Soll zwischen Edeka und Rewe aufgeteilt werden: Kaiser&#39s Tengelmann.
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Soll zwischen Edeka und Rewe aufgeteilt werden: Kaiser's Tengelmann.

Supermarktkette

Erfolg für Edeka und Rewe

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Bei den Verhandlungen zur Zukunft der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann haben die Parteien offenbar eine Einigung erzielt.

Der Kompromiss kam dann doch überraschend. Bei den Verhandlungen über die Zukunft der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann (KT) haben die Parteien eine Einigung über Eckpunkte erzielt. Für mehr als 15 000 Beschäftigte gebe es nun gesicherte Arbeitsplätze, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Montag. Grundlage bilde ein unter der Leitung   Schlichter Gerhard Schröder (Ex-Kanzler) verhandelter „Interessenausgleich“, über den allerdings Stillschweigen vereinbart worden sei.  Mehrere Nachrichtenagenturen berichten unabhängig von einander, dass  Rewe zumindest einen Teil der KT-Filialen in Berlin übernimmt, Edeka soll vor allem in München und Umgebung zum Zuge kommen. Offen war zunächst, wie sich die beiden Unternehmen die 105 Märkten in NRW aufteilen, dort gibt es besonders viele defizitäre Filialen. Dort sind auch die Verwaltung und ein Fleischbetrieb angesiedelt, wo die Gefahr der Schließung  besonders groß war. Auch soll der Preis für die Berliner Standorte noch nicht ausgehandelt sein. 

Einige dieser Fragen sollen  bis zum 11. November beantwortet werden. Geplant ist, dass Rewe dann  seine Klage gegen eine Sondererlaubnis Gabriels für eine Fusion von Edeka mit Kaiser's Tengelmann zurückzieht.

Der Einsatz und die Arbeit hätten sich gelohnt, sagte Gabriel. Die Beschäftigten könnten sich auf ein Weihnachtsfest ohne Sorge um ihre Arbeitsplätze freuen. Frank Bsirske, Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi, sprach von einem sehr guten Tag für die 15 000 Beschäftigten, deren Arbeitsplätze auf Jahre hinaus gesichert seien. Die Einigung könne komplett auf dem Boden der Ministererlaubnis vollzogen werden.  Das bedeutet konkret, dass Tarifverträge Bestand haben, die nicht nur die  Stellen von etwa 15000 KT-Beschäftigten, sondern auch die Standorte von Kaisers für mindestens fünf Jahre sichern.

Um die Zukunft der Lebensmittelkette des Tengelmann-Konzerns wird seit mehr als zwei Jahren gekämpft. Die Läden machen seit der Jahrtausendwende keine Gewinne mehr, auch weil die Handelskette zu klein ist, um im Einkauf bei den wichtigen Herstellern namhafte Rabatte heraushandeln zu können. Die Verluste sollen zuletzt bei zehn Millionen Euro pro Monat gelegen haben.

Edeka-Chef  Markus Mosa und Tengelmann-Boss Karl-Erivan Haub waren sich seinerzeit schnell über eine Komplettübernahme einig. Sie betraf zunächst noch etwa 450 Filialen in Bayern, Berlin und NRW sowie die Verwaltung in Mülheim, den Fleischbetrieb in Viersen und mehrere Lager- und Logistikstandorte. Insider berichteten von einem Kaufpreis von ursprünglich  250 Millionen Euro. Doch das Kartellamt untersagte die Transaktion.

Im hiesigen Lebensmitteleinzelhandel haben die großen Vier (Edeka, Rewe, Aldi und Lidl) einen Marktanteil von rund 85 Prozent. Für viele Kartellexperten gibt es keinen Zweifel, dass eine große Übernahme durch ein Unternehmen aus dem Quartett ohne massive Einbußen beim Wettbewerb nicht möglich ist. Die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, schloss sich denn auch dem Nein der Bonner Behörde an. Doch Gabriel setzte sich mit seiner Sondergenehmigung über das Fusionsverbot hinweg.

Rewe, der Discounter Norma und die Handelskooperation Norma zogen gegen die Ministererlaubnis vor Gericht  - und bekamen Recht. Dagegen ging wiederum das Wirtschaftsministerium vor. Die Gerichtsverfahren hätten sich womöglich viele Jahre hingezogen. Haub drohte deshalb damit, die Verträge mit Edeka zu annullieren, um die Märkte einzeln zu verkaufen. Damit wäre aber auch die Ministererlebnis nebst der Jobgarantien hinfällig gewesen. Bis zu 8000 Arbeitsplätze wären dann laut Haub gefährdet gewesen.

Auf Vermittlung von Verdi wurde daraufhin in zähen Verhandlungen versucht, doch noch einen Kompromiss zu finden. Vorige Woche dann zogen Norma und Markant ihre Klagen zurück – Branchenkenner vermuten, dass es dafür von Edeka Gegenleistungen in Form von  Geldzahlungen gibt. Derweil wurden Schröder und der Wirtschaftswissenschaftler Bert Rürup als Moderatoren benannt – die Gespräche am Montag galten als letzte Chance, um den Deal und damit die Arbeitsplatzgarantien zu retten. Rewe-Konzernchef Alain Caparros kündigte derweil an, dass er bei der Übernahme von KT-Filialen, die ausgehandelten Tarifverträge in jedem Fall einhalten werde.

Die Eckpunkte-Einigung ist zunächst auch ein großer Erfolg für Verdi. Niemals zuvor ist es hierzulande einer Gewerkschaft gelungen, bei der Übernahme eines angeschlagenen Unternehmens  sämtliche Arbeitsplätze über mehrere Jahre zu sichern. Vieles spricht aber dafür, dass nach Ablauf der Fristen, Stellen massiv abgebaut werden. Zudem befürchten Branchenkenner, dass zwar bei der KT bestehende Strukturen eingefroren werden, dass dies aber sowohl bei Rewe als auch bei Edeka mit  Stellenstreichungen bezahlt werden könnte.  

Die Auswirkungen auf den hiesigen Lebensmitteleinzelhandel dürften sich indes nur allmählich und schleichend einstellen. Dem Kartellamt ging es ursprünglich darum, eine Ausweitung der Dominanz von Edeka zu verhindern. Caparros hat mehrfach davor gewarnt, dass der größere Rivale davonziehen könnte.  Das ist verhindert. Sollte es bei dem Kompromiss aber darauf hinauslaufen, dass Rewe und Edeka sich de facto die KT-Filialen untereinander aufteilen, können sich die beiden Großen weiter breit machen. Die beiden Marktführer könnten in größerem Stil bei den Lebensmittel-Produzenten einkaufen und  höhere Rabatte aushandeln, während für die Hersteller ein potenzieller Abnehmer flach fällt. Zudem können die beiden Konzerne ihre Marktmacht vor allem in großen Städten  besser ausspielen. Das setzt kleinere Händler unter Druck. Vielfalt ist in Gefahr. Wettbewerbsexperten haben mehrfach davor gewarnt, dass dies letztlich weniger Jobs in der Branche und höhere Preise für die Konsumenten bedeuten könnte. 

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