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Ein seltenes Bild: Eine neue Brücke wird gebaut. In Deutschland reichen die für Infrastruktur bereitgestellten Mittel schon lange nicht mehr aus.
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Ein seltenes Bild: Eine neue Brücke wird gebaut. In Deutschland reichen die für Infrastruktur bereitgestellten Mittel schon lange nicht mehr aus.

Investitionen

Europa fährt auf Verschleiß

  • VonStephan Kaufmann
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Die Unternehmen halten sich zurück – und jetzt auch die Staaten. Unter dem Spardruck folgen viele Euroländer dem deutschen Beispiel und sparen an Investitionen. Mit fatalen Folgen.

Wenn es um die Wiederbelebung der Konjunktur in der Euro-Zone geht, richten sich alle Hoffnungen auf eine Kenngröße: die Investitionen. Nur wenn Unternehmen Geld einsetzen und Produktionskapazitäten aufbauen, entstehen Jobs, Einkommen, Wirtschaftswachstum. Doch angesichts der schlechten Aussichten halten sich die Unternehmen mit Investitionen zurück. Um die Aussichten für die Konjunktur zu verbessern, könnte also der Staat einspringen und seinerseits investieren. Könnte. Doch die Realität sieht düster aus: Unter dem allgemeinen Sparzwang haben die Regierungen ihre Investitionen zusammengestrichen. Netto, also abzüglich Abschreibungen, waren sie 2013 in der Euro-Zone erstmals negativ. Das bedeutet: Die Staaten fahren auf Verschleiß.

Mit Investitionsausgaben lassen Regierungen Brücken und Straßen errichten, sie verlegen Breitbandkabel, bauen Schulen oder fördern die energetische Gebäudesanierung. Die Wirtschaft bekommt Schub und kann stärker wachsen.

Da sich Straßen und Gebäude mit der Zeit abnutzen, wird ihr schrittweise Wert abgeschrieben. So wird zum Beispiel für öffentliche Hochbauten eine Nutzungsdauer von durchschnittlich 57 Jahren angenommen. Zieht man von den Bruttoinvestitionen des Staates die Abschreibungen ab, erhält man die Netto-Investitionen. Und die gehen mittlerweile zurück, errechnet das gewerkschaftsnahe Wirtschaftsinstitut IMK. So lagen die Netto-Investitionen in der gesamten Euro-Zone im vergangenen Jahr bei minus 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung. Sprich: Der Verschleiß ist größer als der Zuwachs.

Im sparsamen Deutschland ist das schon lange so. Hierzulande „reichen die für Infrastruktur bereitgestellten Mittel schon seit 2003 nicht mehr aus, um wenigstens den Verschleiß an Straßen oder Gebäuden auszugleichen“, rügt das IMK.

Unter dem insbesondere von der Bundesregierung ausgeübten Spardruck folgen nun auch die anderen Euro-Länder dem deutschen Beispiel. Besonders die Krisen-Länder. Laut IMK-Berechnungen lagen die Netto-Investitionen in Griechenland und Spanien 2008 noch bei 1,7 und 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im vergangenen Jahr waren es in Griechenland minus 1,8 Prozent, in Spanien minus 0,5 Prozent. Das untergräbt die Wirtschaftskraft dieser Länder dauerhaft.

Kann man dies in Südeuropa noch mit Sparzwängen erklären, so bleibt die deutsche Investitionszurückhaltung rätselhaft. Geld wäre ja da. So fordert der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten Deutschland-Gutachten zusätzliche Investitionsausgaben von jährlich 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. Dies könnte laut IWF finanziert werden, ohne die Euro-Schuldenregeln zu verletzen und würde zugleich zu einem dauerhaften Anstieg der Wirtschaftsleistung führen, von dem auch die gesamte Euro-Zone profitieren könnte. Zwar hat die große Koalition eine Erhöhung der Investitionen angekündigt. „Doch der Betrag ist gering angesichts des Bedarfs“, so der IWF.

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