Analyse

Erfolg oder Misserfolg?

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Ein Drittel der Flüchtlinge hat richtige Jobs. Das ist toll, bedeutet aber auch, dass zwei Drittel noch nicht arbeiten.

Rund drei Jahre sind seit der großen Einwanderung von 2015/16 vergangen. Die damalige Stresssituation – Turnhallen mit Feldbetten, lange Schlangen vor den Ausländerämtern – hat sich vielerorts normalisiert.

Nun geht es oft um die alltäglichen Probleme, beispielsweise Ausbildungsplätze und Jobs. Mittlerweile haben rund 300 000 Geflüchtete eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden, sagt der aktuelle Bericht über „Fluchtmigration“ der Bundesagentur für Arbeit. Die Beschäftigungsquote liegt der Agentur zufolge bei 32,4 Prozent. Das bedeutet: Rund ein Drittel der Leute, die damals eintrafen, arbeitet inzwischen auf normalen Stellen. Sie zahlen auch in die Sozialversicherung ein.

Die Zahlen beziehen sich auf Migranten und Migrantinnen, die aus den acht „Hauptherkunftsländern der Geflüchteten“ kamen – Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Weitere, weniger wichtige Heimatstaaten bleiben in dieser Betrachtung freilich außen vor.

Die Frage lautet nun: Ist ein Drittel viel oder wenig? Arbeiten schon oder erst 300 000?

„Eine gute Entwicklung“ sieht darin Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur gehört. Dies ist ein Hinweis auf den starken Anstieg. Während Ende 2016 etwa 131 000 Personen beschäftigt waren, stieg die Zahl auf 210 000 Ende 2017 und rund 300 000 Ende vergangenen Jahres.

Die Leute fanden relativ schnell bezahlte Arbeit, obwohl die meisten erst einmal von Grund auf Deutsch lernen mussten. Eine weitere Hürde besteht darin, dass die duale Berufsausbildung – hierzulande oft eine Voraussetzung für die Einstellung – in den Herkunftsländern kaum angeboten wird. So kann man auch die steigende Zahl der Auszubildenden unter den Geflüchteten als Erfolg sehen. Im Juni 2018 machten 27 000 hier eine Lehre, ein Jahr früher waren es 13 000.

Wenn allerdings 32 Prozent der Geflüchteten arbeiten, tun es 68 Prozent nicht. Zwei Drittel stellen die eindeutige Mehrheit dar. So waren den Zahlen der BA zufolge Ende November 2018 rund 594 000 eingewanderte Personen aus den acht Ländern von Hartz IV abhängig. Viele von ihnen stecken in Maßnahmen der Jobcenter, die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen sollen. Andere absolvieren noch die Integrationskurse, in denen sie die deutsche Sprache und Kultur vermittelt bekommen. Und manche sind krank oder wollen nicht arbeiten.

Gleichwohl handelt es sich um eine erstaunliche Integrationsleistung der Neuankömmlinge und der deutschen Gesellschaft. Die Entwicklung nehme einen besseren Verlauf als bei früheren Einwanderungen, sagt das IAB. Im Vergleich zu den Flüchtlingen aus Jugoslawien während der 1990er Jahre funktioniere die Integration in den Arbeitsmarkt diesmal etwas schneller.

Kommt es zu keiner heftigen Wirtschaftskrise wird die Beschäftigungsquote der neuen Flüchtlinge in wenigen Jahren ein ähnliches Niveau erreichen wie unter den Zugewanderten, die schon länger hier sind.

Wenn erst einmal mehr als die Hälfte von ihnen für den eigenen Lebensunterhalt sorgt, verliert die These von der Einwanderung in die Sozialsysteme einen Teil ihrer Kraft. Die meisten Zuwanderer wollen nicht in der Hängematte liegen, sondern tätig sein.

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