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Europa atmet auf

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Von: Markus Sievers, Stephan Kaufmann

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Kunden strömen über die Einkaufstreppen eines Einkaufszentrums in Dresden. Die Rezession ist vorbei.
Kunden strömen über die Einkaufstreppen eines Einkaufszentrums in Dresden. Die Rezession ist vorbei. © dpa

Die Rezession der Euro-Zone ist vorüber. Zwischen April und Juni ist ihre Wirtschaftsleistung wieder gewachsen – nach anderthalb Jahren Schrumpfung. Die Lage hellt sich zwar auf. Doch auf einen Boom kann man nicht rechnen.

Die Euro-Zone hat die längste Rezession ihrer Geschichte hinter sich. Im zweiten Quartal wuchs ihre Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal – nach anderthalb Jahren Schrumpfung. Angetrieben wurde das Wachstum von Deutschland und Frankreich. Die Zeichen stehen nun auf Erholung. Mit einem deutlichen Aufschwung rechnen Ökonomen aber nicht.

Auch in den Euro-Peripheriestaaten – Italien, Spanien und Portugal – milderte sich die Krise ab. Dort sank die Wirtschaftsleistung zwischen April und Juni nur noch um 0,1 Prozent, insbesondere dank eines starken Plus in Portugal von 1,1 Prozent. Gestützt wurde die Konjunktur vor allem durch die Exporte.

Zugpferde Europas waren die großen Staaten. Frankreichs BIP legte überraschend stark zu, vor allem wegen eines höheren privaten Konsums. Ein beeindruckendes Comeback lieferte die deutsche Wirtschaft. Wachstumsmotor waren laut Statistischem Bundesamt der private Konsum, die Staatsausgaben, die Exporte und vermehrte Investitionen vor allem in Bauten.

Konjunktur-Aussichten mäßig

Geschuldet war das starke Plus jedoch zum Teil einem Sondereffekt: Im extrem kalten Winter ruhte die Arbeit auf vielen Baustellen. Im zweiten Quartal wurde das dann nachgeholt. Doch auch ohne diesen Effekt wäre das BIP wohl um 0,5 Prozent gewachsen, kalkuliert die Commerzbank.

Die Rezession ist nun vorüber. Doch die Aussichten für die deutsche Konjunktur sind eher mäßig. „Für die zweite Jahreshälfte zeichnet sich noch kein sonderlich dynamisches, aber zumindest doch ein stetiges Wirtschaftswachstum ab“, so die Bank M.M. Warburg.

Zwar dürfte der private Konsum auf Grund niedriger Arbeitslosigkeit und höherer Lohnsteigerungen einen Beitrag zum Wachstum liefern. Zudem erholt sich die Euro-Zone, und der Spardruck für die Regierungen nimmt ab. Dennoch dürfte das deutsche Wachstum verhalten bleiben. Denn die Arbeitslosigkeit wird voraussichtlich kaum noch sinken, gleichzeitig sind die Lohnerhöhungen nicht außerordentlich stark. Zudem trüben sich die Aussichten für den Export ein: Die Lage in Südeuropa bleibt schwierig, die Länder wollen selbst mehr exportieren, um ihre Krise zu beheben. Und der Spardruck in diesen Ländern lässt nur nach, bleibt aber vorhanden. „Der Gegenwind für die Konjunktur wird schwächer, aber er weht“, so die Bank Credit Suisse. Gleichzeitig ist der Aufschwung in den USA nur moderat, während sich die Konjunktur in Asien und Lateinamerika abschwächt. So sanken in diesem Jahr die deutschen Exporte nach Indien um neun Prozent, nach Brasilien wurden sieben und nach China vier Prozent weniger verkauft.

Wenig Investitionen

Vor diesem Hintergrund halten sich die Unternehmen mit Ausgaben zurück. „Die schwache Investitionstätigkeit ist das Sorgenkind der deutschen Binnenkonjunktur“, so Gregor Eder von der Allianz. Zuletzt hätten die realen Ausrüstungsinvestitionen knapp 14 Prozent unter dem Niveau von Mitte 2007 gelegen.

Ökonomen hoffen nun darauf, dass die Unternehmen bald wieder mehr Geld ausgeben und so die Erholung stützen. Laut Umfrage des Ifo-Instituts plant die deutsche Industrie für das laufende Jahr eine Erhöhung der Investitionen vor allem für die Erweiterung der Kapazitäten.

Keinen Grund für Jubel sieht allerdings der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Er reduzierte seine BIP-Wachstumsprognose für 2013 von 0,8 auf 0,5 Prozent. Als größtes Problem sieht der BDI die Investitionen. Vor allem der Staat müsse mehr für die Zukunft tun, etwa für die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude, für den Netzausbau, die Brückensanierung und Schienen- und Wasserwege. Dafür statt für neue Sozialleistungen solle er die sich abzeichnenden Überschüsse in den Haushalten einsetzen, forderte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber.

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