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Es ist Arbeit, die Sucht zu überwinden

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Erhöht die Pandemie das Risiko für Spielsucht? (Symbolbild)
Erhöht die Pandemie das Risiko für Spielsucht? (Symbolbild) © Sina Schuldt/dpa

FR-Telefonaktion Leserinnen und Leser der Frankfurter Rundschau erhalten Antwort auf ihre Fragen zur Glücksspielsucht.

Seit ich im Homeoffice bin, spiele ich viel online. Ab wann kann man süchtig werden?

Ein Suchtverhalten entwickelt sich oft schleichend. Ob das auf Sie zutrifft, lässt sich in einem Gespräch mit professionellen Suchtberatern klären. Für eine erste Einschätzung können Sie den Selbsttest auf www.check-dein-spiel.de nutzen.

Was kann ich tun, wenn mich die Lust zum Spiel mit aller Macht überfällt?

Überlegen Sie sich vorausschauend schon Gegenstrategien. Das müssen Dinge sein, die Sie etwa 20 Minuten voll in Anspruch nehmen: Duschen Sie heiß, hacken Sie Holz, lösen Sie ein Kreuzworträtsel, schippen Sie Schnee, schrauben Sie am Auto … Schreiben Sie alle Varianten auf, die für Sie passen. Dann sind sie zur Hand, wenn es ernst wird.

Meine Schwester zockt nur noch am Handy, obwohl sie schon so viel verloren hat. Woher kommt dieser Drang?

Wenn sich die Rädchen drehen, die Lichter blinken, wenn die Frage steht: Gewonnen oder verloren? – in dem Augenblick höchster Spannung schüttet das Gehirn Glückshormone aus. Dadurch entsteht eine psychische Abhängigkeit. Man will dieses Gefühl immer wieder, sehnt sich danach. Doch so, wie man stoffliche Süchte, wie die Sucht nach Alkohol oder nach Nikotin überwinden kann, lässt sich auch etwas gegen die Glücksspielsucht tun. Aber von allein passiert da nichts. Es ist richtig Arbeit, eine Sucht zu überwinden, und ohne therapeutische Unterstützung von Fachleuten ist es sehr schwierig. Beratungsstellen in der Nähe findet man unter www.check-dein-spiel.de

Beim Zocken habe ich viel verloren. Jetzt reicht das Geld kaum für die Miete. Was kann ich tun?

Suchen Sie sich schnellstmöglich professionelle Hilfe. Was das Geld betrifft: Lassen Sie Miete, Telefongebühren und dergleichen sofort nach Gehaltseingang per Dauerauftrag von Ihrem Konto abbuchen. Sie können auch das Haushaltsgeld und Ihre EC- und Kreditkarte von einer Person Ihres Vertrauens verwalten lassen oder sie kündigen. Nehmen Sie nie mehr Bargeld als nötig mit außer Haus.

Hilfe

Die Telefonberatung zur Glücksspielsucht ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und an Freitagen von 10 bis 18 Uhr erreichbar: 0800/1372700
Internet: www.check-dein-spiel.de

Unser Sohn spielt online um Geld und hat viel verloren. Er erhält von uns monatlich Geld für sein Studium. Wie können wir verhindern, dass er das verspielt?

Sagen Sie ihm deutlich, dass Sie sein Studium gern finanzieren, nicht aber sein Glücksspiel. Spielt er weiter, stoppen Sie Ihre finanzielle Unterstützung. Drohen Sie aber nicht mit Maßnahmen, zu denen Sie nicht bereit sind.

Meine Mutter rät mir, Konto und Wertgegenstände zu sichern, da mein Mann schon viel Geld bei Sportwetten verloren hat. Soll ich das wirklich tun?

Ja, unbedingt. Bringen Sie Ihre Ersparnisse auf ein Konto, auf das er keinen Zugriff hat. Schaffen Sie Wertgegenstände, Sparbücher und Ersparnisse Ihrer Kinder zu einer Vertrauensperson. Sie können mit Ihrem Mann vereinbaren, dass sein Gehalt auf ein Konto geht, das nur Sie verwalten. Davon erhält er monatlich ein Budget zur Deckung seiner Ausgaben.

Mein Sohn hat einen gut bezahlten Job. Durch Online-Spiele ist er aber in den roten Zahlen. Da er noch bei mir wohnt, kriege ich das alles mit. Was kann ich tun?

Loslassen – Ihr Sohn ist ein erwachsener Mann. Nur er selbst kann entscheiden, ob er spielen will oder nicht. Bisher sind ihm daraus ja keine gravierenden Nachteile entstanden. Sie lassen ihn bei sich wohnen, kaufen ein, machen sauber... . Eine Chance auf Veränderung hat er nur, wenn Sie Ihre Hilfe einstellen, wenn er voll mit den Folgen seiner finanziellen Verluste konfrontiert wird.

Eine Therapie habe ich schon hinter mir. Aber die hat es nicht geschafft, mich von der Spielsucht zu heilen. Was nun?

Die Therapeuten können die Sucht nicht von Ihnen nehmen. Sie können Ihnen nur helfen, einen Weg aus der Sucht zu finden. Die harte Umsetzung im Alltag müssen Sie allein stemmen.

Müsste ich eine Therapie gegen Spielsucht bezahlen?

Nein. Glücksspielsucht ist eine Krankheit. Es besteht ein rechtlicher Anspruch auf ambulante, stationäre und Nachsorge-Leistungen. Das alles wird von den Rentenversicherungsträgern beziehungsweise den Krankenkassen finanziert. Außerdem beziehen erwerbstätige Personen während der stationären Therapie in der Regel Übergangsgeld.

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