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Schlankere Strukturen, Stellenabbau und gedeckte Farben: Esprit sucht nach Auswegen aus der Krise.

Mode

Esprit will 40 Prozent der Stellen streichen

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Das Modeunternehmen Esprit kündigt drastische Maßnahmen an, um die drohende Pleite abzuwenden.

6400 Mitarbeiter weltweit, ein Verlust von 246 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr - und jetzt: wieder ein neuer Plan zur Rettung des angeschlagenen Unternehmens. Esprit, Modekette aus dem nordrhein-westfälischen Ratingen, kündigte am Montag beim Investorentag in Hongkong an, 40 Prozent der Stellen im Unternehmen streichen zu wollen - ausgenommen ist der Verkauf in Esprit-Filialen. Außerdem, so kündigte Firmenchef Anders Kristiansen an, sollen die Strukturen der Modekette insgesamt radikal verschlankt werden. Unrentable Filialen sollen geschlossen werden, europaweit gäbe es für 28 Shops bereits konkrete Pläne. Und auch die Chefetage ist vom Stellenabbau betroffen: Kristiansen reduzierte den erweiterten Führungskreis von 13 Mitarbeiter auf lediglich sechs.

Esprit ist auf der Suche nach sich selbst; bis März versuchte Ex-CEO Jose Martinez das zuletzt wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen wieder in die Spur zu bringen. Viele einst umsatzstarke Modemarken aus Deutschland kämpfen derzeit ums Überleben: Fast-Fashion-Konkurrenz und ein immer umsatzstärkerer Onlinehandel machen ihnen schwer zu schaffen. Esprit ist davon genauso betroffen wie S.Oliver oder Tom Tailor – dennoch: Die Esprit-Krise, so schien es zuletzt, ist auch hausgemacht: Nicht einmal Führungspersonal habe zuletzt benennen können, wofür die Marke Esprit eigentlich stehe, zitierte die Zeitschrift „Textil Wirtschaft“ Anders Kristiansen im März.

Wer diese Frage richtig beantwortet, findet vielleicht einen Weg aus der Krise. Auch Kristiansen hat gesucht und erklärte kürzlich im Gespräch mit dem „Handelsblatt“: „Esprit ist keine Fast-Fashion-Marke und kein Discounter, wir wollen für exzellente Produkte zu guten Preisen stehen.“ Bei der Investorentagung am Montag bemängelte er die inkonsistente Markenidentität und dass Esprit den Kontakt mit seinem Publikum verloren habe.

„Liebe, kenne und erfreue unsere Kunden“, so lautet das vorläufige Fazit zur Lösung der Misere. Um das zu erreichen, plant Kristiansen deutliche Stellenstreichungen, aber ebenso den Einbezug der Wünsche der Kunden: mehr Passformen, bessere Qualität, weniger Modelle, weniger knallige Farben – so lautet sein Erfolgsrezept, in das unter anderem die Ergebnisse einer Kundenumfrage einflossen. Außerdem sollen Handelspartner wieder gestärkt werden, die Esprit -Produkte unter einem Dach mit anderen Marken verkaufen. Wichtig wird zukünftig aber vor allem der chinesische Markt: Esprit plant allein dort in den nächsten fünf Jahren 220 neue Stores zu eröffnen.

Esprits Krise dauert nun bereits Jahre an. Kristiansens Vorgänger sparte bereits 2016 mit Stellenstreichungen 100 Millionen Euro ein. Branchenkenner sahen seine Arbeit jedoch kritisch: Die „Textil Wirtschaft“ berichtete im März, dass Martinez Rückzug aus der Führungsspitze in Zusammenhang mit Fehlern stehe, die ihm vorgeworfen werden: Er habe das Unternehmen organisatorisch und personell falsch aufgestellt.

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