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Der Firmenpatriarch fände Zuschüsse fairer als Kredite.  

Autovermieter

Erich Sixt beklagt sich

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Eigen war der Autovermieter schon immer. In der Corona-Krise vergleicht er den Staat wegen des Teil-Shutdowns mit einem Brandstifter.

Die Corona-Geschichte des Erich Sixt geht so. „Stellen Sie sich vor, ihr Haus hat jemand abgebrannt. Dann kommt der und bietet Aufbauhilfe mit einem Kredit an, an dem er verdient. Solche Hilfe kommt nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern um Gewinn zu machen.“ Das abgebrannte Haus in dieser Sicht der Dinge ist das Sixt-Autovermietgeschäft. Abgebrannt hat es im Bild bleibend der Staat mit seinem teilweisen Shutdown der Wirtschaft. Die Hilfe ist ein im Wesentlichen staatlicher und marktüblich verzinster Kredit vor allem der Förderbank KFW über 1,5 Milliarden Euro, den Sixt jüngst erhalten hat. Dankbar ist der Firmenpatriarch eher nicht. „Wenn man den Schaden sieht, den der Staat gegenüber der Wirtschaft angerichtet hat, wären auch Zuschüsse gerecht“, findet er. Denn die sind nicht rückzahlbar.

Viel Verständnis für das Herunterfahren der Wirtschaft bringt der 75-jährige offenkundig nicht auf. Wenigstens findet er es legitim, dass sein Notkredit verzinst wird. Von der Politik fordert der Unternehmer nun, „rational“ zu handeln. „Zügig lockern, Grenzen öffnen“, heißt das für ihn. Denn 2020 wolle er nach ersten Verlusten von fünf Millionen Euro im Auftaktquartal und erwarteten über 30 Millionen Euro Miesen im laufenden Quartal noch mit Gewinn abschließen, um den ersten Jahresverlust der Sixt-Historie zu vermeiden. Dazu müssen die Geschäfte ab dem dritten Quartal wieder möglichst rund laufen.

So denken nicht alle, die in der Wirtschaft etwas zu sagen haben. „Wirtschaft kann man erst wieder zum Laufen bringen, wenn der Infektionsschutz gesichert ist“, sagt etwa die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Was geschehe, wenn man zu früh öffne, zeige die mittlerweile gefährdete US-Fleischindustrie. Dort bleibe das Personal, das wieder in die Fabriken getrieben wurde, aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus mittlerweile in großen Teilen zu Hause. „Die Leute stimmen mit den Füßen ab“, erklärt die Wirtschaftsprofessorin die Gefahren eines zu raschen Hochfahrens der Wirtschaft, das dann mit einem völligen Kollaps enden könne.

Derartige Besonnenheit ist Sixts Sache nicht. Neben Gewinnen im Gesamtjahr 2020 rechnet er schon für 2021 wieder mit Umsätzen und Profiten über denen des Rekordjahrs 2019. Er unterstellt dabei, dass sich das Reiseverhalten von Touristen und Geschäftsleuten nach der Pandemie nicht ändert. Viele andere Unternehmen aus seiner Branche wie TUI oder Lufthansa kalkulieren da ganz anders. TUI will 8000 Jobs kappen, um sich auf das mutmaßlich niedrigere Reiseaufkommen nach der Krise einzustellen.

Sixt will momentan keine Stellen streichen, lässt aber in ungenanntem Umfang kurzarbeiten und verringert derzeit die rund 130 000 Autos umfassende Vermietflotte um einige zehntausend Fahrzeuge. Schon ab Juli soll sie aber wieder aufgestockt werden, weil in Sixts Welt dann auch die Reisebranche wieder hochfährt. Das werde dann mit dem Staatskredit finanziert, der in seinen Augen keine Hilfe sondern ein Geschäft für die Staatsbank KfW ist. Zudem sollen demnächst die Vermietpreise steigen.

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