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Ein Testament hilft dabei, das Erbe klar zu regeln.

Richtig vererben

Erben in Patchwork-Familien

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Wer ein Erbe erhält, ist genau geregelt. Je komplizierter die Familienkonstellation, desto komplizierter die Erbfolge. Was in welchem Fall zu tun ist.

Die „klassische“ Familie – Mann und Frau verheiratet, gemeinsame Kinder – wird immer öfter abgelöst von anderen Familienkonstellationen. Geschiedene Eheleute finden neue Partner, bringen jeweils eigene Kinder mit in die zweite Ehe; Paare leben unverheiratet zusammen und haben keine leiblichen Kinder, sondern einen Adoptivsohn- oder -tochter.

Das gesetzliche Erbrecht kennt viele dieser Konstellationen aber gar nicht. Wenn sogenannte Patchwork-Familien also kein Testament verfassen oder einen Erbvertrag abschließen, werden einige Familienmitglieder nicht bedacht, hingegen andere entferntere Verwandte mehr. Und wenn dann am Ende Verwandte der Stiefeltern erben und näherstehende Personen nicht, kann das schnell zu unnötigen Verwerfungen führen.

Deshalb ist es einerseits wichtig zu wissen, wer erben würde, wenn es nach der gesetzlichen Erbfolge geht, und andererseits, wie man diese aushebeln kann, wenn man andere Vorstellungen hat.

Gesetzliche Erbfolge: Zuerst erben Ehepartner und Kinder

Nach der geltenden Gesetzeslage erben zunächst der Ehepartner, die Kinder und anschließend die Enkelkinder. Nur wenn von den nahen Verwandten (Ehepartner ausgenommen) zum Zeitpunkt des Erblassers keiner mehr lebt, geht das Erbe neben dem Ehepartner an die Eltern, die Geschwister und unter Umständen an Nichten und Neffen. Großeltern, Onkel und Tanten kommen nur zum Zug, wenn alle anderen bereits verstorben oder nicht vorhanden sind

 „Wichtig ist zu wissen, dass der Ehepartner bei einer kinderlosen Ehe nicht alles erbt“, sagt Kajo Frings, Notar und Fachanwalt für Erbrecht in Berlin. „Wenn keine Kinder da sind, geht ein Teil des Erbes an die Eltern oder die nachstehenden Verwandten.“ Diese gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn von dem Verstorbenen kein Testament oder Erbvertrag vorliegt.

Wie das Erbe in der Patchwork-Familie verteilt wird

Wenn Partner aus früheren Beziehungen Kinder mit in die Ehe bringen, zusätzlich vielleicht noch gemeinsamen Nachwuchs haben, handelt es sich um eine typische Patchwork-Familie. Nach der gesetzlichen Erbfolge werden beim Erbe aber eben nur die leiblichen Kinder bedacht. Das bedeutet, dass im Falle eines Verstorbenen Elternteils die Kinder des anderen Elternteils leer ausgehen. Das gilt selbst, wenn die neuen Partner verheiratet sind.

Das Gesetz macht natürlich auch dann keinen Unterschied, wenn die Stiefkinder von kleinauf bei dem neuen Partner des Elternteils leben und seit jeher wie die eigenen Kinder angenommen worden sind. „Stiefkinder haben keinen Pflichtteilsanspruch“, macht Notar Frings deutlich. „Deshalb ist es in solchen Konstellationen notwendig, dass die Eltern klare Regelungen treffen, für beide Varianten: Was passiert, wenn der eine Elternteil zuerst verstirbt, was passiert, wenn der andere zuerst verstirbt? Das kann man in der Regel nur sinnvoll über einen Erbvertrag lösen“, führt er aus.

Experten empfehlen Patchwork-Familien einen Erbvertrag

Ein Erbvertrag ähnelt einem Testament, mit dem Unterschied, dass ein Testament zu Lebzeiten noch keine Bindungswirkung entfaltet, es kann jederzeit widerrufen werden.

In einem Erbvertrag, aber auch in einem Testament können Erblasser sogenannte Vor- und Nacherben festlegen. Dem Vorerben, beispielsweise dem Ehegatten, steht dann das Erbe des Verstorbenen zu, nach dem Tod des Vorerben wiederum geht der Nachlass an den Nacherben und nicht an die gesetzlichen Erben des Ehepartners.

So kann beispielsweise sichergestellt werden, dass im Anschluss an den Ehegatten erst die Stiefkinder profitieren und nicht die Eltern, Tanten oder Neffen. „Der Vorerbe darf den Nachlass zwar nutzen, ihn aber nicht verschenken oder verkaufen“, heißt es bei der Notarkammer Berlin. „Ein Vorerbe darf grundsätzlich keine Verfügungen treffen, die die Rechte der Nacherben beeinträchtigen.“

Erbe bei getrennt Lebenden oder Unverheirateten

Sofern eine frühere Ehe nicht geschieden war, erbt auch der getrennt lebende Ehepartner. Ein neuer Partner, dann natürlich unverheiratet, hat keinerlei Ansprüche. Bei einer Scheidung wird in der Regel ein bestehender Erbvertrag oder ein Gemeinschaftstestament aufgelöst, außer es ist darin eine Vereinbarung getroffen worden, dass er auch über eine Scheidung hinaus seine Gültigkeit behalten soll.

Erbe für Adoptivkinder: Den leiblichen Kindern gleichgestellt

Adoptierte Kinder zählen voll und ganz zur Familie. Adoptivkinder sind demnach beim Erbe den leiblichen Kindern gleichgestellt. Einen Sonderfall gibt es bei Adoptionen im Erwachsenenalter. Dann bleibt das Adoptivkind mit seinem leiblichen Vater und seiner leiblichen Mutter verwandt, ist aber gleichzeitig auch erbberechtigt bei seinen Adoptiveltern.

Erbe für eingetragene Lebenspartner: keine Sonderregelungen

Bei gleichgeschlechtlichen Partnern müssen ausnahmsweise keine Sonderregelungen getroffen werden. Sie sind dem Gesetz nach beim Erbe mit Ehepartnern gleichgestellt.

Erbe ohne Verwandtschaft: der Staat erbt

Natürlich gibt es gerade unter Älteren auch Menschen, die zum Zeitpunkt ihres Todes alleine leben und keine Verwandten mehr haben. Diese vermachen ihr Erbe automatisch dem Staat. Es geht dann an das Bundesland, in dem der Erblasser zuletzt gewohnt hat. Sollen es stattdessen gemeinnützige Organisationen sein, ein Pfleger oder die Nachbarin, die vom Nachlass profitieren sollen, dann ist ein Testament notwendig.

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