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Hintergrund

Euro-5-Fahrzeuge im Visier

Das Umweltbundesamt sitzt den Autokonzernen im Nacken, die Kraftstoffpreise steigen, die Zulieferer sind besorgt: Zur Lage der Branche.

Das Umweltbundesamt (UBA) pocht angesichts neuer Daten zu Diesel-Abgasen auf die technische Nachrüstung älterer Autos mit modernen Katalysatoren. „Neue Messwerte und die Berücksichtigung zusätzlicher realer Fahrsituationen zeigen, dass gerade Euro-5-Fahrzeuge, die noch vor wenigen Jahren verkauft wurden, besonders hohe Stickstoffoxidemissionen im Realbetrieb aufweisen“, teilte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger am Mittwoch mit. Zum Schutz der Gesundheit von Städtern müssten sie nachgerüstet werden, da sich nicht jeder ein neues Auto leisten könne. Diesel-Abgase sind in Städten die Hauptquelle von Stickoxiden (NOx). 

Die neuen Messungen und Berechnungen haben laut UBA gezeigt, dass der NOx-Ausstoß von Dieselautos der EU-Abgasnormen Euro 3 bis 6c im realen Fahrbetrieb teils noch höher liege als bisher angenommen. 

Das UBA hat mit fünf anderen europäischen Umwelt- und Verkehrsbehörden zusammengearbeitet. Die Berechnungen seien jetzt realitätsnäher, teilte das Amt mit, etwa was Ladung und Fahrsituationen angehe.

Was das Autofahren teurer macht

Autofahren hat sich für deutsche Verbraucher in den vergangenen zwei Jahren stärker verteuert als andere Lebensbereiche. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, stiegen die Preise von September 2017 bis Juli 2019 um 4,6 Prozent. Damit stieg der sogenannte Kraftfahrer-Preisindex etwas stärker als die Verbraucherpreise insgesamt, die sich im selben Zeitraum um durchschnittlich 3,4 Prozent erhöhten. 

Laut Statistischem Bundesamt sind besonders die Kraftstoffpreise gestiegen: „So war Superbenzin an den deutschen Tankstellen im Juli 2019 um 8,5 Prozent teurer als im September 2017, Diesel sogar um 10,5 Prozent.“ Die Preise für Neuwagen stiegen um durchschnittlich 4,1 Prozent, Gebrauchtwagenpreise lagen mit einen Zuwachs von zwei Prozent dagegen unter dem Durchschnitt der Verbraucherpreise. Bahntickets wurden nach Angaben des Statistikamts 3,8 Prozent teurer, der kombinierte Personennahverkehr mit Bus und Stadtbahnen verteuerte sich um 3,2 Prozent. 

Ford bleibt in Europa präsent

Der Automobilkonzern Ford will anders als sein großer US-Rivale General Motors am Geschäft in Europa festhalten. „Wir haben keine Pläne, Europa zu verlassen“, sagte Europa-Chef Stuart Rowley am Rande der Automesse IAA in Frankfurt. General Motors hatte dagegen seine Tochter Opel an den französischen Peugeot- und Citroen-Hersteller PSA abgetreten und sich auf den Heimatmarkt konzentriert. Ford hatte Ende Juni den Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen in Europa – rund jeder fünften Stelle – angekündigt. Fünf Werke – drei in Russland und jeweils eins in Frankreich und Großbritannien – werden geschlossen. Die Europa-Zentrale des Autobauers befindet sich in Köln. 

Zulieferer sehen die EU am Zug

Der europäische Verband der Automobilzulieferer fordert angesichts der Branchenschwäche und des technischen Umbruchs von der EU eine klare Industriepolitik. „Europa steht am Scheideweg“, sagte der Präsident des Zulieferverbandes Clepa, Roberto Vavassori, am Mittwoch auf der IAA. „Die Wettbewerbsfähigkeit ist unter Druck, und die Wirtschaftskraft schwächelt“, sagte Vavassori. 

Die Bemühungen der EU sollten darauf abzielen, die Technologieführerschaft in kritischen Feldern wie Sensoren, künstlicher Intelligenz und fortgeschrittener Batterieproduktion zu erreichen, damit nicht andere Regionen eine dominierende Rolle bekämen. Konkret müsse die finanzielle Unterstützung für Forschung und Entwicklung eine wichtige Rolle im Wettbewerb mit anderen Weltregionen spielen und so hohe Budgets haben wie in den USA, China, Japan und Korea. (dpa/afp)

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