Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ikea gehört zu den größten Haushaltsmöbelmarken der Welt.
+
Ikea gehört zu den größten Haushaltsmöbelmarken der Welt.

Eingehende Prüfung

EU-Kommission nimmt Ikea-Steuerdeals ins Visier

  • Thorsten Knuf
    VonThorsten Knuf
    schließen

Der Möbelkonzern soll sich unerlaubte Steuervorteile verschafft haben.

Dem Möbel-Riesen Ikea droht großes Ungemach aus Brüssel. Wie die EU-Kommission am Montag mitteilte, nimmt sie den schwedischen Konzern wegen möglicherweise unzulässiger Steuerdeals ins Visier. Das Unternehmen könnte über viele Jahre hinweg seine Steuerlast massiv gedrückt haben, und zwar dank besonderer Absprachen mit den Steuerbehörden in den Niederlanden. Dort ist eine Ikea-Dachgesellschaft ansässig, an die weltweit alle Ikea-Möbelhäuser einen beträchtlichen Teil ihrer Umsätze abführen müssen.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hegt nun den Verdacht, dass der niederländische Staat Ikea bis zum heutigen Tag auf diese Weise unzulässige Beihilfen zuteilwerden lässt. „Alle Unternehmen, ob nun groß oder klein, multinational oder nicht, sollten ihren gerechten Steueranteil zahlen. Es geht nicht, dass Mitgliedstaaten es bestimmten Unternehmen gestatten, weniger Steuern zu zahlen, indem sie ihre Gewinne künstlich woanders hin verlagern dürfen“, sagte Vestager.

Hohe Einnahmen, aber kaum Steuernabgaben

Wie die Kommission erläuterte, funktioniert das Ikea-Imperium nach dem Franchise-Konzept. Gesteuert wird es von der Firma Inter Ikea, welche wiederum eine  Tochterfirma namens Inter Ikea Systems mit Sitz in den Niederlanden hat. Alle Ikea-Filialen sind verpflichtet, drei Prozent ihres Jahresumsatzes an diese Tochter abzuführen. Im Gegenzug dürfen sie die Ikea-Handelsmarke nutzen und erhalten Unterstützung beim Betrieb der Möbelhäuser.

„Folglich verzeichnet Inter Ikea Systems in den Niederlanden sämtliche Einnahmen aus den Ikea-Franchisegebühren, die die Ikea-Geschäfte weltweit zahlen“, betonte die Kommission. Den bisherigen Ermittlungen der Behörde zufolge zahlte Inter Ikea Systems in den Niederlanden aufgrund von Absprachen mit dem dortigen Fiskus kaum Steuern und leitete  einen erheblichen Teil der Einnahmen an eine Holding nach Luxemburg weiter, welche dort überhaupt keiner Körperschaftsteuer unterlag. Die Holding besaß bestimmte Rechte des geistigen Eigentums, die für das Ikea-Franchisekonzept erforderlich waren.

Steuerlast durch Tricks gesenkt

Diese Regelung war aufgrund einer Intervention der EU-Kommission ab 2011 nicht mehr aufrecht zu erhalten, weshalb sich Ikea etwas Neues einfallen ließ: Inter Ikea Systems kaufte selbst die Rechte am geistigen Eigentum. Dafür bekam die Firma  ein gruppeninternes Darlehen von der Muttergesellschaft in Liechtenstein. Die Zinszahlungen konnte das Unternehmen in den Niederlanden mit dem Gewinn verrechnen, die Steuerlast sank wieder.

Die EU-Kommission leitete am Montag eine vertiefte Prüfung des Sachverhalts ein. Abgeschlossen ist die Causa damit noch nicht. Die Niederlande und weitere interessierte Parteien haben jetzt die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. In der Vergangenheit hatte die Behörde bereits Steuerdeals der Niederlande mit der Kaffee-Kette Starbucks sowie von Luxemburg mit dem Autokonzern Fiat-Chrysler für unwirksam erklärt. Die Unternehmen sollen Steuern in zweistelliger Millionenhöhe nachzahlen. Der spektakulärste Fall betrifft den amerikanischen IT-Konzern Apple: Die Kommission verlangt von der Republik Irland, den Konzern zu einer Nachzahlung von 13 Milliarden Euro zu zwingen.

Anlass für die Untersuchungen der EU-Kommission war nun eine Studie der Grünen im EU-Parlament, die das Finanzgebaren von Ikea zum Thema hatte. Der grüne Abgeordnete Sven Giegold begrüßte am Montag das Vorgehen der Behörde: „Europa zeigt den Steuervermeidern die Zähne. Ikeas System zur Steuervermeidung ist so ausgeklügelt wie die Bauanleitungen für seine Möbel“, sagte Giegold.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare