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Zinspolitik

Fed erhöht erneut die Zinsen

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Die US-Notenbank erhöht trotz anhaltender Kritik von Präsident Donald Trump erneut die Zinsen.

Als Jerome Powell die vierte Erhöhung der US-Leitzinsen in diesem Jahr angekündigt hatte, kam er an einem Satz nicht vorbei: „Niemand wird uns davon abhalten, den richtigen Weg zu gehen“, sagte der Chef der US-Notenbank Fed. Was bei anderen großen Notenbanken kaum der Erwähnung wert wäre, ist in den USA inzwischen eine wohlbedachte Unabhängigkeitserklärung, eine Provokation gegen den Mann, der Powell ins Amt gebracht hat: US-Präsident Donald Trump ist kategorisch gegen weitere Zinserhöhungen und hat Powell deshalb schon mehrmals massiv angegriffen. Er sei „nicht einmal ein bisschen zufrieden“ mit dem Notenbanker, sagte Trump vor einigen Wochen.

Dabei wird es wohl bleiben, denn die Fed ist der Sicht des Präsidenten nur einen winzigen Schritt entgegengekommen. Demnach ist für das nächste Jahr – Stand heute – nur noch mit zwei statt mit drei Zinserhöhungen zu rechnen. Nach der aktuellen Erhöhung um 0,25 Punkte steht die Federal Funds Rate – der Zinssatz zu dem sich Finanzinstitute untereinander Geld leihen – bei 2,25 bis 2,5 Prozent.

Trump wird zwar nicht müde, die Stärke der US-Wirtschaft zu feiern, fürchtet aber gleichzeitig, dass steigende Zinsen die Konjunktur abwürgen könnten. Die Notenbank versucht dagegen, mit einer relativ straffen Geldpolitik das Strohfeuer in Schach zu halten, das der Präsident entfacht hat. Vor allem die Steuerentlastungen für Unternehmen haben Geld freigesetzt, das Kurse hochtreibt, Aktienrückkäufe finanziert und steigende Dividenden ermöglicht – aber wenig für einen nachhaltigen Aufschwung oder die Wettbewerbsfähigkeit tut. Powell muss sanft bremsen, ohne Trumps düstere Prophezeiungen wahr werden zu lassen.

Weltkonjunktur hat sich deutlich abgekühlt

Aus Sicht der Finanzmärkte bremst die Fed schon etwas zu stark. Rund um die Welt rutschten die Aktienkurse nach der Zinsentscheidung und dem Ausblick auf 2019 deutlich ins Minus. Es begann in den USA mit mehr als einem Prozent Minus beim Dow-Jones-Index, setzte sich in Asien fort, und als die deutschen Börsen öffneten, fiel der Dax zeitweise auf ein Jahrestief von weniger als 10.600 Punkten. Die Weltkonjunktur hat sich in den vergangenen Wochen deutlich abgekühlt, weitere Zinserhöhungen im nächsten Jahr könnten ihr tatsächlich den Rest geben, fürchten manche Anleger.

Die Experten beim Schweizer Anlagespezialisten Bantleon rechnen bereits damit, dass zwei weitere Zinserhöhungen eine zu viel sein könnten. „Für uns besteht die Chance, dass die Leitzinsen 2019 nur noch ein Mal angehoben werden“, sagt Analyst Andreas Busch. Sogar die Forderung nach Zinssenkungen könne im nächsten Jahr in den USA laut werden.

Die Fed hätte immerhin diese Möglichkeit, bei einer Wirtschaftsschwäche gegenzusteuern. In Europa dagegen liegen die Leitzinsen nach wie vor bei Null, die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Pulver für den Fall der Fälle weitgehend verschossen. Nachdem die Zinsen in der Finanzkrise 2008 auf Null gesetzt worden waren, hat sich die Fed bereits 2015 vom Krisenmodus verabschiedet und seitdem neun Mal die Zinsen erhöht. Die EZB hat bisher nur das Ende der Anleihenkäufe beschlossen und will sich erst in der zweiten Hälfte 2019 an den Leitzins wagen – wenn es die Lage der Konjunktur dann noch zulässt.

Ein ähnliches Problem hat die Bank of Japan. Sie hält die Wirtschaft praktisch seit Jahrzehnten mit extrem billigem Geld in Gang. Am Donnerstag beschloss die japanische Zentralbank, an ihrer lockeren Geldpolitik festzuhalten. Geschäftsbanken können sich weiterhin praktisch kostenlos Geld bei der Notenbank besorgen.

Etwas mehr Spielraum hat die Bank of England, und sie würde ihn im Fall eines chaotischen Brexits wohl dringend brauchen. Auch in London beriet man am Donnerstag über den Leitzins und beließ ihn bei 0,75 Prozent.

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