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Nachhaltigkeitsindex

Vom Euro gebremst

  • Antje Mathez
    VonAntje Mathez
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Der Nachhaltigkeitsindex GCX hat sich 2017 gut geschlagen ? wäre da nicht das Währungsrisiko.

Was für ein Jahr! Hatten uns nicht alle Experten, die ein bisschen Ahnung von Finanzmärkten haben, Ende 2016 Unheil prophezeit? Wegen Trump, dem Brexit und so weiter? Hatten sie. Zu unrecht, wie sich gezeigt hat. 2017 war ein spitzen Börsenjahr, das, so heißt es im Börsensprech, von stark steigenden Kursen und niedriger Volatilität gekennzeichnet war. Einfacher formuliert: Es ging häufig bergauf und gab nur wenig Schwankungen.

Der Blick auf die Jahresendstände zeigt es: Die Aktienmärkte in den Industrieländern verzeichnen durchweg Steigerungen und die liegen bei den wichtigen Leitindizes zwischen zehn und 25 Prozent. Der Dax, das wichtigste deutsche Börsenbarometer, startete bei rund 11.500 Punkten und schaffte es, Mitte Oktober erstmals überhaupt die wichtige Marke von 13.000 Zählern zu knacken – aktuell verzeichnet der Leitindex ein Plus von rund 13 Prozent. Der Dow Jones legte noch eine Schippe drauf und eilte das ganze vergangene Jahr von einem Rekordstand zum nächsten. Das Ergebnis: ein Plus von rund 25 Prozent. Nichts zu sehen von Krise. Selbst in Spanien, Italien und Frankreich wächst die Wirtschaft wieder. 

Deutschlands Wirtschaft wächst

Zu verdanken ist das vor allem dem viel gescholtenen Mario Draghi. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die Niedrigzinsen der US-Notenbank Fed sowie ihre gewaltigen Anleihe-Kaufprogramme sind die Basis für die starke Börsenperformance. Als Zucker obendrauf kommen noch die guten Konjunkturdaten – Deutschlands Wirtschaft wächst mit mehr als zwei Prozent, wann gab es das zuletzt?

Mindestens ebenso gut wie am konventionellen Aktienmarkt lief es bei der nachhaltigen Geldanlage. So konnte der Global Challenges Index (GCX), der Nachhaltigkeitsindex, den die Frankfurter Rundschau täglich auf ihrer Börsenseite abbildet, ein ordentliches Plus verzeichnen. Gut zehn Prozent, ging es für den GCX, den die Börse Hannover in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research lanciert hat, in seinem zehnten Jahr seit Auflage nach oben. 

Verantwortlich dafür sind Unternehmen wie ST Microelec-tronics, die Berkeley Group oder Aurubis, die enorme Wertsteigerungen verzeichnen. Das Halbleiter-Unternehmen STM (plus 73,45 Prozent) hat das gesamte Jahr davon profitiert, dass E-Mobilität und 3D-Sensorik für autonome Fahrzeuge die Trendthemen sind. Aurubis, Europas größter Kupferkonzern, hat sich dank der weltweit steigenden Nachfrage nach Rohstoffen und dem dadurch anziehenden Preis den dritten Platz der Performanceliste gesichert. 

GCX-Wertentwicklung bleibt hinter der des Dax zurück

Überraschend hoch fällt dagegen das Plus für die britische Berkeley Group aus. Das Bauunternehmen von der Insel war 2016 hart vom Brexit-Votum getroffen worden. Das vergangene war allerdings ein gutes Jahr für die Briten: Die Margen waren besser als im Branchendurchschnitt und die Nachfrage nach Wohnimmobilien hat im Gegensatz zu Geschäftsimmobilien nicht nachgelassen.

Trotzdem bleibt die Wertentwicklung des GCX in diesem Jahr hinter der des Dax zurück. Das liegt allerdings nicht daran, dass nachhaltiges Investment weniger erfolgreich ist. Das wäre nach all den Bekenntnissen zum Umwelt- und Klimaschutz, die erst kürzlich beim One Planet Summit in Paris wieder bekräftigt und mit mehr oder weniger konkreten Aktionsplänen von Regierungen, Städten und Unternehmen hinterlegt wurden, auch wenig plausibel. Der Grund ist simpel: „Der GCX ist global investierend“, erklärt Thomas Hellener, Chef der Investmentgesellschaft Prima-Fonds, die einen Aktienfonds anbietet, der den GCX fast eins zu eins abbildet. „Wir haben im GCX einen USA-Anteil in Höhe von 30 Prozent.“ Da der Euro im Verhältnis zum Dollar sehr stark und der GCX gegen Währungsrisiken nicht abgesichert sei, bleibe für Euro-Anleger von der US-Rendite am Ende nicht viel übrig. 

Bestes Beispiel dafür ist der US-Chiphersteller Advanced Micro Devices (AMD). Der Umsatz klettert, die Verluste konnten massiv reduziert werden und die neue Generation von Grafik-Chips laufen wie geschnitten Brot. An der US-Börse notiert die Aktie derzeit nur leicht im Minus. Im GCX beendet AMD das Jahr dagegen mit einem Wertverlust von mehr als 20 Prozent.
Wie stark sich das Währungsrisiko realisiert hat, macht auch ein Blick auf den Naturaktienindex (NAI), deutlich. Der NAI, der mit seinen 20 Jahren seit Auflage, der älteste deutsche Nachhaltigkeitsindex ist, legte im abgelaufenen Börsenjahr mehr als 33 Prozent zu – allerdings in Dollar.

Trotz des Währungsrisikos hat sich der Global Challenges Index auf lange Sicht aber ausgesprochen gut entwickelt. „Mit einer Performance von rund 130 Prozent seit Auflage des GCX hat sich unser Indexkonzept bewährt und die Renditeerwartungen vollständig erfüllt. Wir haben mit dem GCX zugleich den Nachweis erbracht, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen langfristig die besseren Wachstumschancen haben und damit auch eine höhere Performance erzielen“, sagt Hendrik Janssen, Geschäftsführer der Börse Hannover, mit Blick auf den Dax, der in den vergangenen zehn Jahren knapp 75 Prozent hinzugewonnen hat.
Und was erwartet uns im kommenden Jahr? In Ermangelung einer Glaskugel heißt es, Lehren aus 2017 zu ziehen. Folgendes bleibt zu konstatieren: Die Finanzmärkte scheren sich wenig um politische Krisen. 2017 gab es die en masse: Trump, Nordkorea, Brexit – es kriselte in fast allen Weltregionen. Und hierzulande schafften es die gewählten Volksvertreter nicht, eine Regierung zu bilden. Doch solange Anleger nicht damit rechneten, dass aus Krisen systemrelevante Risiken werden, blieben und bleiben sie entspannt. 

Hinzu kommt, dass die Gewinnentwicklungen der großen börsennotierten Unternehmen höchst erfreulich sind. Man könnte also sagen: Freuen wir uns also auf ein schönes Börsenjahr 2018! Investmentexperte Hellener warnt allerdings: „Ich glaube nicht, dass es wieder so positiv laufen wird wie in 2017. Ich gehe davon aus, dass die Märkte wieder volatiler und damit auch riskanter werden. Momentan herrscht einfach zu viel Euphorie unter den Anlegern. Und wenn schon jeder Aktien hat, wer kauft dann noch welche?“

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