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Die großen Filialen von Saturn und Media Markt sollen um ein Drittel schrumpfen.

Elektronikhandel

Erholung nach Black Friday-Tief

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Media Markt und Saturn machen wieder Gewinn, aber die Bedrohung durch Amazon wächst

Das waren noch Zeiten: „Geiz ist geil“ und „Ich bin doch nicht blöd“. Diese Slogans stehen noch heute für die Marken Saturn und Media Markt, die einst den Elektronikhandel aufmischten. Heute kommt man kleinlauter daher und proklamiert immerhin den „ultimativen Lieferwahnsinn“. Bei den Geschäftszahlen ist zwar das Ultimum noch längst nicht erreicht, aber immerhin geht der Gewinn in die Höhe.

So ist es dem Management gelungen, im wichtigen Weihnachtsquartal den Profit aus dem Tagesgeschäft um knapp acht Prozent auf 289 Millionen Euro zu steigern. Unterm Strich verdiente Ceconomy, die Mutter der beiden Ketten, mit 170 Millionen Euro fast 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Interimschef Bernhard Düttmann zeigte sich hocherfreut, dass man den „Black Friday erfolgreich und profitabel abgeschlossen“ habe.

Die aus den USA importierte Schnäppchenaktion im November ist ein Trauma für den Elektronikhändler. Vor zwei Jahren hatten die damaligen Konzernlenker so heftig mit Sonderangeboten agiert, dass man sich das Weihnachtsgeschäft komplett kaputt machte. Das Unternehmen rutschte in die roten Zahlen und in eine schwere Krise. Konzernchef Pieter Haas musste gehen.

Die Vorgeschichte: Saturn und Media Markt waren einst extrem erfolgreich. Sie positionierten sich mit den berühmten Werbesprüchen als Billiganbieter, obwohl die Niedrigpreise nur für einige wenige Produkte galten. Die Erfolge machten das Management träge, so dass die Integration der beiden Marken versäumt und der Ausbau des Online-Geschäfts nur halbherzig angegangen wurde. Die Herauslösung aus dem riesigen Metro-Konzern im Sommer 2017 sollte eigentlich ein Befreiungsschlag werden. Stattdessen der Black-Friday-Aktionismus. Auf Haas folgte der glücklose Jörn Werner als Konzernchef, der nach nur gut einem halben Jahr gefeuert wurde wegen heftiger Streitereien mit Großaktionären. Aufsichtsrat Düttmann übernahm im Oktober 2019 den Chefposten – es soll eine auf zwölf Monate begrenzte Zwischenlösung werden.

Und das Black-Friday-Trauma ist jetzt überwunden? Nicht ganz. Der Umsatz knickte zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember um knapp ein Prozent ein. Trotz der enorm guten Kauflaune im immens wichtigen deutschen Markt. Finanzchefin Karin Sonnenmoser räumte ein, dass es wegen der immer stärker werdenden Bedeutung der Aktionstage zu „Vorzieheffekten“ gekommen sei, „die das Weihnachtsgeschäft beeinflussten“. In der Preis- und Sortimentsgestaltung für die wichtigsten Wochen des Jahres scheint es also noch Potenzial nach oben zu geben.

Allerdings ist der Wettbewerb insbesondere beim E-Commerce mit dem Riesenrivalen Amazon extrem hart. Und es wird nach Einschätzung von Marktforschern nicht einfacher werden. Das Geschäft mit elektronischem Gerät gehört zu den extrem dynamischen Sparten im E-Commerce.

Dass die Gewinne dennoch gestiegen sind, hat vor allem damit zu tun, dass der Vorstand nun die lange überfälligen Umbauarbeiten und Doppelfunktionen angeht. Das bedeutet vor allem Stellenabbau. Die Gesamtzahl der Beschäftigten lag Ende Dezember mit knapp 50 100 um rund 2600 niedriger als ein Jahr zuvor.

Die zweite Baustelle, das Online-Geschäft, legte beim Umsatz nur um 4,3 Prozent zu und damit erheblich schwächer als der Gesamtmarkt. Da soll offenbar der „ultimative Lieferwahnsinn“ helfen, hinter dem sich allerdings nur die kostenlose Lieferung ab einem Bestellwert von 100 Euro verbirgt - bei Wettbewerbern längst selbstverständlich.

Um den Internet- und stationären Handel stärker zu verzahnen, sollen die Filialen verkleinert und attraktiver gestaltet werden. Derzeit sind die noch rund 1000 Standorte im Schnitt 3000 Quadratmeter groß. Sie sollen um mehr als ein Drittel schrumpfen, was angesichts vieler langjähriger Mietverträge einiges an Zeit beanspruchen könnte.

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