Tarifpolitik

Erfolge fortsetzen!

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Die Gewerkschaften haben 2018 viel erreicht. Wir erleben eine Renaissance tariflicher Arbeitszeitpolitik.

Das Jahr 2018 war ein tarifpolitisch erfolgreiches Jahr. Verdi, IG Metall & Co erstritten durchschnittliche Tariflohnsteigerungen von drei Prozent. Damit kletterten die Tariflöhne stärker als in den vergangenen beiden Jahren. Die besten Abschlüsse erzielten die Gewerkschaften in der Metall- und Elektroindustrie, in der Chemieindustrie und im öffentlichen Dienst.

Zwar blieb den Beschäftigten abzüglich Inflation nur noch ein Plus von knapp über ein Prozent. Trotzdem wurden sie wieder stärker an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt. Ihr Stück vom Einkommenskuchen vergrößerte sich. Die Gewerkschaften konnten den sogenannten verteilungsneutralen Spielraum – Produktivitäts- und Preisanstieg – ausschöpfen. Letzterer lag 2018 bei rund zwei Prozent. Folglich wurde dieses Jahr zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer umverteilt.

Doch damit nicht genug: Nach langer Zeit wurde in den Tarifrunden 2018 wieder über kürzere Arbeitszeiten verhandelt. In der Metall- und Elektroindustrie und bei der Post AG können die Beschäftigen künftig darüber entscheiden, ob sie mehr Geld oder mehr Freizeit haben wollen. Wir erleben eine Renaissance tariflicher Arbeitszeitpolitik.

Die guten Tarifabschlüsse waren ökonomisch sinnvoll. Die Lohnzuwächse stützten die wirtschaftliche Entwicklung. Die steigenden Einkommen führten zu höheren Konsumausgaben und stärkten die Binnennachfrage. Auch deswegen ist der Aufschwung trotz weltwirtschaftlicher Risiken weiterhin robust.

Doch leider kommt das, was Gewerkschaften aushandeln, nicht bei allen Beschäftigten an. Die Tarifbindung sinkt. Nur jeder zweite Beschäftigte kommt noch in den Genuss eines Tarifvertrages. Hier muss die schwarz-rote Regierung endlich handeln. Die Politik kann das Tarifsystem von oben stärken. Dafür sollte die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen erleichtert werden. Dann gelten Tarifverträge auch für nicht verbandsgebundene Unternehmen. Zudem sollten Tarifverträge verbindlicher gemacht werden, so dass sie künftig kollektiv nachwirken bis ein neuer Vertrag an ihre Stelle tritt.

Nächstes Jahr wollen die Gewerkschaften ihre lohn- und verteilungspolitischen Erfolge fortsetzen. Das Tarifjahr 2019 beginnt bereits Ende Januar mit den Tarifverhandlungen für die 2,4 Millionen Angestellten und Beamten der Länder.

Der Autor ist Chefökonom der Gewerkschaft Verdi.

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