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Die Zentrale der Ergo Versicherung in Düsseldorf.

Rolf Wiswesser

Ergo holt sich Aufräumer beim AWD

Ausgerechnet beim Finanzdienstleister AWD ist die Ergo-Versicherung auf der Suche nach dem Retter aus dem Image-Loch fündig geworden: Rolf Wiswesser soll Jürgen Vetter als Vertriebschef nach der Skandalserie ablösen.

Von Antje Schüddemage

Es mussten Köpfe rollen. Nach den Berichten über die Sex-Party in Budapest, den überteuerten Riester-Verträgen und dem mehr als schlechten Krisenmanagement, musste Ergo reagieren, endlich Schluss machen mit der schlechten Presse. Seit gestern ist ein Name bekannt: Der bisherige Ergo-Vertriebsvorstand, Jürgen Vetter, räumt seinen Posten.

Ob er abgesägt wurde oder, wie es heißt, die Münchener Rück-Tochter aus privaten Gründen verlässt, tut hier nichts zur Sache. Denn viel interessanter ist, wer Vetter beerben wird. Nach Informationen der Online-Ausgabe des Handelsblatts soll das der bisherige Vorstand und Deutschland-Chef des Finanzdienstleisters AWD, Rolf Wiswesser, sein.

Da kann man sich erst einmal nur wundern: Der Versicherer mit dem derzeit wohl schlechtesten Ruf in Deutschland, will sein Image aufpolieren und sucht sich die dafür nötige Unterstützung ausgerechnet bei einem Unternehmen, dass in der Vergangenheit vor allem durch äußerst zweifelhafte Geschäftspraktiken aufgefallen ist.

Der von Carsten Maschmeyer, Lebensgefährte von Superweib Veronica Ferres, 1988 gegründete Finanzvertrieb galt lange Zeit als die Drückerkolonne der Branche, die Kleinanleger in den 90er Jahren mit sogenannten Schrottimmobilien und geschlossenen Immobilienfonds zum Teil um ihre gesamten Ersparnisse gebracht und selbst dafür hohe Provisionen einkassiert hatte. Verkauft wurden die Papiere von AWD-Beratern, die nach Berichten von Mitarbeitern von dem Unternehmen unter hohen Verkaufsdruck gesetzt wurden.

Und nun soll ein AWDler Ergo aus dem Imagetief ziehen? Das nächste PR-Debakel droht, möchte man meinen. Zur Erinnerung: Begonnen hatte die Skandalflut mit der Budapest-Lustreise. Wenig später wurde bekannt, dass Vertreter der Hamburg-Mannheimer (heute Ergo) in rund 14.000 Fällen beim Abschluss von Riester-Verträgen fehlerhafte Formulare verwendet hatten, Kunden waren Millionen entgangen. Sie können jetzt auf Entschädigungen hoffen. Und Versicherungsvertreter der Victoria, die heute ebenfalls zur Ergo gehört, sollen bewusst falsch beraten haben.

Wahrscheinlich hat Ergo aber mit der Wahl von Wiswesser einen Volltreffer gelandet. Denn der 48-Jährige studierte Volkswirt mir einem Doktor in Finanzwissenschaften gilt in der Branche als überaus seriös. Der gebürtige Niedersachse, der seit drei Jahren an der Spitze von AWD Deutschland steht, hatte sich sofort von den fragwürdigen Praktiken im eigenen Haus distanziert. Stattdessen trug er zur Entwicklung der EU-Vermittlerichtlinie bei, die für Berater eine Ausbildung als Fachberater für Finanzdienstleistungen verpflichtend vorschreibt.

Mit der ihm eigenen Disziplin wird Wiswesser, der eigentlich einmal Berufssoldat hätte werden sollen, nun das Ergo-Image aufpolieren. Sein vorderstes Ziel wird sein, einen sauberen Vertrieb zu schaffen. Wichtig dabei sei es, sich nicht nur die Abschlusszahlen von Beratern anzusehen, sondern auch die Kündigungen, sagte er kürzlich in einem Interview. Denn nur gut beratene Kunden kündigten nicht. Und der Skandal um die Sexreise nach Budapest? So etwas sei bei AWD aus einem einfachen Grund unmöglich: Ehepartner seien dort bei Belohnungsfahrten dabei. Da wissen Ergo-Vertriebler schon mal, worauf sie sich einstellen können.

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