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Zwei Händler stoßen auf das Ende des Börsenjahres an.
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Zwei Händler stoßen auf das Ende des Börsenjahres an.

Dax und GCX

Die erwartete Panik bleibt aus

  • Antje Mathez
    VonAntje Mathez
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Erstaunlich entspannt haben viele Anleger auf die politischen Schreckensmeldungen des Jahres reagiert. Noch besser als der Dax schneidet der Nachhaltigkeitsindex GCX ab.

Wenn Börsianer von einem „Worst-Case-Szenario“ sprechen, dann spulen sich vor unserem inneren Auge dramatische Szenen ab. Dabei geht es in der Regel um heftige Börsenabstürze und Verwerfungen an den Finanzmärkten, die eine massive Vernichtung von Kapital zur Folge haben. Das Jahr 2016 hatte gleich mehrere dieser katastrophenträchtigen Ereignisse auf Lager. Der Stoff, aus dem die Alpträume der Anleger gemacht wurden, hießen: Brexit, Italien, Donald Trump.

Und wie reagierten die Märkte? Erstaunlich entspannt. Die allseits erwarteten heftigen Abstürze blieben aus. Trotzdem war es – addiert man die Turbulenzen an den chinesischen Börsen, den Absturz des Ölpreises, die anhaltende Krise des Banken- und Energiesektors hinzu – ein außergewöhnlich aufregendes Jahr. Die Indizes durchliefen eine turbulente Achterbahnfahrt. Betroffen waren nicht nur konventionelle Börsenbarometer wie der Dax, der EuroStoxx50 oder der MSCI World, sondern auch der Global Challenges Index (GCX), der Nachhaltigkeitsindex, den die Frankfurter Rundschau auf ihrer Börsenseite abbildet.

Doch nun scheint es, als sei nichts geschehen. Die Börsen feiern eine Endjahresrallye, die unterm Strich für ordentliche Gewinne sorgt. So hat der GCX, den die Börse Hannover in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research lanciert hat, seinen historisch höchsten Index-Stand seit der Auflage im Jahr 2007 und ein Plus von mehr als neun Prozent erreicht. Der Dax hat es im Vergleich nur auf knapp 6,7 Prozent gebracht. Die Investition in nachhaltige Titel hat sich also – ganz abgesehen vom ideellen Zugewinn – auch in finanzieller Hinsicht gelohnt. „Trotz eines ereignisreichen und turbulenten Börsenjahres 2016 hat der GCX eine sehr gute und stabile Performance abgeliefert und den DAX kontinuierlich übertroffen“, bilanziert auch Hendrik Janssen, Geschäftsführer der Börse Hannover.

Freilich, mag man sagen, es war schließlich das Jahr der Klimaretter. Die Baustelle Erde, die seit Kyoto (1997!) viele Jahre brach lag, ist wieder in Betrieb: Ende 2015 gelang der Weltgemeinschaft, woran niemand mehr so recht glauben mochte: Knapp 200 Staaten einigten sich in Paris auf einen neuen Klimaschutzvertrag. Das Abkommen, ein Hoffnungsschimmer, die Klimakatastrophe doch noch einzudämmen, ist seit dem 4. November 2016 in Kraft. US-Präsident Barack Obama sprach von einem historischen Tag und einem möglichen „Wendepunkt für den Planeten“. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte das Dokument „eine echte Weichenstellung der Welt in Richtung Energiewende“.

Doch es sind nicht die Unternehmen aus dem Bereich alternative Energien, denen der GCX seine gute Performance zu verdanken hat. Im Gegenteil. Die Photovoltaik-Hersteller Sun-Power und REC Silicon tragen ebenso wie der deutsche Windanlagenbauer Nordex mit hohen Wertverlusten die rote Laterne im Index. Grund ist im Bereich der Photovoltaik der für westliche Unternehmen ruinöse Preiskampf chinesischer Hersteller. Der Windkraft ist dagegen schlicht die sprichwörtliche Puste ausgegangen. Die Investoren trauen der Branche trotz respektabler Geschäftsergebnisse einfach keine großen Sprünge mehr zu. Der Wahlsieg Donald Trumps, ein erklärter Freund fossiler Energieträger, tut sein Übriges. Politikbeobachter gehen davon aus, dass der Klimaschutz eines der ersten Opfer seiner Präsidentschaft sein wird.

Einzige Ausnahme unter den Technologie-Anbietern für alternative Energien im GCX ist Ormat Technologies. Das Unternehmen entwickelt, besitzt und betreibt Geothermiekraftwerke unter anderem in den USA und in Israel – und ist damit so erfolgreich, das es den Wert seiner Aktien im vergangenen Jahr um gut 45 Prozent steigern konnte.

Schwer hatten es auch die britischen Unternehmen Berkeley Group und die British Telecom – einfach, weil sie von der Insel stammen und nach dem Brexit-Votum von der Wunschliste der Anleger gestrichen wurden. Einzig der Medienriese Sky macht sich auf, den Keller wieder zu verlassen. Getrieben wird er dabei von Übernahmephantasien – der Medienunternehmer Rupert Murdoch will den Sender kaufen und hat ein entsprechendes Angebot unterbreitet.

Für das gute Abschneiden des Nachhaltigkeitsbarometers sind in diesem Jahr andere Branchen verantwortlich. „Insbesondere die Themen Halbleiter und Transport haben sich äußerst gut entwickelt“, sagt Thomas Hellener, Chef der Investment-Gesellschaft Prima-Fonds, die einen Aktienfonds anbietet, der den GCX fast eins zu eins abbildet. Da diese Branchen einen hohen Bestandteil des GCX-Portfolios darstellten, hätten sie die Entwicklung des Index auch stark beeinflusst, erklärt Hellener. So sind unter den besten zehn Performern mit CSX Corporation (Kasten links), Union Pacific (39 Prozent) und der Canadian National Railway (25 Prozent) gleich drei Transportunternehmen, die sich auf den Güterverkehr auf der Schiene spezialisiert haben. In Sachen Chip-Hersteller tummeln sich äußerst erfolgreiche Schwergewichte wie Advanced Micro Devices, STMicroelectronics und Intel im GCX. Ihr Erfolg hat auch dem Index zum Erfolg verholfen.

Aufmerksame Beobachter des Index werden sich fragen, wo in dieser Bilanz Energy Recovery vorkommt. Der US-Konzern, der Energierückgewinnungssysteme für die Meerwasserentsalzungsindustrie entwickelt, sollte mit einem Wertzuwachs von rund 74 Prozent doch eigentlich unter den Aufsteigern des Jahres auftauchen. Dass er das nicht tut, hat einen simplen Grund: Die Gewichtung der Einzelwerte erfolgt im GCX nach Marktkapitalisierung, so dass Energy Recovery trotz der guten Einzelperformance aktuell nur ein Gewicht von 0,07 Prozent im Index ausmacht.

Fehlt noch die Frage, wie es mit den Börsen und dem GCX im kommenden Jahr weitergehen wird. „Beim Ausblick auf 2017 ist es eigentlich wie immer: Jedes bevorstehende Jahr ist das schwerste“, sagt Investmentprofi Hellener. Es gebe einige Unsicherheiten: Die Politik Donald Trumps – gerade auch in Bezug auf Umweltschutz und Klimawandel, die Umsetzung des Brexits, wackelige Banken in Italien, die anstehenden Wahlen in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland und eine Immobilienblase in China. „Das alles sind aber nur erwartete Probleme, keine realisierten.“

Darum lohnt wie üblich ein Blick auf die Fakten: Die ökonomische Realität ist derzeit positiv für die Börsen. Zinsen, Inflation und Ölpreis werden wohl leicht steigen, bleiben aber niedrig genug, um das Wachstum nicht abzuwürgen. Die Firmen machen Gewinne, die sie ausschütten und anhäufen. Trump wird große Infrastrukturprojekte auflegen, die die Bauwirtschaft beleben. All das stimmt Hellener optimistisch. Allerdings: „Die Volatilität wird uns erhalten bleiben. Dafür wird allein die Politik schon sorgen.“

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