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Max von Wolff macht?s möglich: Der Weg eines Hurrikans lässt sich genauer vorhersagen.

Innovationen

Erfinder-Weltmeister

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Woran es liegt, dass Deutschland als das innovativste Land der Welt gilt ? trotz Dieselkrise und Fachkräftemangel.

Hören wir nicht immer, dass wir die Digitalisierung und andere Zukunftstechnologien verschlafen? Dass wir beim Internetausbau von manchem Schwellenland abgehängt werden? Die Analyse des Weltwirtschaftsforums stellt andere Fragen. Laut ihr ist Deutschland führend bei Patenten und Forschung, außerdem sind die Ansprüche der Konsumenten hoch. Das treibe Firmen ebenso zu Innovationen wie der lebhafte Handelssektor, der Neues schnell auf den Markt bringe, die stabile Wirtschaftslage und eine gebildete Bevölkerung. Den Stau bei der IT-Einführung sieht die Studie auch – er trübt das Gesamtergebnis nur leicht. Denn andere Dinge funktionieren, jedenfalls im Vergleich, ausnehmend gut. Zuallererst die Ausbildung, nicht die in der Schule, aber das duale System der Berufsausbildung in Schule und Betrieb. Was uns selbstverständlich erscheint, ist weltweit ziemlich einzigartig. Nach unseren Maßstäben wird andernorts in aller Regel angelernt statt ausgebildet. Auch die Zahl der Patente ist im Vergleich hoch: Seit 15 Jahren liegt sie bei rund 48 000 Neuanmeldungen im Jahr. Und schließlich bekommt der Forschungsstandort Deutschland gute Noten – nicht zuletzt wegen der vielen Veröffentlichungen deutscher Wissenschaftler und der guten Forschungsbedingungen. Beispiel: Beim Thema Zukunft der Arbeit kooperiert Fraunhofer – die größte Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Europa – sowohl mit Universitäten als auch mit kleineren Betrieben. (FR)

Musikkonserve: MP3-Player

Es war eine Revolution in der Musikindustrie – plötzlich konnte man viel mehr Songs in einem kleineren Format speichern, ohne dabei auf Qualität verzichten zu müssen. Das MP3-Format wurde im Jahr 1982 unter der Leitung von Hans-Georg Mustmann am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen entwickelt. Die Forschergruppe legte damit den Grundstein für den MP3-Player, der im Jahr 1999 auf dem deutschen Markt debütierte – auch ein Werk deutscher Entwickler. (anie)

Essen und Trinken: Kaffeefilter

Hausfrau Melitta Bentz trank gerne Kaffee. Nur leider schmeckte der im Jahr 1908 noch sehr bitter. Also versuchte Bentz, ihren Kaffeegenuss zu steigern, indem sie verschiedene Filtervarianten ausprobierte. Ein dünnes Papier war es schließlich, das ihr einen aromatischen Genuss bescherte. Und weil Bentz sich sicher war, dass es viele Menschen mit der Vorliebe für Kaffee gibt, ließ sie sich die Idee patentieren. Heute ist das Unternehmen „Melitta Group KG“ Marktführer und beschäftigt mehr als 3000 Menschen. (anie)

Verkehr: Taxameter

Wer an Deutschland und an Taxis denkt, der denkt oftmals im selben Zuge an Mercedes-Benz. Denn Daimler war es, der die ersten Taxis auf die Straßen schickte. Und im Grund ist Daimler auch das Unternehmen, dem das Taxameter zu verdanken ist: Im Jahr 1881 hat Friedrich Wilhelm Gustav Bruhn das System erfunden. Interessant: Bis 2017 wurden mit der ersten Version so einige Steuerbetrügereien begangen – denn es war leicht zu manipulieren. Damit ist seit der Digitalisierung Schluss. (anie)

Gesundheit: Aspirin

Dass Weidenrinde, Extrakte und Aufgüsse gegen Fieber und Schmerzen helfen, war bereits in der Antike bekannt. Allerdings war der Weg zu dem Aspirin, das wir heute kennen, dennoch sehr lang – in Deutschland, Italien und Frankreich beschäftigten sich Mediziner mit der Frage und bauten ihre Erkenntnisse jeweils aufeinander auf. Letztlich war es aber der Chemiker und Apotheker Felix Hoffmann, der im Jahr 1897 die bekömmliche Acetylsalicylsäure, allgemein bekannt als Aspirin, patentierte. (anie)

Verkehrssicherheit: Airbag

Daimler gehört zu den größten Innovationstreibern Deutschlands und hat in dieser Position sicher auch schon unzählige Leben gerettet: Mit der Erfindung des Airbags im Jahr 1971 machte Mercedes-Benz das Autofahren sicherer. Der Einsatz des elektronischen Sensors, der bei einem Aufprall Druckgas und Pyrotechnik verbindet, öffnet das Luftkissen mittlerweile innerhalb weniger Millisekunden und gehört, obwohl der Einbau keine Pflicht ist, schon lange zur Standardausstattung jedes Neuwagens. (anie)

Digitalisierung: Computer

Ein Leben ohne Computer ist kaum noch vorstellbar – auch diese Erfindung hat ihren Ursprung in Deutschland. Der Bauingenieur und Unternehmer Konrad Zuse entwickelte 1941 mit der Z3 den ersten funktionierenden, vollautomatischen und programmgesteuerten Rechner. Die Weiterentwicklung Z4 war im Jahr 1950 der einzige funktionierende Computer in Kontinentaleuropa – in den USA war man allerdings bereits weiter; dort gab es seit 1946 ein Exemplar, das auf Zuses Z3 beruhte. (anie)

Autonomer Verkehr: Echoortung für Autos

Mit Fledermaustechnik sicher durch den Straßenverkehr – das ermöglicht das Start-up „Toposens“ seit 2017 deutschen Autobauern. Denn das Prinzip der Echoortung, mit dem die nachtaktiven Tiere auch in der Dunkelheit gut sehen können, haben sich die Erfinder einfach zueigen gemacht: Die 3-D-Ultraschallsensoren senden Signale aus, berechnen das empfangene Echo und können präzise und in Echtzeit erkennen, wo sich Menschen, 
Tiere oder Gegenstände im Raum befinden. (anie)

Umweltschutz: Papier aus Grasfasern

Gerade in Zeiten des Klimawandels werden umweltfreundliche Ideen gebraucht. Unternehmer Uwe D’Agnone wollte bereits im Jahr 2017 einen Wandel in der Papierindustrie. Nachdem er sich umfassend mit der Papierökologie befasst hat, war ihm klar – da ist noch etwas drin. Also experimentierte er mit Pflanzenfasern und Rohstoffen und die Lösung war: ganz normales Gras! Getrocknet, zerkleinert und zu Pellets gepresst ersetzt es seitdem einen Großteil des sonst üblichen Holzanteils bei Creapaper. (anie)

Wettervorhersage: Tröpfchenmessung

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Hurrikane, deren Verlauf sich nur schwer vorhersagen ließ. Das will der Schüler Max von Wolff ändern. Er hat eine Apparatur entwickelt, mit der man die Tröpfchengröße von Regen präzise messen kann. Die Tropfen fallen dabei auf eine Kunststoffmembran, die so ins Schwingen gerät, Sensoren erfassen das Zittern und geben die Messwerte an einen Rechner weiter – die Größe der Tropfen gibt damit die Basis für eine 
zuverlässige Vorhersage. (anie)

Spritersatz: Mikroalgen arbeiten

Mikroalgen produzieren in ihren Zellen energiehaltige Lipide, die man auch als Biodiesel nutzen kann. Das dachte sich jedenfalls Gymnasiast Moritz Hamberger aus Bayern. Der 17-Jährige konstruierte einen Bioreaktor, in dem die Algen wachsen, um schließlich die wertvollen Stoffwechselprodukte ernten und weiterver-arbeiten zu können. Er ist überzeugt, durch chemische und physische Prozesse die Stoffe nach weiteren Forschungen in brauchbaren Kraftstoff verwandeln zu können. (anie)

Plastikmüll: ReUse in Space

Plastikmüll ist nicht nur auf der Erde ein Problem, auch die Müllentsorgung im Weltall gestaltet sich zunehmend schwierig. Bislang wird Plastikmüll von Raumstationen entsorgt, indem man ihn gezielt „über Bord wirft“ und in der Erdatmosphäre verglühen lässt. Die Schüler Adrian Schorowsky, Lara Neubert und Leni Termann aus Rostock entwickelten deshalb die Idee, Kunststoffe stattdessen an Bord wiederzu-verwerten, um daraus neues 
Material für die allgegenwärtigen 3-D-Drucker zu gewinnen. (anie)

Barrierefrei: Kino für alle

Für Menschen, die schlecht sehen oder hören, war das Kino lange Zeit kein Vergnügen. Die Umsetzung eines barrierefreien Filmvergnügens stellte Forscher jedoch vor eine Herausforderung, weil man sowohl Menschen mit Seh- wie auch mit Hörschwäche helfen wollte. Erst die Berliner Filmproduzentin Seneit Debes fand  eine Antwort und brachte 2013 die kostenlosen Apps „Greta“ und „Starks“ auf den Markt. Über das Smartphone können Menschen mittels Untertiteln oder Beschreibung den Film verfolgen. (anie)     

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