Streiks

Erhitzte Gemüter im Flugverkehr

Die Gewerkschaft Verdi bestreikt weitere Flughäfen und erzürnt so die Arbeitgeber.

Mit Warnstreiks des Sicherheitspersonals an acht deutschen Flughäfen erhöht die Gewerkschaft Verdi am Dienstag massiv den Druck auf die Arbeitgeber im laufenden Tarifkonflikt. Neben dem Großflughafen Frankfurt am Main sind auch Hamburg und München betroffen, dazu Hannover, Bremen, Leipzig, Dresden und Erfurt. Hunderte Flüge wurden gestrichen, Verdi warnte vor „sehr starken Einschränkungen“. Die Arbeitgeber kritisierten die Streiks als „völlig maßlos“, auch die Reisebranche ist erbost.

Das Sicherheitspersonal ist laut Verdi jeweils ganztags zu den Warnstreiks aufgerufen, die Ausstände sollen jedoch regional zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden. Die Arbeitgeber hätten bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, kritisierte Verdi-Verhandlungsführer Benjamin Roscher. Dabei wäre es ihnen möglich gewesen, auf die jüngsten „Warnsignale“ zu reagieren, hieß es aus dem Verdi-Vorstand.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt wurden 470 von 1200 am Dienstag geplanten Flügen gestrichen. Dort sind nach Angaben einer Sprecherin im Schnitt rund 60 Prozent der Fluggäste Transitpassagiere – und damit nicht von den Streiks betroffen. In Hamburg wurde etwa die Hälfte der insgesamt fast 360 Starts und Landungen annulliert, in Hannover fallen von 119 geplanten Verbindungen 42 weg.

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS), kritisierte Verdi scharf. Das seien keine Warnstreiks im Zuge von Verhandlungen mehr, sondern „unverhältnismäßige Aktionen, die viele tausend unschuldige Passagiere, die Flughäfen und die Fluggesellschaften massiv schädigen.“ Die Arbeitgeberseite habe mehrfach informiert, dass sie in der nächsten Runde ein neues Angebot vorlegen werde.

Verdi fordert für die 23.000 Sicherheitsbeschäftigten bundesweit eine Erhöhung des Stundenlohns auf 20 Euro. Die Arbeitgeber lehnen das als zu hoch ab. Das Beharren auf „absurden Forderungen“ sei „ein Schlag ins Gesicht jeder ausgebildeten Krankenschwester und jedes Rettungssanitäters“, erklärte der BDLS. Beide Seiten wollen am 23. Januar weiter verhandeln, nachdem vier bisherige Tarifrunden ergebnislos geblieben waren.

Der Flughafenverband ADV warf Verdi einen „Streikexzess“ vor. Er prognostizierte, dass die Warnstreiks das deutsche Flugnetz lahmlegen werden, etwa 220.000 Passagiere seien von Streichungen und Verspätungen betroffen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) warnte, Verdi verursache einen „massiven Schaden für unsere Volkswirtschaft“. Er forderte gesetzliche Einschränkungen für Arbeitskämpfe. Diese sollten zwar zulässig bleiben, „seien aber gesellschaftlich und volkswirtschaftlich höchst unerwünscht und dürften daher immer nur das letzte Mittel der Auseinandersetzung sein“.

Die Reisebranche reagierte ebenfalls erbost: Erneut werde ein Tarifkonflikt einer einzelnen Berufsgruppe „auf dem Rücken von Hunderttausenden Passagieren“, den Luftverkehrsbetrieben und weiteren Tourismus-Firmen ausgetragen. Der Deutsche Reiseverband nannte die Aktionen „unverhältnismäßig“. Es müsse „aufhören, dass sehr kleine Gruppen zur Durchsetzung ihrer Interessen einen ganzen Wirtschaftszweig lahmlegen können“. (afp)

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