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Sieht das Geldhaus auf dem richtigen Weg: Christian Sewing führt die Deutsche Bank seit April 2018.
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Sieht das Geldhaus auf dem richtigen Weg: Christian Sewing führt die Deutsche Bank seit April 2018.

Deutsche Bank

Es ist … ein Gewinn

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Erstmals seit 2014 erzielt die Deutsche Bank einen Jahresüberschuss. Von vielen selbstgesetzten Zielen ist das Frankfurter Geldhaus aber noch weit entfernt.

Christian Sewing ahnte sicherlich schon, wie der Medientenor auf die Zahlen des Jahres 2020 aussehen würde. Denn der Chef der Deutschen Bank, Deutschlands größtem Geldhaus, wiederholte in der virtuellen Jahrespressekonferenz immer wieder, dass die Privatkunden- und die Unternehmensbank des Instituts großartige Leistungen vollbracht und ihre internen Ziele erreicht hätten. Und, das sagte er zwar in anderen Worten, aber sinngemäß kam es durchaus so rüber: dass die Investmentbank keine Zockerbude mehr ist, sondern nachhaltiges Geschäft macht. Wörtlich hörte sich das so an: „Es geht hier nicht um Wertpapierhandel als Selbstzweck. Es geht darum, unsere Kunden zu unterstützen.“

Aber zunächst einen Schritt zurück. Die wirklich erfreuliche Nachricht lautet: Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr erstmals seit 2014 wieder einen Gewinn gemacht. Er lag bei 624 Millionen Euro, nach Abzug der Zinszahlungen auf Nachranganleihen verblieb ein den Aktionär:innen zurechenbares Ergebnis von 113 Millionen Euro. Das ist nicht üppig, war aber dennoch deutlich mehr als viele Analyst:innen erwartet hatten. Ein Jahr zuvor hatte es hier noch einen Verlust von 5,7 Milliarden Euro gegeben. „Wir liegen mit unserer Transformation mehr als im Plan. Unser Geschäftsmodell funktioniert“, sagte Sewing.

Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass verschiedene hiesige Geldhäuser - auch die Deutsche Bank - das in der Vergangenheit schon oft behauptet haben und am Ende eingestehen mussten, dass das Geschäftsmodell doch nicht trägt, haben die Zahlen der Deutschen Bank einen großen Haken: Das Institut hängt weiterhin am Tropf des Investmentbanking. Der Vorsteuergewinn in dieser Sparte lag bei 3,2 Milliarden Euro, in der Unternehmensbank dagegen bei nur 561 Millionen Euro, in der Privatkundenbank stand sogar ein Verlust von 124 Millionen Euro zu Buche.

Dieses Ungleichgewicht wollte Sewing, der die Bank seit April 2018 führt, eigentlich beseitigen - und musste sich dazu am Donnerstag daher auch viele Fragen gefallen lassen. Denn das Investmentbanking ist volatil, die Höhe der Erträge hängt stark von der Entwicklung an den Märkten ab. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 verdiente die Investmentsparte nur 502 Millionen Euro vor Steuern. Die Bank ist im Investmentbanking eine Gewinnerin der Corona-Krise: Denn die Unsicherheit an den Märkten ist groß, davon profitieren die Banken.

Das Geschäft mit Privatkunden und Firmenkunden dagegen gilt grundsätzlich als stabiler. Wobei sich in den vergangenen Jahren - nicht nur bei der Deutschen Bank, sondern bei den meisten hiesigen Instituten - gezeigt hat, das es schwer ist, mit Privatkunden viel Geld zu verdienen.

Der Wettbewerb in Deutschland ist angesichts der Vielzahl von Kreditinstituten groß, die Produkte im Vergleich zu anderen Ländern eher günstig, zudem gehen die Menschen immer weniger in Filialen und nutzen verstärkt das Online-Banking. Weshalb die Deutsche Bank auch weiterhin Filialen schließt und in zwei Jahren 40 Prozent weniger davon haben soll als noch 2016, so Sewing.

Vielleicht ist die klare Orientierung der Deutschen Bank hin zum Investmentbanking auch nicht mehr das Problem, das es einmal war. Nämlich dann, wenn es stimmt, was Sewing in der Pressekonferenz sagte: Dass die Erträge relativ nachhaltig seien, auch wenn sich die Märkte wieder beruhigten. Und wenn das Investmentbanking tatsächlich kein Casino mehr ist, sondern tatsächlich realen Wert für die Kund:innen der Bank und die Realwirtschaft schafft.

Von vielen Zielen, die die Bank für 2022 ausgegeben hat, ist sie allerdings noch weit entfernt. Vielleicht war auch das der Grund, warum der Aktienkurs des Instituts am Donnerstag zum Teil deutlich nachgab. So lag die Aufwands-Ertrags-Relation bei 88,3 Prozent - das Institut gibt also mehr als 88 Cent aus, um einen Euro Ertrag zu machen. Ziel sind hier 70 Prozent. Bei der Nachsteuerrendite auf das materielle Eigenkapital will die Bank bis 2022 einen Wert von acht Prozent ausweisen - 2020 wurden nur mickrige 0,2 Prozent erreicht.

Deutsche Bank

Daher heißt es für das Frankfurter Geldhaus nicht nur weiter zu wachsen, sondern auch Kosten zu senken. Das hat es in den vergangenen Jahren bereits in erheblichem Umfang getan und liegt dabei im Plan. In 2020 wurden noch hohe Restrukturierungskosten verbucht, die vor allem das Privatkundengeschäft belasteten. Die Corona-Pandemie habe zudem zusätzliches Sparpotenzial offengelegt: „Wir prüfen, wie viel Büroraum wir an welchen Standorten wirklich brauchen“, sagte Sewing angesichts der Tatsache, dass in der Pandemie teils mehr als 60 000 Beschäftigte des Instituts im Homeoffice arbeiteten. Zudem seien künftig weniger Dienstreisen nötig.

Die Bank hatte im Juli 2019 außerdem angekündigt, bis 2022 insgesamt 18 000 Vollzeitstellen auf dann 74 000 abzubauen. Ende 2020 waren es noch mehr als 84 600 Stellen weltweit. Sewing wollte sich auf das ursprünglich ausgegebene Ziel am Donnerstag auch nicht mehr konkret festlegen - für die Beschäftigten möglicherweise ein Hoffnungsschimmer, dass der Jobabbau doch kleiner ausfallen wird als geplant.

Ob die Deutsche Bank ihre Ziele für 2022 aus eigener Kraft erreichen kann, scheint allerdings fraglich. Neben den Märkten muss auch die Konjunktur mitspielen. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete oder ausgefallene Kredite erhöhte sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 148 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zu einigen anderen Banken war das zwar noch moderat, belastete aber viele Geschäftsfelder, vor allem die Privatkundenbank.

Sewing hatte 2019 versprochen, den gebeutelten Aktionärinnen und Aktionären des Instituts ab 2022 Kapital von fünf Milliarden Euro zurückzugeben, etwa durch Dividenden oder Aktienrückkäufe. Daran wird er sich messen lassen müssen. Für 2020 erhalten die Eigentümer:innen des Geldhauses keine Dividende.

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