1. Startseite
  2. Wirtschaft

Mit dem Erbe Gutes tun: Wie gemeinnütziges Vererben funktioniert

Erstellt:

Von: Mechthild Henneke

Kommentare

Eine Seniorin unterzeichnet ein Dokument.
Viele Menschen vermachen ihr Geld einer gemeinnützigen Organisation. Gemeinnütziges Vererben wird immer beliebter. (Symbolfoto) © Rainer Berg/Imago

Gemeinnütziges Vererben wird immer beliebter – besonders bei Alleinstehenden. Wie man über den Tod hinaus wirken kann.

Rund 84 Milliarden Euro wurden in Deutschland im Jahr 2020 durch Erbschaften und Schenkungen weitergereicht und von den Finanzverwaltungen veranlagt, berichtet das Statistische Bundesamt. Diese enorme Summe zeigt, wie wichtig das Thema Erben ist. Kinder oder Ehepartner sind die klassischen Erben – doch in der modernen Gesellschaft ist die Familie nur ein Modell von vielen. Bei Alleinstehenden fällt das Vermögen an nahe Angehörige wie die Eltern oder Geschwister.

Doch egal, wen das Gesetz als erbberechtigt vorsieht: Es besteht das Recht und die Möglichkeit, sein Geld an gemeinnützige Organisationen zu vererben. Dieses Modell wird immer beliebter. Eine Studie der Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ besagt, dass 28 Prozent der über 50-Jährigen Interesse am gemeinnützigen Vererben hat. „Bei Kinderlosen sind es sogar 51 Prozent“, sagt Sprecherin Susanne Anger. Wir erklären, wie gemeinnütziges Vererben funktioniert.

Vererben, wenn keine Kinder im Spiel sind – An wen man sein Geld weitergeben kann

Wem sein Geld vererben? „Man kann an jeden Menschen und jede juristische Person wie Stiftungen, Vereine oder Organisationen vererben“, sagt Eugénie Zobel, Juristin bei Stiftung Warentest und Erbrechtsexpertin. Lediglich Tiere, etwa der geliebte Rauhaardackel, scheiden als Erben aus. „Das ist in Deutschland verboten. Möglich sind aber Tierschutzorganisationen“, sagt Zobel. Der Vorteil: Gemeinnützige Organisationen sind von der Steuer befreit. „Das macht sie für Erbschaften attraktiv“, so Zobel. Anger berichtet, dass besonders Alleinstehende es schätzen, mit ihrem Geld etwas Gutes tun zu können. „Man setzt sich ein kleines Denkmal und wirkt mit eigenen Vorstellungen und Werten weit über den Tod hinaus“, sagt sie. Aber auch kleine Zuwendungen seien den Organisationen willkommen. „Auch 500 oder 1000 Euro, die vermacht werden, sind sehr geschätzt.“

Welche Organisation wählen? „Wer eine Hilfsorganisation kennt und ihr vertraut, sollte direkt an sie spenden“, rät Zobel. Unbekannte Organisationen sollten geprüft werden. Es gibt spezielle Siegel, die die Qualität von Spendenorganisationen bezeugen. Laut Stiftung Warentest ist das Siegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen am aussagekräftigsten. Das Institut erteilt auch Auskünfte zu Spendenorganisationen. „Man sollte zudem darauf achten, dass die Organisation transparent mit ihren Auf- und Ausgaben umgeht und dass sie zum Beispiel Jahresberichte publiziert“, sagt Zobel. Auch Stiftung Warentest liefert Informationen. Sie überprüft Spendenorganisationen in regelmäßigen Abständen. An „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“ sind 25 Organisationen – von Amnesty International bis Vier Pfoten – beteiligt, die die Idee des gemeinnützigen Vererbens verbreiten möchten. Sie haben sich besonderer Transparenz und ethischen Richtlinien verschrieben.

Gemeinnütziges Vererben: Wann es ein Testament braucht und was zu beachten ist

Wie ein Testament verfassen? Das Bürgerliche Gesetzbuch sieht eine Erbfolge für den Fall vor, dass der Erblasser kein Testament hinterlassen hat. Danach teilen sich Ehegatte und die gemeinsamen Kinder das Erbe. Sind keine Kinder vorhanden, rücken die Eltern an ihre Stelle. Soll die gesetztliche Erbfolge außer Kraft gesetzt werden, bedarf es einer formalen Grundlage: eines Testaments.

„Ein Testament kann handschriftlich oder beim Notar erstellt werden“, sagt Beate Hoffmann, Rechtsanwältin und Notarin a. D. aus der Kanzlei Hoffmann & Hoffmann in Horneburg bei Hamburg. Das handschriftliche Testament muss komplett vom zukünftigen Erblasser geschrieben sein und Datum sowie Unterschrift enthalten. „Der Text sollte eine Aussage dazu treffen, wer etwas erbt und was die Begünstigten erben sollen“, sagt Hoffmann. Nach der Unterschrift sollte kein weiterer Text hinzugefügt werden, betont sie.

Ein handschriftliches Testament sollte am besten beim zuständigen Amtsgericht hinterlegt werden, rät Hoffmann. Untersuchungen hätten gezeigt, dass nur die Hälfte der handschriftlichen Testamente umgesetzt würden. Der Rest gehe verloren. Ein notarielles Testament wird im zentralen Testamentsregister in Berlin gemeldet, sagt Hoffmann. Zudem wird das Original des Testaments beim Amtsgericht eingereicht und dort hinterlegt. So kann es nicht verloren gehen.

Geld vererben oder Geld vermachen: Was die Unterschiede sind

Vermachen oder vererben? Beide Begriffe werden im Sprachgebrauch oft synonym verwendet, dabei sind sie zu differenzieren. In einem Testament setzt man eine Person oder eine Institution hinsichtlich seines gesamten Vermögens als Erben ein. „Ein Erbe kann nur ganz angenommen werden mit Plus und Minus – teilweise geht nicht“, sagt Hoffmann. Will man eine zweite Person daneben bedenken, ohne sie zum Miterben zu machen, kann man dieser Person oder Institution ein Vermächtnis aussprechen, zum Beispiel das Guthaben auf einem bestimmten Konto oder ein wertvolles Gemälde.

Wie die eigenen Wünsche mitteilen? Wer sich entschließt, eine Organisation im Testament zu bedenken, kann dieser eine Reihe Wünsche mit auf den Weg geben. „Man kann sein Geld zum Beispiel an eine Kinderschutzorganisation vererben, aber darum bitten, dass das Geld nur für Kinder in Zimbabwe verwendet wird“, sagt Zobel. Die Organisation kann außerdem mit der Beerdigung und mit der Auflösung des Nachlasses beauftragt werden. Auch jährlich tausend Euro für die Nichte oder die beste Freundin können vereinbart werden. „Wer sein Geld an eine Tierschutzorganisation vererbt, kann als Auflage erteilen, dass sich diese um den eigenen Hund kümmert und diesen in gute Hände gibt“, sagt Anger. Gut sei es, vorab mit der Organisation zu sprechen und alles zu klären.

Erben übernehmen nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Deshalb sei es wichtig, dass Erblasser ihren Nachlass gut regeln, also etwa einen Ordner anlegen mit allen Kontonummern und Passwörtern. Da Erben auch eventuell vorhandene Schulden übernehmen müssen, sei Transparenz wichtig. Erbschaften werden manchmal ausgeschlagen, wenn die Vermögensverhältnisse unklar sind und Schulden beim Erblasser vermutet werden.

Gemeinnützig Vererben: Was es mit dem Pflichtteil auf sich hat

Wer hat Anspruch auf einen Pflichtteil? Generell gibt es eine gesetzliche Erbfolge, die sich nach den Verwandtschaftsverhältnissen richtet. Ein Testament kann die gesetzlich vorgeschriebene Erbfolge teilweise bis ganz außer Kraft setzen. Es gibt jedoch Verwandte, die das Recht auf einen Pflichtteil des Erbes haben. Ihnen müssen auch Erblasser, die alles an den Tierschutz spenden, einen Teil des Erbes überlassen. Ehepartner, Kinder und Eltern (wenn keine Kinder da sind) haben Anspruch auf einen Pflichtteil. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetztlichen Erbteils. „Um einen Pflichtteil geltend zu machen, haben Erbberechtigte drei Jahre Zeit“, sagt Hoffmann. Wer dies ausschließen möchte, könne mit den Pflichtteilsberechtigten einen notariell beglaubigten Pflichtteilsverzichtvertrag schließen. (Mechthild Henneke)

Auch interessant

Kommentare