Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nordrhein-Westfalen, Bochum: Der Schriftzug an einer Filiale der GLS Bank.
+
Nordrhein-Westfalen, Bochum: Der Schriftzug an einer Filiale der GLS Bank.

Nachhaltigkeitsbank

Erfolg in der Nische

  • Antje Mathez
    vonAntje Mathez
    schließen

GLS-Bank wächst in der Krise und fordert einen sozial-ökologischen Umbau des Finanzsystems.

Ist das eigentlich gesund?“, fragt Thomas Jorberg und meint nicht die Corona-Krise. Der Chef der Bochumer Nachhaltigkeitsbank GLS zielt mit seiner eher rhetorischen Frage zum Auftakt der Bilanzvorlage für das Jahr 2020 am Montag ganz grundsätzlich auf die Funktionsweise unseres Banken- und Finanzsystems ab. „Geldvermögen wird gebildet zu Lasten von Naturvermögen und Sozialvermögen“, konstatiert der Vorstandsvorsitzende. Rücksicht auf die drohende Klimakatastrophe oder gar den Kollaps der Biodiversität werde nicht genommen – trotz der hohen Folgekosten, die Jorberg auf weltweit jährlich 20 Billionen Dollar beziffert. Ein sozial-ökologischer Umgang mit Finanzen sei deswegen zukunftsweisend und notwendig. „Die Bank von morgen muss das Geld für Natur und Mensch nutzen.“

Die Bochumer verstehen sich als solche. Sie investierten die Einlagen ihrer Kundinnen und Kunden, die im vergangenen Jahr von rund 5,6 Milliarden um 18,8 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro gestiegen sind, in erneuerbare Energien (30,1 Prozent), bezahlbaren Wohnraum (26,3 Prozent), Soziales und Gesundheit (15,9), Bildung und Kultur (10,7), Ernährung (7,4) und andere nachhaltige Wirtschaftszweige.

Die Corona-Krise macht der Bank bislang vergleichsweise wenig zu schaffen. Das führt Jorberg darauf zurück, dass die GLS-Bank in „stabile“ Branchen investiere, die die „Grundbedürfnisse“ der Menschen befriedige und daher weniger krisenanfällig seien. „Es gibt keine coronabedingten Wertberichtigungen, die ins Gewicht fallen.“ Wohl habe man einige Tilgungsstreckungen vereinbart, coronabedingte Kreditausfälle zähle man aber nur drei, lässt der GLS-Chef per Videoschalte wissen.

Unter dem Strich verzeichnet die Genossenschaftsbank fürs vergangene Jahr einen Gewinn von 9,5 Millionen Euro, nach 5,4 Millionen in 2019. Der Grund: Die Bochumer konnten ihren Gewinn aus Zinsen deutlich steigern, von 84,9 auf 92,3 Millionen Euro. Auch mit den Provisionen lief es deutlich besser. Damit wurden gestiegene Kosten für die Beschäftigten-Gehälter mehr als wettgemacht. „Der sinnvolle Einsatz von Geld gelingt uns auch in der Corona-Krise“, sagte Vorständin Christina Opitz, unter anderem zuständig für das Einlagenmanagement.

Die Bilanzsumme stieg um sagenhafte 19,6 Prozent auf rund acht Milliarden Euro. Damit dreht die Bank aber weiterhin ein nur sehr kleines Rad. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme der inzwischen nur noch mittelgroßen Commerzbank betrug 2019 rund 464 Milliarden Euro. „Stimmt, wir sind noch immer in einer Nische“, räumt Jorberg ein – und das, obgleich der Klimawandel eines der gesellschaftlichen Topthemen ist.

Dazu passt, dass es der Bank zwar gelungen ist, die Anzahl ihrer Kund:innen wieder deutlich zu steigern, um 38 000 auf 282 000. Hinzu kamen 19 000, die auch der Genossenschaft beitraten. Allerdings hätte man angesichts der Dringlichkeit der Klimathemen deutlich mehr erwarten können – zumal sich die Bochumer auch deshalb im November den Titel „Bank des Jahres“ anheften durfte.

Aber warum wächst die Nachhaltigkeit und mit ihr die GLS-Bank nicht schneller? Im Livestream zuckt Jorberg mit den Achseln und sagt: „Leider unterscheidet sich die tatsächliche Handlungsweise der Menschen noch immer von ihrer Überzeugung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare