemeinsam die Voraussetzungen für eine zukunftsorientierte und innovative Datenökonomie in Deutschland und Europa zu schaffen“, heißt es in dem Konzeptpapier des Wirtschaftsministeriums.

Zur organisatorischen und technischen Umsetzung soll schon im kommenden Jahr eine zentrale, europäische Organisation gegründet werden. „Ihre Aufgabe wird sein, eine Referenzarchitektur zu entwickeln, Standards zu definieren sowie Kriterien für Zertifizierungen und Gütesiegel vorzugeben“, so das Konzept des Wirtschaftsministers. „Sie soll ein neutraler Mittler und Kern des europäischen Ökosystems sein.“

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek weiß Altmaier bei dem Vorhaben auf seiner Seite. Die CDU-Ministerin bezeichnete „Gaia X“ als eines der wichtigsten Digital-Projekte um die Spitzenposition der deutschen und europäischen Wirtschaft international zu verteidigen. Karliczek lobte das Engagement der deutschen Wirtschaft beim Aufbau von „Gaia X“. Damit zeigten die deutschen und europäischen Unternehmen, dass sie bereit seien, „im digitalen Zeitalter weiter vorne dabei sein wollen, ohne in Abhängigkeit von Großunternehmen oder Staaten zu geraten“, sagte sie dem „Handelsblatt“.

Auch der Industrieverband BDI begrüßte die Initiative. Zwar sei der Aufbau eines eigenen europäischen Anbieters hochgradig skalierbarer Cloud-Dienstleistungen aufgrund des technologischen Vorsprungs der führenden Anbieter „momentan unrealistisch“, sagte Iris Plöger, die Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung ist. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben, sei es aber wichtig, Rahmenbedingungen für die Bewertung und Analyse von Technologien aus Drittstaaten zu setzen.

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