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Kampf gegen das Coronavirus Anstehen für Wasser zum Händewaschen in einem Slum in Nairobi Kenia

IWF-Prognose

Ein epochaler Schock

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Die Welt steht wegen der Corona-Krise vor einer tiefen Rezession, warnt der IWF. Auch für Deutschland sieht es düster aus.

Gita Gopinath geht es vor allem darum, zu warnen und an die Staatsoberhäupter zu appellieren: Multilaterale Kooperation sei maßgeblich für eine globale Gesundung von Corona. Die Chefvolkswirtin des Internationalen Währungsfonds (IWF) meint das im medizinischen und im ökonomischen Sinn. Für Gopinath und ihr Team steht die Welt vor der tiefsten Krise seit der Depression der 1930er Jahre. Der „große Lockdown“ werde auch erheblich schlimmer ausfallen als die Finanzkrise des Jahres 2009. Für Deutschland wird im aktuellen World Economic Outlook des IWF ein Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr um sieben Prozent prognostiziert. Für die gesamte Euro-Zone sogar von minus 7,5 Prozent. Weil es in Frankreich, Spanien und vor allem in Italien noch viel stärker bergab gehen werde.

Die USA kämen demnach mit einem Schrumpfen des Inlandprodukts um „nur“ 5,9 Prozent noch etwas glimpflicher davon. China hat für den IWF sogar die Funktion von einer Art Hoffnungsträger. Denn der Volksrepublik trauen die Experten ein Plus – wenn auch ein bescheidenes – von 1,2 Prozent zu. In dem Land wird die Produktion in vielen Sektoren schon wieder hochgefahren.

Die globale Entwicklung der Wirtschaftsleitung taxiert der IWF in der am Dienstag vorgestellten Studie auf minus drei Prozent. Im Januar wurde noch ein Plus von 3,3 Prozent hochgerechnet. In der Finanzkrise war die Wirtschaftsleistung nur um 0,1 Prozent gefallen.

Die nun aktualisierten Zahlen des sogenannten Basisszenarios beruhen dabei auf einer recht optimistischen Prognose über den Verlauf der Pandemie. Die Volkswirte gehen davon aus, dass die Verbreitung des Corona-Virus sich in der zweiten Jahreshälfte verlangsamt, dass die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierungen greifen, dass Pleitewellen bei Unternehmen, Massenarbeitslosigkeit und schwere Belastungen der Finanzsysteme vermieden werden. Unter diesen Umständen könne es 2021 wieder ein weltweites Wachstum von 5,8 Prozent geben. Dennoch gehe in den beiden Krisenjahren insgesamt eine wirtschaftliche Leistung verloren, die über dem BIP von Deutschland und Japan zusammengerechnet liege.

Gopinath macht deutlich, dass die nationalen Regierungen nun „großzügig in ihre Gesundheitssysteme“ investieren, dass sie Virus-Tests möglichst flächendeckend organisieren und auf Handelsbeschränkungen bei medizinischer Ausrüstung und medizinischen Geräten verzichten müssten. Und vor allem: Impfstoffe und Medikamente gegen Covid-19 sollen unmittelbar und ohne Einschränkung in reichen und armen Ländern gleichermaßen eingesetzt werden, sobald diese zur Verfügung stünden. Die kooperativen Anstrengungen seien notwendig, um eine De-Globalisierung zu verhindern. So will die IWF-Chefvolkswirtin sicherstellen, dass eine Gesundung nicht durch fehlende Effizienz bei den Maßnahmen blockiert wird.

Andernfalls sieht es nach den IWF-Szenarien sehr düster aus. Misslingt das Zurückdrängen des Virus in der zweiten Jahreshälfte, müssten Ausgangsbeschränkungen verlängert werden, die finanzielle Lage verschlechtere sich und Lieferketten würden zerrissen: Dann werde die globale Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um zusätzliche drei Prozent schrumpfen. Setzt sich die Pandemie auch im nächsten Jahr fort, werde es weitere Einbußen beim globalen BIP um acht Prozent geben. Gopinath macht in diesem Zusammenhang klar: Die Wiederbelebung der Ökonomie hänge entscheidend von den medizinischen Erfolgen ab. Deshalb könne das Retten von Leben und das Retten von Lebensstandard auch nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Der IWF indes will seine insgesamt 1000 Milliarden Dollar starken Programme mit Hilfskrediten einsetzen, um besonders stark betroffenen Staaten zu helfen. Zudem sollen den ärmsten Ländern Schulden erlassen werden.

Erste Schritte in diese Richtung hat die Organisation bereits getan: Für 25 Entwicklungsländer gibt es Geld, mit dem das Abzahlen von Schulden erleichtert werden soll. Damit sollen finanzielle Spielräume geschaffen werden, um vor allem die medizinische Versorgung verbessern und andere Notfall-Maßnahmen umsetzen zu können. Der IWF-Vorstand bewilligte die Darlehen für eine Reihe afrikanischer Staaten sowie für Afghanistan, Nepal, Haiti und den Jemen. Das Geld kommt aus einem Katastrophenhilfsfonds, der vor fünf Jahren für die Bekämpfung Ebola-Epidemie in Westafrika geschaffen worden war und nun umgemünzt wird. In diesem Topf befinden sich 500 Millionen Dollar. Die größten Beitragszahler sind bislang Japan, Großbritannien, China und die Niederlande.

IWF-Direktorin Kristalina Georgieva warb für eine Aufstockung des Fonds und rief auch andere Staaten auf, Geld einzuzahlen. Zusätzliche Unterstützung vom IWF bekommen die westafrikanischen Staaten Ghana und Senegal – mit Krediten in Höhe von einer Milliarde Dollar und etwa 440 Millionen Dollar. In beiden Staaten brauchten die Regierungen zusätzliche Liquidität, erklärte ein IWF-Sprecher.

Wiederaufbaufonds 

Die EU-Kommission erwägt ein über Anleihen finanziertes Wiederaufbauprogramm im Umfang von bis zu 1,5 Billionen Euro. „Ich könnte mir einen solchen Finanzrahmen vorstellen, entschieden ist aber noch nichts“, sagte der für Wirtschaft zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis auf eine entsprechende Frage des „Handelsblatts“. 

Die EU-Finanzminister hatten vorige Woche einen Wiederaufbau-Fonds für die Zeit nach der Corona-Krise verabredet, aber Details offen gelassen. Dombrovskis sagte dazu: „Uns ist wichtig, dass der EU-Haushalt im Mittelpunkt des Wiederaufbaus steht.“ Einen Vorschlag für den mittelfristigen Finanzrahmen werde die Kommission Ende April machen. Man arbeite an neuen Finanzierungsinstrumenten, fügte er hinzu: „Wir könnten den Wiederaufbaufonds mit Anleihen finanzieren, die mit einer Bürgschaft der Mitgliedsstaaten unterlegt werden.“ (dpa)

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