Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rund 10 000 Menschen transportieren für Lieferando Essen in Deutschland.
+
Rund 10 000 Menschen transportieren für Lieferando Essen in Deutschland.

Lieferando

Entspannter ausliefern

  • VonAnne Grüneberg
    schließen

Lieferando bietet seinen Beschäftigten unbefristete Verträge an. Die Gewerkschaft reagiert zurückhaltend.

Der Lieferdienst Lieferando hat angekündigt, alle neuen Fahrer und Fahrerinnen unbefristet einzustellen. Außerdem sollen die Verträge der rund 10 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bestandsbelegschaft entfristet werden. Bisher waren bei Lieferando kurze befristete Beschäftigungsverhältnisse die Regel.

Das Unternehmen, das zum niederländischen Konzern Just Eat Takeaway gehört, ist während der Pandemie stark gewachsen. Die Zahl der angestellten Kuriere hat sich im vergangenen Jahr auf 10 000 verdoppelt. Um das hohe Bestellaufkommen bewältigen zu können, sucht Lieferando ständig neue Fahrerinnen und Fahrer.

Die zuständige Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) begrüßt die Entfristung der Verträge der Kurierfahrer und -fahrerinnen, spricht aber auch von einem Druck aufgrund des anhaltenden Personalmangels in der Branche. „Es gibt mittlerweile viele Lieferdienste auf dem Markt, die alle um die Fahrerinnen und Fahrer kämpfen. Deshalb ist es für Lieferando natürlich strategisch sinnvoll, seinen Kurieren gute Arbeitsbedingungen zu bieten“, sagt NGG-Pressesprecherin Karin Vladimirov.

Gewerkschaftssekretärin Laura Schimmel verweist darauf, dass die NGG schon viele Entfristungsklagen vor Gericht geführt und diese gewonnen habe. „Wir haben da also auch entsprechend Druck gemacht.“ Sie hoffe, dass den Worten jetzt auch Taten folgen. „Bisher haben wir noch keinen neuen Arbeitsvertrag gesehen.“

Laut Lieferando komme man mit der generellen Entfristung aller Verträge den Forderungen der Kurier:fahrerinnen nach.

„Ein Ende befristeter Arbeitsverträge gibt den Kollegen und Kolleginnen eine große Sicherheit und schafft Vertrauen, welches bisher schmerzlich in der Branche vermisst wurde“, bestätigt Semih Yalcin, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Takeaway Express GmbH.

Auch Kurierfahrer:innen anderer Lieferdienste haben in der Vergangenheit immer wieder schlechte Arbeitsbedingungen beklagt. So kam es bei Gorillas immer wieder zu Protesten. Die Fahrer:innen kritisierten die befristeten und unsicheren Verträge, eine mangelhafte Ausrüstung und eine schlechte sowie späte Bezahlung.

Lieferando stellt seine Fahrer:innen seit 2016 fest an, bisher in der Regel mit Einjahresverträgen. Der Durchschnittslohn liegt laut einem Firmensprecher bei rund 12,50 Euro die Stunde.

Die zuständige NGG-Gewerkschaftssekretärin Laura Schimmel bestreitet die Angaben des Unternehmens. „Lieferando zahlt einen Basisstundenlohn von zehn Euro, das sind 40 Cent mehr als Mindestlohn.“ Zwar gebe es Boni für besonders viele ausgelieferte Bestellungen, die würden aber meist nicht besonders hoch ausfallen.

Die Gewerkschafterin macht folgende Rechnung auf: Ab der fünfundzwanzigsten ausgelieferten Bestellung im Monat bekomme ein Fahrer 25 Cent pro Order zusätzlich. Ab 100 Bestellungen wachse der Bonus auf einen Euro pro Order, ab 200 auf zwei Euro. „Das erreichen die meisten Kurierfahrer aber nie“, so Schimmel. Sie kritisiert, dass das System ein Anreiz zur Akkordarbeit sei.

Der Stundenlohn von zehn Euro sei außerdem zu niedrig angesichts der Tatsache, dass die Mitarbeiter ihr eigenes Handy und Datenvolumen nutzen müssten. „Das Handy ist in dem Fall ein Arbeitsmittel, weil die Kurierfahrer ihre Aufträge per App bekommen. Und Arbeitsmittel sollten vom Arbeitgeber gestellt werden.“

Auf der Internetplattform von Lieferando können Restaurants ihre Speisen zum Mitnehmen anbieten. Bei einer Bestellung liefern die Gastronomiebetriebe entweder selbst mit eigenen Fahrerinnen und Fahrern oder sie greifen auf die Kuriere von Lieferando zurück. Sobald die Vermittlung über Lieferando läuft, bezahlen die Restaurants 13 Prozent Provision. Wenn der Betrieb auch die Kuriere von Lieferando nutzt, sind es üblicherweise 30 Prozent.

Lieferando ist in Deutschland Marktführer. Seit Kurzem treten aber mehr Konkurrenten wie Delivery Hero, Wolt und Uber Eats auf den Plan.

Kommentar Seite 13

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare