Flughafen

Erdogan muss sich gedulden

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Der umstrittene Flughafen in Istanbul konnte zum Jahresanfang nicht eröffnet werden.

Endloses Anstehen bei der Passkontrolle, überfüllte Warteräume, verspätete Starts: Daran wird sich für Flugreisende in der Bosporusmetropole Istanbul auch im neuen Jahr vorerst nichts ändern. Denn der zum Jahreswechsel geplante Umzug der Fluggesellschaften vom hoffnungslos überlasteten Atatürk Airport zum neuen Großflughafen nordwestlich der Metropole konnte nicht wie geplant stattfinden. Der neue Airport kämpft mit Problemen.

Es sollte ein „Big Bang“ werden: Innerhalb von 48 Stunden wollte man an Silvester und Neujahr den kompletten Flugbetrieb vom Atatürk Flughafen zum neuen Istanbul International Airport an der Schwarzmeerküste verlegen. Doch in der Branche war es seit vielen Wochen ein offenes Geheimnis, dass der Termin nicht zu halten ist.

Ilker Ayci, Chef der staatlich kontrollierten Fluggesellschaft Turkish Airlines, die in Istanbul ihr Drehkreuz betreibt, erklärte schon im November, der Umzug bereite ihm „Kopfschmerzen“. Lange hüllten sich die offiziellen Stellen in Schweigen. Erst kurz vor dem entscheidenden Termin bestätigte das türkische Verkehrsministerium in einer vage formulierten Mitteilung, der Umzug werde „allmählich“ umgesetzt.

Turkish Airlines spricht davon, die Verlagerung des Flugverkehrs zum neuen Airport werde „auf ein späteres Datum verschoben“, nennt aber keinen Termin. Die Nachrichtenagentur DHA meldet, man plane den Umzug nun für März.

Die Verzögerung ist ein Politikum. Der neue Istanbuler Flughafen ist ein Prestigeprojekt des Staatschefs Recep Tayyip Erdogan. In nur 42 Monaten Bauzeit, als gerade einmal dreieinhalb Jahren, hatten 35.000 Arbeiter den Airport aus dem Boden gestampft. Er soll im Endausbau für jährlich 200 Millionen Passagiere ausgelegt sein – fast doppelt so viele wie der heute weltgrößte Flughafen Atlanta in den Vereinigten Staaten abfertigt.

Eigentlich sollte der Betrieb bereits am 29. Oktober beginnen, dem türkischen Nationalfeiertag. Staatspräsident Erdogan hielt an dem Eröffnungstermin fest und weihte den Mega-Airport vor Tausenden Ehrengästen ein. Weil aber vieles noch nicht fertig war, nahm Turkish Airlines zunächst nur eine Art symbolischen Betrieb mit einem Dutzend Flügen pro Tag auf.

Noch immer sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. Als es im Dezember heftig regnete, standen Teile des Flughafenparkplatzes meterhoch unter Wasser. Erhebliche Probleme gibt es, so berichten Insider, auch mit der Datenverarbeitungstechnik und der Planung der logistischen Abläufe. Die Inbetriebnahme könne deshalb nur schrittweise über einen längeren Zeitraum erfolgen. Auch über dem nun für März geplanten Umzug schwebt deshalb ein großes Fragezeichen. Möglicherweise müssen beide Flughäfen noch lange parallel betrieben werden.

Erdogans Flughafenprojekt ist von politischen Kontroversen begleitet. Während der Bauarbeiten kamen 52 Arbeiter bei Arbeitsunfällen ums Leben. Als tausende Beschäftigte im September gegen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und katastrophale Hygienebedingungen in den Unterkünften auf der Großbaustelle demonstrierten, setzte die Regierung die Polizei in Marsch. Über 500 Streikende wurden festgenommen, 31 kamen in Untersuchungshaft. Auf sie wartet jetzt ein Prozess wegen „Umsturzversuchs“. Das Prestigeprojekt von Erdogan wird noch für längere Zeit für Schlagzeilen sorgen – selbst wenn der Umzug bald klappen sollte.

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