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Schweißarbeiten an der Überseebrücke im Hafen von Hamburg.
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Schweißarbeiten an der Überseebrücke im Hafen von Hamburg.

Arbeitskosten

Was 31 Euro je Stunde wert sind

  • Daniel Baumann
    VonDaniel Baumann
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Die deutschen Arbeitskosten sind klar über dem EU-Durchschnitt. Den Standort schwächt das nicht.

Die Meldung hatte eine dramatische Note: Die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft seien im vergangenen Jahr um 32?Prozent höher als im EU-Durchschnitt gewesen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Und Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt wird dabei mal wieder ganz mulmig geworden sein. Denn hohe Arbeitskosten steigern, so erklärt es der Bundesverband der Arbeitgeberverbände gerne und geduldig, den Druck auf Unternehmen, Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern, und machen einen Standort unattraktiver.

So gesehen, steht Deutschland mal wieder ganz schlecht da im europäischen Vergleich. Zumal die Arbeitskosten im vergangenen Jahr auch noch zum zweiten Mal in Folge stärker gestiegen sind als im EU-Durchschnitt. Es gab ein Plus um 2,8 Prozent (EU: 2,1 Prozent). In der deutschen Privatwirtschaft bezahlten die Arbeitgeber im vergangenen Jahr durchschnittlich 31 Euro für eine geleistete Arbeitsstunde. In der EU waren es 23,50 Euro.

Allerdings müssen die Arbeitskosten immer mit der Produktivität zusammen betrachtet werden, was die Statistiker unterließen. Denn wären die Kosten der einzige Standortfaktor, dann müssten die Arbeitsplätze in der EU längst alle nach Bulgarien abgewandert sein. Dort kostete die Arbeitsstunde 2012 nur 3,70 Euro. Doch auch gut ausgebildete Fachkräfte, die Arbeitsmentalität, eine leistungsfähige Infrastruktur, das politische Umfeld, die Größe des Absatzmarktes oder der Kontakt zu guten Universitäten beeinflussen die Standortwahl. Und da spielt die Bundesrepublik nach wie vor ganz vorne mit.

Es steht gut um die deutsche Wirtschaft

Denn all diese Faktoren beeinflussen, wie produktiv ein Unternehmen arbeiten kann und wie wettbewerbsfähig es ist. In Bezug auf die Arbeitskosten lautet die Frage deshalb: Was stellt ein deutscher Arbeiter für 31 Euro pro Stunde her? Und was produziert ein italienischer Arbeiter für 27,20 Euro, oder ein polnischer für 7,20 Euro?

Auskunft darüber geben die Lohnstückkosten. Sie messen, wie hoch die Lohnkosten für die Erbringung einer Dienstleistungs- oder Produkteinheit sind. In Ländern wie Deutschland, wo mit modernen Technologien, hoher Qualifikation der Mitarbeiter und effizienten Abläufen gearbeitet wird, sind die Mitarbeiter in der Lage, wesentlich mehr aus einer Arbeitsstunde herauszuholen als in anderen Ländern.

Die Lohnstückkosten sind nach den derzeit verfügbaren Daten hierzulande zwischen 2005 und 2012 so wenig gestiegen wie in keinem anderen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erfassten Land. Damit hat die deutsche Wirtschaft zu einer weithin sichtbaren Wettbewerbsfähigkeit gefunden. Wenn die Arbeitskosten nun steigen, geht das vor allem auf höhere Tarifabschlüsse und Sonderzahlungen zurück. Damit haben die Menschen mehr Geld in der Tasche. Das stabilisiert die Binnenkonjunktur und schafft weitere Arbeitsplätze.

Es steht also gut um die deutsche Wirtschaft. Die höheren Arbeitskosten sind ein Qualitätsmerkmal für den Standort. Ganz anders, als man auf den ersten Blick glauben könnte.

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