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„Es wird in diesem Jahr weiter rumpeln“

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Von: Rolf Obertreis

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Die kurzfristig angeworbenen Arbeitskräfte sollen zum Beispiel bei der Gepäckabfertigung eingesetzt werden.
Bei der Gepäckabfertigung hapert es noch. © Thomas Banneyer/dpa

Fraport-Chef Schulte rechnet mit anhaltenden Problemen bei der Abfertigung von Fluggästen - zu viele Beschäftigte sind in der Pandemie in andere Branchen gewechselt.

Fluggäste am größten deutschen Airport müssen sich auch in den nächsten Wochen und Monaten auf Probleme einstellen. „Es wird in diesem Jahr weiter rumpeln“, sagte Stefan Schulte, Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, am Dienstagabend vor Journalist:innen. Dabei komme der Höhepunkt der Reisewelle Ende Juli mit dem Ferienbeginn in mehreren Bundesländern erst noch. Zwar habe man mittlerweile fast 1000 neue Beschäftigte für die Bodendienste eingestellt. „Aber es fehlen schätzungsweise noch einige Hundert, die Probleme werden nicht kleiner.“ Das gelte vor allem für die Gepäckabfertigung. „Es ist derzeit nicht das, was wir uns vorstellen. Ich kann mich nur entschuldigen.“

Vor allem bei der Ausgabe von Koffern ankommender Passagier:innen werde es weiter zu Wartezeiten von bis zwei Stunden kommen können. „Das bleibt noch zwei bis drei Monate auf diesem Niveau.“ Zudem müsse Gepäck, das die Passagiere wegen der langen Wartezeit nicht mitnehmen würden, erst wieder aufwendig zugeordnet werden, um es ihnen nachliefern zu können.

Flüge werden gestrichen

Das alles könne nicht den Beschäftigten angelastet werden. „Unsere Mannschaft ist hochmotiviert und selbst unzufrieden mit der Situation.“ Schulte räumt ein, dass man vielleicht zu spät gesehen habe, wie schnell es mit dem Luftverkehr wieder nach oben gehen würde. „Wir haben falsch gelegen, aber viele andere auch.“ Mittlerweile sei man wieder an manchen Tagen bei 80 bis 85 Prozent des Passagieraufkommens vom Sommer 2019. Im Vergleich zum Januar sei die Zahl der Fluggäste um 150 Prozent gestiegen. „Wir erwarten Tage mit Höchstwerten von bis zu 200 000 Passagieren und dabei extrem ausgeprägte Verkehrsspitzen an den Wochenenden – und dies mit viel Reisegepäck von eher unerfahrenen Fluggästen.

Beschäftigung

Im deutschen Flugpassagierverkehr ist die Zahl der Beschäftigten auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gesunken. Laut Statistischem Bundesamt waren im April in der Personenbeförderung in der Luftfahrt 6,6 Prozent weniger Menschen beschäftigt als im Vorjahresmonat. Verglichen mit April 2019, vor dem Beginn der Pandemie, waren es 11,3 Prozent weniger.

Die Umsätze in der Personenbeförderung in der Luftfahrt stiegen im April hingegen verglichen mit dem Vorjahresmonat mitten in der Corona-Pandemie um 359,8 Prozent an, wie die Statistiker:innen mitteilten. Das liegt maßgeblich an den Einschränkungen durch die Pandemie im vergangenen Jahr. afp

Schulte zufolge versucht Fraport zusammen mit der Lufthansa alles, damit alle Abflüge möglichst pünktlich abgehen. Dazu werde das Service-Personal in den Terminals aufgestockt. Beim Gepäck lege man den Schwerpunkt auf das der abfliegenden und in Frankfurt umsteigenden Passagiere. Allerdings wird das, so der Flughafenchef, nur gelingen, wenn die Zahl der Starts und Landungen von mehr als 100 auf 94 pro Stunde reduziert wird. „Wir nehmen zusammen mit Lufthansa Flüge raus, um das System zu stabilisieren.“ Ob dies über die bereits von Lufthansa genannte Zahl von 3000 Flügen bis Ende Juli hinaus geht, ließ Schulte offen.

Prämie für neues Personal

Der Manager betonte, wie schwer es sei, Beschäftigte etwa für das Be- und Entladen der Flugzeuge zu finden, obwohl man mittlerweile eine Antrittsprämie von 2000 Euro zahle und die Gehälter um 14 Prozent erhöht habe. Viele hätten in der Pandemie das Unternehmen verlassen, obwohl Fraport das Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent aufgestockt und keine Abfindungen gezahlt habe.

Zahlreiche Beschäftigte seien offenbar in den Online-Handel gewechselt, weil es dort auch in der Pandemie Schichtzulagen gab, die am Flughafen wegen des praktisch ruhenden Betriebes gefehlt hätten. Insgesamt hatte Fraport in der Pandemie rund 4000 Stellen abgebaut. Mit den mehrfach genannten Flughafen-Beschäftigten aus der Türkei rechnet Schulte erst in etwa zwei Monaten, vor allem wegen der notwendigen Sicherheitsüberprüfungen, auch wenn Bund und Länder eine Beschleunigung der Verfahren zugesagt hätten.

Insgesamt gebe es bei allen Bodendiensten am Flughafen Personalengpässe – beim Check-in, bei den Sicherheitskontrollen, bei der Ein- und Ausreise, bei der Flugzeugabfertigung und beim Gepäcktransport. Zudem fehlten auch den Fluggesellschaften Beschäftigte. „Alle sind am Limit“, so Schulte, der zusammen mit 150 Verwaltungsangestellten zeitweise auf dem Vorfeld mithilft.

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