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Versicherungsgruppe

Ergo wegen Betrugsverdachts angezeigt

Verbraucherschützer werfen der Versicherungsgruppe Ergo Täuschung bei betrieblicher Altersvorsorge vor und haben das Unternehmen angezeigt. Die Vorwürfe sind die jüngsten in einer ganzen Reihe von Skandalen bei Ergo.

Verbraucherschützer haben die seit Monaten in der Kritik stehende Versicherungsgruppe Ergo angezeigt. Im Zusammenhang mit Kollektivverträgen zur betrieblichen Altersvorsorge bestehe der Verdacht auf Betrug sowie auf Betrug durch Unterlassung, teilte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) am Freitag mit. Die Anzeige richte sich gegen die Versicherungsvertreter sowie gegen die Verantwortlichen im Konzern.

Ergo soll mit Unternehmen günstige Rahmenverträge zur betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen haben, die Vertreter sollen Angestellten dann aber trotzdem teurere Einzelverträge zu den normalen Konditionen verkauft haben. Die Versicherten, aber auch die Unternehmen, seien „klar getäuscht und geschädigt“ worden, sagte vzbv-Chef Gerd Billen dem Handelsblatt. „Dafür müssen die handelnden Vermittler und die Verantwortlichen bei Ergo geradestehen.“

„Wir gehen in zwei Stoßrichtungen vor“, sagte vzbv-Versicherungsexperte Lars Gatschke. Vertreter seien schließlich „der verlängerte Arm des Unternehmens“. Die Staatsanwaltschaft solle nun überprüfen, wie viele Geschädigte es gibt und wie dies zu ahnden ist. Die Staatsanwaltschaft habe die Instrumente, „in die Unternehmen reinzugehen, viel tiefer zu wühlen, als wir das können“. Zudem habe der vzbv den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit ins Boot geholt, der über die Betriebsräte viel dichter am Geschehen in den Unternehmen dran sei.

„Wir sehen das als Spitze des Eisbergs und wissen nicht, wie es in anderen Unternehmen aussieht“, betonte Gatschke. Verbandschef Billen mahnte: „Es geht um das Vertrauen in die private Altersvorsorge. Wenn dieses Vertrauen bricht, dann müssen Konsequenzen gezogen und Verbraucher für ihre Schäden ohne Wenn und Aber entschädigt werden.“

Diese Vorwürfe sind die jüngsten in einer ganzen Reihe von Skandalen bei Ergo. Ergo-Chef Torsten Oletzky hatte dazu am Mittwoch gesagt, eine Klärung solcher Beschuldigungen sei generell „sehr, sehr aufwändig“. Einem Vertreter sei aufgrund verschiedener Vorwürfe aber gekündigt worden. Oletzky hatte als Reaktion auf die Skandale der vergangenen Monate zudem eine Transparenzoffensive angekündigt. Ein „Verhaltenskodex“ solle künftig selbstständige Vertreter zu „integrem Verhalten“ verpflichten.

Ergo war im Mai zunächst wegen einer Reise für Vertreter der mittlerweile zur Versicherungsgruppe gehörenden Hamburg-Mannheimer (HMI) zu einer Feier mit Prostituierten in die Kritik geraten. Kurz darauf stellte sich heraus, dass die HMI auf Antragsformularen für Riesterversicherungen zu niedrige Verwaltungskosten ausgewiesen hatte. (AFP)

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