Die US-Bank JP Morgan Chase verdiente im letzten Jahr 21,8 Milliarden Dollar.
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Die US-Bank JP Morgan Chase verdiente im letzten Jahr 21,8 Milliarden Dollar.

US-Banken

EU-Zwerge, US-Giganten

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Amerikanische Banken legen in der nächsten Woche Zahlen vor und werden wohl wieder den Neid der Europäer wecken. Wie schaffen das die Amis nur?

In der nächsten Woche ist es wieder so weit: Die großen US-Banken legen ihre Zahlen für das erste Quartal offen und werden vermutlich wieder Gewinne präsentieren, von denen ihre europäischen Pendants nur träumen können. „Ich beneide unsere Kollegen in Amerika ein bisschen, dass sie so viel verdienen können“, sagte der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vor einigen Wochen auf einer Bankenkonferenz in Frankfurt. „Das möchten wir auch gerne.“

Nachvollziehbar. Während die Deutsche Bank im vergangenen Jahr 1,7 Milliarden Euro verdiente, kam die US-Bank JP Morgan Chase auf 21,8 Milliarden Dollar – zum Kurs vom 31. Dezember waren das knapp 18 Milliarden Euro. Die Citigroup verdiente „immerhin“ noch 7,3 Milliarden Dollar (6,0 Milliarden Euro), die Bank of America 3,8 Milliarden Dollar (3,1 Milliarden Euro).

Dass die US-Banken so viel besser dastehen als die Europäer, liegt zum einen an der schieren Größe des amerikanischen Marktes, den die Geldhäuser für sich nutzen können. Zudem hat die Finanzkrise in den USA zu einer starken Konsolidierung des Bankensektors geführt; viele Institute wurden geschlossen oder übernommen; die großen Banken sind tendenziell noch größer und mächtiger geworden. Der europäische Bankensektor und dabei vor allem auch der deutsche sind dagegen weiterhin sehr zersplittert und hart umkämpft.

Im Nachhinein, sagen viele europäische Banker, sei es wohl auch eine kluge Entscheidung der US-Regierung gewesen, die heimischen Institute in der Krise zu zwingen, Staatsgeld anzunehmen. Der Staat pumpte Milliarden in die Banken, zwang sie zu Reformen und verabschiedete sich anschließend – teils mit hohen Gewinnen – wieder aus den stabilisierten Geldhäusern. Solche drastischen Maßnahmen gab es in Europa nicht. Stattdessen rettete jedes Land so vor sich hin, stützte hier eine Bank mit Kapital, dort mit Garantien; vieles blieb Stückwerk.

US-Gehälter erregen Neid

Deutsche-Bank-Manager Fitschen wies zuletzt aber auch darauf hin, dass die Voraussetzungen unter denen US-Institute und Europäer arbeiten, sehr ungleich sind. Dazu zähle etwa der Umgang mit Wohnimmobilienkrediten. „In Amerika haben die Banken das Privileg, dass sie das beim Staat abliefern können – Fannie Mae und Freddie Mac lassen schön grüßen“, sagte er. Deutsche Banken könnten die Kredite dagegen nicht bei der Staatsbank KfW abladen, sondern hätten sie in den eigenen Büchern. Das führe im Vergleich zur US-Konkurrenz zu niedrigeren Kapitalquoten.

Zudem muss bei aller Bewunderung für die Gewinne der US-Banken hinterfragt werden, ob so große Institute überhaupt erstrebenswert sind. Nicht umsonst diskutieren Politiker, Aufseher und Wissenschaftler seit Jahren darüber, große Banken aufzuspalten, um die Risiken, die diese für die Stabilität der Finanzmärkte bedeuten, zu reduzieren. JP Morgan etwa hat eine Bilanzsumme, die in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Großbritanniens von 2013 entspricht.

Die europäischen Banker schauen sicher nicht nur neidvoll auf die Gewinne der Konkurrenz, sondern auch auf die Gehälter. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon erhielt für das vergangene Jahr 20 Millionen Dollar (aktuell 18,4 Millionen Euro), Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein 24 Millionen Dollar (22 Millionen Euro). Dagegen nahmen sich die jeweils 6,7 Millionen Euro der Deutsche-Bank-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen oder die 7,6 Millionen britische Pfund (10,4 Millionen Euro) des wegen eines Steuerskandals hochumstrittenen HSBC-Chefs Stuart Gulliver geradezu bescheiden aus.

Rechtsstreitigkeiten und milliardenschwere Strafzahlungen für alle möglichen Vergehen – etwa die Manipulation von Zinssätzen und Devisenkursen, die falsche Beratung von Kunden oder betrügerische Geschäftspraktiken – belasten Banken diesseits wie jenseits des Atlantiks. Ein Ende der Rechtsprobleme ist nicht in Sicht.

JP Morgan etwa hat in den vergangenen Jahren schon mehr als 30 Milliarden Dollar Strafen gezahlt. Die Bank of America musste im vergangenen Jahr 16,65 Milliarden Dollar als Strafe für riskante Hypothekengeschäfte zahlen. Das war der höchste Betrag, den ein Unternehmen jemals in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung mit der US-Regierung zahlen musste.

In Europa stach im vergangenen Jahr die Strafe für die französische Großbank BNP Paribas größenmäßig hervor: Sie musste in den USA 8,8 Milliarden Dollar dafür zahlen, dass sie US-Sanktionsvorschriften umgangen und Geschäfte mit dem Iran, Sudan und Kuba gemacht hatte.
Nimmt man den Börsenwert – also das Produkt aus Aktienkurs und im freien Umlauf befindlichen Aktien – als Maßstab, ist die US-Bank Wells Fargo die größte Bank der Welt. In Europa übertrifft die britische HSBC die Konkurrenz, im Euroraum die spanische Banco Santander. Die Deutsche Bank schafft es in Europa nicht einmal unter die Top zehn.

Geht man dagegen nach der Bilanzsumme der Geldinstitute, so lagen Ende 2014 die chinesischen Banken ICBC und China Construction Bank weltweit auf den ersten Rängen. Die HSBC belegte Rang drei, JP Morgan Rang fünf, BNP Paribas Platz sechs, die Deutsche Bank Platz zwölf.

Dass Investoren vielen Banken gerade in Europa weiterhin misstrauen, zeigt sich unter anderem auch am sogenannten Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Der Buchwert beschreibt den Substanzwert eines Unternehmens – also das Vermögen, das nach Abzug der Schulden übrig bleibt. Der Wert wird durch die Anzahl der Aktien geteilt und ins Verhältnis zum Aktienkurs gesetzt.

Liegt der Wert unter eins, so gelten die Aktien als preiswert; im Falle einer Liquidation würde quasi Geld übrig bleiben. Im Regelfall raten Analysten dann zum Einstieg in eine Aktie. Bei Banken aber ist ein kleines KBV derzeit oft ein Zeichen für mangelndes Vertrauen in die Institute und kann auf unternehmensinterne Probleme hinweisen. Die Deutsche Bank hatte Ende 2014 nur ein KBV von 0,51, die italienische Unicredit von 0,48 – die operativ besser dastehende Banco Santander dagegen von 1,09.

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