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Schwerer Verdacht: Bank gewinnt auf Kosten ihrer Anleger.

Betrugsvorwürfe

Ermittler jagen Goldman Sachs

Die US-Börsenaufsicht wirft der noblen Bank Goldman Sachs Anlegerbetrug vor. Unter den Opfern ist auch die deutsche Mittelstandsbank IKB. Sie verlor fast 150 Millionen Dollar. Von Felix Wadewitz

Von Felix Wadewitz

New York. Der Finanzkrise folgt das juristische Nachspiel, auf das viele Beobachter lange gewartet haben: In den USA gehen Ermittler gegen die erfolgreiche Investmentbank Goldman Sachs vor. Das Symbol der Wall Street wird wegen Anlegerbetrugs angeklagt.

Die Bank, die seit langem synonym steht für Rekord-Gehälter und Traum-Renditen, muss sich für ihr Verhalten vor dem Ausbruch der Finanzkrise rechtfertigen. Die US-Börsenaufsicht SEC beschuldigt Goldman Sachs, seine Anleger betrogen zu haben und nennt den prominenten Vizepräsidenten Fabrice Tourre als Beschuldigten beim Namen. "Das Produkt, um das es geht, war neu und komplex", sagte SEC-Chefermittler Robert Khuzami, "aber der Betrug ist alt und simpel." Es ist das erste Mal, dass die US-Ermittler in einem solchen Fall Anklage erheben.

Der spektakuläre Schritt ließ die Aktie von Goldman Sachs gestern einbrechen: Um 15 Prozent krachte das Papier zwischenzeitlich ein. Weltweit reagierten die Märkte: In Deutschland rauschten die Kurse von Deutsche Bank und anderen Finanzinstituten nach unten.

Im Kern drehen sich die Vorwürfe der Ermittler um ein Finanzmarktprodukt mit dem Namen Abacus aus dem Jahr 2007. Abacus fasste mit dem amerikanischen Immobilienmarkt verbundene Hypothekenpapiere zusammen. Goldman Sachs bot seinen Kunden ein Produkt an, mit dem die Anleger auf den steigenden Wert von mit dem Häusermarkt verbundenen Kreditpapieren wetten konnten. Sie setzen damit auf eine Fortsetzung des Booms.

Die Bank verkaufte das Finanzmarktprodukt, aber informierte die Anleger laut Klageschrift nicht darüber, wer entscheidend an der Entwicklung beteiligt war: John Paulson. Dessen Hedgefonds aber wettete aber auf einen Zusammenbruch des US-Häusermarkts. Mehrere Milliarden Dollar verdiente Paulson damit.

Paulson selbst wird zwar von der SEC nicht angeklagt. Sein Hedgefonds war es aber, der im Auftrag von Goldman Sachs jenes Abacus-Produkt zusammenstellte. Brisant ist: Sein Interesse war dem der Anleger entgegen gesetzt. Paulson hatte einen Anreiz, genau jene Hypothekenanleihen auszuwählen, die schnell an Wert verlieren würden. Die Anleger investierten also in ein Produkt, das zum Scheitern verurteilt war. "Dabei hat man den Investoren versichert, dass diese Kreditprodukte von einer unabhängigen dritten Partei ausgewählt worden sind", sagte SEC-Ermittler Khuzami.

Der Schaden für die Anleger wird in der Klageschrift auf eine Milliarde Dollar beziffert. Unter den Opfern auch die gestrauchelte deutsche Mittelstandsbank IKB. Alleine sie soll fast 150 Millionen Dollar verloren haben.

Goldman Sachs meldete sich bislang nur mit einem Einzeiler zu Wort: "Die Anklagepunkte der SEC sind in jeder Hinsicht vollkommen unzutreffend. Wir werden energisch dagegen vorgehen, um unser Unternehmen und unseren Ruf zu verteidigen."

Das Vorgehen gegen Goldman Sachs dürfte auch anderen Banken in Alarmstimmung versetzen. Viele hatten ähnliche Finanzprodukte im Portfolio. Die SEC will ähnlichen Fällen nachgehen und kündigt weitere Klagen an.

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