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Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident hat am Samstag den Chef der Notenbank gefeuert.
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Recep Tayyip Erdogan: Der türkische Präsident hat am Samstag den Chef der Notenbank gefeuert.

Notenbank-Chef entlassen

Erdogan riskiert Währungskrise: Lira stürzt wieder ab

  • vonSebastian Richter
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Der Regierungspräsident der Türkei feuert den Chef der Notenbank. Der Markt reagiert – und die türkische Währung verliert an Wert.

Istanbul – Der Wert der türkischen Lira schwankt bedenklich. Nachdem die Währung der Türkei 2018 fast die Hälfte ihres Außenwerts verloren hatte, schien sich der Wert im November wieder zu erholen. Der frühere Finanzminister Naci Agbal wurde im November zum Gouverneur der türkischen Zentralbank ernannt, das Vertrauen in die Lira stieg. Doch jetzt wurde der Notenbanker wieder entlassen – die türkische Währung stürzte wieder ab.

Die Abberufung Agbals kam für Viele überraschend. Per Erlass entließ Staatschef Erdogan in der Nacht zum Samstag (20.03.2021) den Chef der Zentralbank. Hintergrund könnte eine Meinungsverschiedenheit zwischen Recep Tayyip Erdogan und Agbal sein. Während Erdogan sich für niedrige Zinsen stark gemacht hatte, erhöhte Agbal den Leitzins am vergangenen Donnerstag um zwei Prozentpunkte auf 19 Prozent. Damit wollte er die hohe Inflation bekämpfen, die der türkischen Wirtschaft zu schaffen macht.

Erdogan entlässt Chef der Zentralbank

Die Finanzmärkte reagierten offenbar auf die Entlassung, am Montag (22.03.2021) geriet die Börse in Istanbul massiv unter Druck. Laut der Nachrichtenagentur AFP stürzte der türkische Aktienindex BIST bei Öffnung um 6,65 Prozent, wegen zu starker Kursschwankungen wurde der Devisenhandel kurzzeitig gemäß Vorschrift ausgesetzt. In Asien verlor der Wert der Lira zwischenzeitlich 15 Prozent, allerdings konnte sie im Laufe des Vormittags einen Teil der Verluste wieder aufholen.

Die Verluste zeigen das Vertrauen von Investoren in die Arbeit des entlassenen Agbal. Bei dessen Amtsantritt im November musste er eine Lösung für die steigende Inflation finden. Zwar wuchs die türkische Wirtschaft 2020 trotz Corona um 1,8 Prozent, die jährliche Inflation kletterte allerdings auf 15,6 Prozent. Auch viele Türken verloren das Vertrauen in ihre Währung und investierten ihre Ersparnisse in Dollar, Euro und Gold. Die Lira verlor seit Anfang 2020 einen Drittel ihres Wertes zum Dollar.

Agbal hob den Leitzins des Landes während seiner Amtszeit kontinuierlich an, um gegen die Inflation vorzugehen. Das ist eine klassische Maßnahme, die auch von Experten empfohlen wird: In der Theorie sparen Verbraucher bei einem hohen Leitzins eher, außerdem investieren Firmen seltener. Die Ladenpreise sinken tendenziell – und damit schließlich auch die Inflationsrate.

Mit der letzten Anhebung des Leitzinses auf 19 Prozent hat Agbal den Präsidenten offenbar zu sehr verärgert. Der vertritt die unorthodoxe Meinung, hohe Zinsen führen zu hoher Inflation. Agbals Nachfolger wird der Finanzprofessor Sahap Kavcioglu, ehemaliger Abgeordneter von Erdogans AKP, der Erdogans unkonventionelle Wirtschaftsideen teilt.

Unorthodoxe Strategie in der Geldpolitik – neuer Amtsträger Erdogan-nah

Investoren und Anleger befürchten, dass Erdogan die Notenbank so stärker unter seine Kontrolle bringen und die türkische Geldpolitik an sich ziehen kann. Durch billiges Geld könnte er versuchen, die Konjunktur anzukurbeln. Allerdings setzen Teuerung und steigende Arbeitslosenzahlen den Staatschef der Türkei unter Druck: Die Umfragewerte der AKP sinken.

Erdogan wechselte den Leiter der Zentralbank nun zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren. Die wiederholten Wechsel könnten noch mehr Verbraucher dazu bringen, ihr Geld lieber in Euro oder Dollar zu investieren. Am Montag warnten Fachleute des Finanzdienstleisters Eurasia Group in einer Mitteilung an ihre Kunden, die Entlassung des Notenbankers werde „Verunsicherung schüren, das Vertrauen der Investoren zerstören und letztlich Kapitalkontrollen auslösen“. (spr mit afp)

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