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Arbeiten bis ins hohe Alter? Manche arbeiten gerne länger, andere sind froh, wenn Schluss ist.

Rente

Erst mit 70 in den Ruhestand?

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Der Vorschlag der Bundesbank für ein späteres Renteneintrittsalter löst heftige Debatte aus.

Müssen die Menschen in Deutschland länger arbeiten? Die Bundesbank hat mit einem Vorstoß, das Renteneintrittsalter schrittweise auf fast 70 Jahre anzuheben, eine heftige Debatte ausgelöst. Gewerkschaften kritisierten die Forderung scharf. Wer schwer arbeite, sterbe häufig früher als der Durchschnitt der Arbeitnehmer – auf diesen Zusammenhang verwies der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). „Wer also das Renteneintrittsalter anhebt, kürzt all diesen Menschen eiskalt deren Rente“, sagte DGB-Vorstandmitglied Annelie Buntenbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Schon die Rente ab 67 sei „ein Fehler“ gewesen.

In ihrem Monatsbericht Oktober haben die Bundesbank-Ökonomen auf die demografische Entwicklung verwiesen: Das Verhältnis von alten und jungen Menschen verschiebt sich zahlenmäßig zu Ungunsten der Jüngeren. Gleichzeitig funktioniert die gesetzliche Rentenkasse so, dass die jeweils arbeitende Bevölkerung mit ihren Beiträgen die Bezüge der Rentner finanziert.

Die Bundesbank argumentiert, die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung gerate „künftig unter erheblichen Druck, insbesondere ab Mitte der 2020er Jahre“. Daher sei das Rentenalter eine wichtige Stellschraube für notwendige Reformen, meinen die Bundesbank-Ökonomen. Ihre Idee: Das Rentenalter solle bis 2070 auf 69 Jahre und vier Monate angehoben werden, um das System stabil zu halten.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer begrüßte die Forderung der Bundesbank. „Der Vorstoß der Bundesbank, das Renteneintrittsalter auf 69,3 Jahre zu erhöhen, ist ein wichtiger Impuls in der Debatte über Generationengerechtigkeit“, sagte Theurer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Fraktionsvize sprach sich für einen Kurswechsel in der Rentenpolitik aus. „Ein flexibles Renteneintrittsalter würde den Fehler der großen Koalition korrigieren, das Alter für den Eintritt in den Ruhestand abzusenken.“ Theurer ergänzte: „Wer länger arbeitet, soll eine höhere Rente bekommen. Das gilt auch für einen Dachdecker, der nach seiner Tätigkeit auf dem Bau gegebenenfalls eine andere Tätigkeit im Betrieb ausüben kann.“

Abgelehnt wird der Bundesbank-Vorschlag von Sozialdemokraten, Grünen und Linken. Der Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, forderte, die Beitragsbasis für die Rentenkasse zu verbreitern. Man müsse fragen, warum es für Beamte, Selbstständige und Politiker Extra-Systeme zur Altersvorsorge gebe, sagte er.

Unabhängig von solchen grundlegenden Reformideen gibt es unterschiedliche Stellschrauben, mit denen die Politik auf den demografischen Wandel reagieren kann: von der Anhebung des Rentenalters über höhere Beiträge und Steuerzuschüsse bis hin zu einem niedrigeren Rentenniveau.

Grundsätzlich hängt die Finanzierung der Rente vom Wirtschaftswachstum ab. Steigt der Wohlstand, steht auch mehr Geld für die Rente zur Verfügung. Dieser Effekt hat mit dazu beigetragen, dass die gesetzliche Altersvorsorge trotz deutlicher Zunahme der Ruheständler in den vergangenen 25 Jahren stabil aufgestellt ist. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der Rentenausgaben bei 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, genauso viel 1993.

Bei einer schwindenden Zahl von Arbeitnehmern und damit Lohnempfängern stellt sich allerdings die Frage, ob weiterhin vor allem die Löhne zur Finanzierung der Rente herangezogen werden sollen. Alternativ könnte die Politik auch stärker auf Steuern setzen, um Teile des wirtschaftlichen Ertrags in die gesetzliche Rente zu lenken. Ein immer wieder diskutierter Vorschlag ist, Maschinen zu besteuern. Auch Daten oder Finanzströme wären denkbar.

Die große Koalition aus Union und SPD hat eine Rentenkommission eingesetzt, die längerfristige Vorschläge für ein solide aufgestelltes Rentensystem entwickeln soll. In der Union gibt es unterschiedliche Auffassungen zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitikern, wie man die Rente künftig gestalten will.

Für die Arbeitgeber ist die Sache hingegen klar. Sie halten den Bundesbank-Vorstoß für vernünftig. „Die gewonnene Lebenserwartung muss auch zu einer längeren Erwerbsphase führen und darf nicht nur einen immer längeren Ruhestand bedeuten“, sagte Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA.

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