+
Die Aktie von Europas größtem Online-Händler Zalando schoss am Donnerstag zeitweise um 19 Prozent in die Höhe.

Online-Handel

Erst mal zu Zalando

  • schließen

Der Online-Händler will die erste Anlaufstelle für Mode werden und weiter wachsen, doch die Konkurrenz ist groß.

Mutige Anleger haben gestern bestimmt vor Glück geschrien. Die Aktie von Europas größtem Online-Händler Zalando schoss am Donnerstag zeitweise um 19 Prozent in die Höhe. Allerdings lag sie damit immer noch ein Drittel unter den 50 Euro, die Investoren Anfang Juli vorigen Jahres für einen Anteilschein zahlen mussten. Die aktuelle Euphorie hat viel damit zu tun, dass das Zalando-Management einmal mehr geliefert hat, allerdings nicht harte Zahlen, sondern Versprechen, die Börsianer gerne hören. Dieses Jahr soll alles besser werden. „Wir werden noch intensiver daran arbeiten, Zalando zu dem Ort zu machen, an dem Kunden ihre Suche nach Mode beginnen“, sagte Co-Chef Robert Gentz. Quasi als eine Bekräftigung dieser Ansage bekommt Gentz im Vorstand zwei neue Kollegen. David Schröder, der bislang viel für das operative Geschäft getan hat, wird neuer Finanzvorstand. Jim Freemann wird Technik-Chef. Er war voriges Jahr vom Rivalen Amazon gekommen.

Zalando als erste Anlaufstelle für Mode: Hinter dem ehrgeizigen Vorsatz steckt ein Grundprinzip der Internetökonomie, die Plattformstrategie. Wo viel angeboten wird, kommen auch viele Kunden hin, weil die Wahrscheinlichkeit groß ist, das Gesuchte zu finden. Viele Kunden machen eine Plattform wiederum für Anbieter attraktiver. Und so weiter. Um eine solche Dynamik zu erzeugen, wollen Gentz und seine Kollegen vor allem das „Partnerprogramm“ ausbauen. Dabei geht es darum, dass Modefirmen die Zalando-Plattform nutzen, um ihre Produkte direkt an die Frau und den Mann zu bringen. Die Unternehmen können sich dann den Aufbau eigener Websites plus der Bezahl- und Logistik-Infrastruktur ersparen.

Als vertrauensbildende Maßnahme für Investoren will das Management künftig alle drei Monate das „Bruttowarenvolumen“ (GMV) als neue Kennzahl publik machen. Dabei handelt es sich um das gesamte Volumen der Einkäufe auf der Zalando-Plattform – also mit Waren aus dem eigenen Bestand des Online-Händlers und mit Artikeln, die von Partnern abgesetzt werden. Voriges Jahr machte Letzteres ein Zehntel des GMV von insgesamt 6,6 Milliarden Euro aus. Der Anteil soll auf bis zu 40 Prozent in drei vier Jahren steigen.

Ob das wirklich erreicht werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Zalando hat den Vorteil einer großen Bekanntheit, vor allem im deutschsprachigen Raum. Doch die Konkurrenz ist gewaltig. Neben Amazon drängen neue extrem finanzstarke Herausforderer wie Alibaba aus China auf den Markt.

Außerdem hat der traditionelle Einzelhandel noch längst nicht aufgegeben. Der Warenhauskonzern Karstadt/Kaufhof etwa will einerseits sein Online-Geschäft ausbauen und andererseits in den stationären Handel neuen Schwung bringen. Mit künstlicher Intelligenz, intelligenten Etiketten und Big Data-Analysen sollen die Sortimente optimiert und bei Sonderangebots-Kampagnen ein besseres Timing erreicht werden. Alle großen Handelskonzerne prüfen und testen ähnliche Konzepte. So rechnen auch Marktforscher damit, dass im Geschäft mit der Mode der Online-Anteil von derzeit gut 15 Prozent auf nur 25 Prozent in den nächsten zehn Jahren wachsen wird. Anderen Warengruppen – wie etwa der Unterhaltungselektronik – wird erheblich mehr beim E-Commerce zugetraut. Um die 25 Prozent bei den Textilien werden sich viele balgen. Branchenkenner erwarten, dass nur wenige Große überleben können. Deshalb ist Zalando zu Wachsen verdammt, und zwar so schnell wie möglich. Die Manager wollen sich ein großes Stück vom Kuchen frühzeitig sichern: Dieses Jahr soll das GMV um bis zu 25 Prozent klettern.

Die Story vom künftigen Wachstum ließ beinahe vergessen, dass die Geschäftszahlen für 2018 durchwachsen ausfielen. Der Umsatz kletterte um 20 Prozent auf knapp 5,4 Milliarden Euro und lag am unteren Ende des vom Management gesteckten Ziels. Der Nettogewinn halbierte sich auf 51 Millionen Euro. Hauptursache war ein massiver Einbruch im dritten Quartal, den der Vorstand auf den heißen Sommer zurückführte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare