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Grünes Label für Atomkraft und Gas? EU-Berater entsetzt

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Aus dem Kühlturm des Kernkraftwerks steigt Dampf auf.
Atomkraft als grüne Energie? Das plant die EU-Kommission. Doch Experten stellen sich gegen diese Idee. © Stefan Puchner/dpa

Die EU-Kommission überlegt, Atomkraft und Gas als nachhaltige Energieform zu klassifizieren. Das sorgt für heftige Diskussionen.

Brüssel - Berater der Europäischen Union zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Energieformen zeigen sich besorgt über einen Entwurf, nach dem auch Gas und Atomkraft als umweltfreundlich* gelten können.

Der Vorsitzende der Expertengruppe, Nathan Fabian, sagte am Montag, einige Berater warnten, der Entwurf laufe Gefahr, keine Klarheit über die Umweltauswirkungen von Investitionen zu bieten. Die in der sogenannten Taxonomie festgeschriebenen Kriterien sollen dazu beitragen, dass private Investitionen verstärkt in erneuerbare Energien fließen.

EU-Experte: AKW-Einschätzung Umweltfreundlichkeit von Atommeilern kann nicht garantiert werden

Die neuen Kriterien seien für nachhaltige Finanzprodukte nicht geeignet, sagte Fabian der Nachrichtenagentur Reuters. Er warnte, der Entwurf stütze sich zu stark auf Versprechungen nachhaltiger Nutzung in der Zukunft, anstatt die heutigen Auswirkungen zu beurteilen. Bei Atomkraftwerken* stelle sich zudem die Frage, wie jetzt die Umweltfreundlichkeit eines Meilers garantiert werden könne, wenn die Verpflichtung zur Entsorgung von Atommüll erst 2050 in Kraft trete.

Die EU-Kommission hat einen Vorschlag für die Taxonomie verschickt, zu dem die 27 EU-Regierungen Stellung nehmen sollen. Sie unterschied zwischen grünen Technologien wie Solar- und Windenergie sowie denen für Atom und Gas. Für diese beide Bereiche soll es Auflagen für die Klassifizierung geben.

Atomkraft: Bundesregierung kritisiert Entwurf der EU-Kommission

Danach sollen Investitionen in Atomkraftwerke als nachhaltig gelten, wenn diese die Entsorgung radioaktiver Abfälle sicherstellen und vor 2045 genehmigt werden. Die Bundesregierung hatte den Entwurf kritisiert* und erklärt, es sei falsch, ausgerechnet Atomenergie als nachhaltig zu etikettieren.

Auch die Bürger in Deutschland sind einer Umfrage zufolge nicht wirklich begeistert von den Plänen der EU-Kommission. Laut dem ZDF-„Politbarometer“ lehnen 74 Prozent der Befragten eine Einstufung von Atomkraftwerken als klimaneutral ab, nur 22 Prozent sind dafür. Eine Mehrheit findet es außerdem richtig, dass die restlichen Atomkraftwerke in Deutschland bis Ende dieses Jahres vom Netz gehen. Einverstanden damit sind 54 Prozent, 40 Prozent der Befragten halten es für falsch. (rtr/dpa) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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