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VW-Modelle seien führend bei der Umweltfreundlichkeit, sagt der VCD.

Umweltliste des VCD

Erdgas auf der Überholspur

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Wie im Vorjahr führt der Eco Up von Volkswagen die Umweltliste des ökologischen Verkehrsclubs VCD an. Bei den Top Ten aber zeigt sich ein neuer Trend: Der Erdgasantrieb ist im Vergleich zum Hybridantrieb auf der Überholspur.

Gas als Treibstoff für Autos befindet sich auf der Überholspur. Das zeigt nicht nur die wachsende Zahl von Erdgastankstellen, sondern auch die am Mittwoch veröffentlichte Auto-Umweltliste des ökologischen Verkehrsclub VCD. Dort sind die drei Siegerplätze gegenüber der Vorjahresliste unverändert, bei den Top Ten aber zeigt sich die Verschiebung vom Hybrid- zum Erdgasantrieb: Waren 2012/13 noch sieben Fahrzeuge mit Hybridantrieb unter den umweltfreundlichsten zehn Pkw, so sind es auf der aktuellen Liste 2013/14 nur noch fünf Hybride und vier mit Gasantrieb.

Sieger ist, wie 2012, der Eco Up von Volkswagen. Der Kleinwagen, der fast 400 Kilometer mit Gas fährt und dann auf Benzin umschaltet, hat laut Liste einen Durchschnittsverbrauch von 2,9 Liter und einen CO2-Ausstoß von 79 Gramm/Kilometer. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Autos mit Hybrid-Antrieb von Lexus (CT 200h) und Toyota (Prius Hybrid). Deren Durchschnittsverbrauch liegt knapp unter vier Litern, die CO2-Emissionen bei 87 beziehungsweise 89 Gramm.

Mit dem Eco Up konnte sich VW im letzten Jahr als erster deutscher Autobauer seit neun Jahren auf Platz eins setzen. Vor allem Toyota, das schon lange auf Hybrid setzt, hatte davor oft vordere Plätze belegt. Nun stehen gleich drei Konzern-Modelle gemeinsam auf Platz eins – denn mittlerweile steht der Eco Up baugleich bei Seat und ?koda in den Modelllisten.

Die Marke Volkswagen ist unter den deutschen mit Abstand führend: Von 44 untersuchten Modellen stuft der VCD nur 14 als ökologisch fragwürdig oder bedenklich ein. VW-Tochter Audi kommt viel schlechter weg, hier fallen elf von 18 Modellen durch. Bei Opel werden 13 von 27 Autos in die beiden schlechtesten Kategorien einsortiert, bei Mercedes (ohne Smart) 14 von 22. Ein Desaster ist die Fahrzeugflotte von BMW: 13 von 16 Modellen sind bedenklich oder gar fragwürdig.

Opel, BMW und Mercedes sehen schlecht aus

Opel, BMW und Mercedes sind zugleich die einzigen deutschen Marken, die überhaupt kein uneingeschränkt empfehlenswertes Modell im Angebot haben – und gerade die beiden letztgenannten sind es, für die sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuletzt massiv eingesetzt hat.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, übt deshalb auch scharfe Kritik an der Bundesregierung. „Es ist absolut unverständlich, dass Kanzlerin Merkel den in der EU hart erarbeiteten Kompromiss zum CO2-Grenzwert hat platzen lassen. Mit ihrer knallharten Klientelpolitik für Daimler und BWM schadet sie nicht nur dem Klima, sondern auch direkt den Verbrauchern. Mit einem Pkw, der den Durchschnitts-CO2-Grenzwert von 95 Gramm pro Kilometer einhält, können Verbraucher gegenüber einem durchschnittlichen Neuwagen von heute rund 600 Euro im Jahr sparen.“ 45 der über 400 untersuchten Modelle halten diesen Grenzwert, der laut dem geplanten Kompromiss ab 2020 gelten sollte, ein.

Die Bundesregierung hatte Ende Juni dafür gesorgt, dass dieser lange und schwierig ausgehandelte Kompromiss über künftige Klimaschutzvorgaben für die Automobilindustrie von der Tagesordnung eines Treffens der EU-Botschafter genommen und deshalb nicht verabschiedet wurde. „Merkel hat sogar beim irischen Ratspräsidenten angerufen und massiv interveniert, ein bei solchen Themen völlig unübliches Vorgehen“, berichtet Lottsiepen. „Nun besteht die Gefahr, dass die künftigen Grenzwerte erst nach der Europawahl 2014 verabschiedet werden“, so Lottsiepen. „Die Bundeskanzlerin vertritt damit einseitig die Interessen von Daimler und BMW, aber nicht die der Zulieferer, der anderen Hersteller oder der Verbraucher.“

Firmen wie Lanxess oder Bosch hätten viel Spartechnik im Angebot und würden von strengeren Grenzwerten profitieren. „Die Autoindustrie ist kein monolithischer Block, Hersteller wie Volkswagen oder Ford in Europa etwa akzeptieren strengere Grenzwerte oder bedauern das Scheitern der Verhandlungen. Daimler und BMW setzen voll auf das Geschäftsmodell, große Autos an die Geldelite in Russland und Asien zu verkaufen. Damit verdienen sie derzeit zwar viel Geld, aber das ist eine kurzsichtige Geschäftspolitik“, so Lottsiepen.

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