_200724weitblick01_250820
+
Raum zum Durchatmen: Blick von einer Anhöhe bei Oberursel-Bommersheim auf Frankfurt.

Arbeitswelt

Homeoffice bringt Entlastung für Klima und Städte

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
    schließen

Homeoffice schützt nicht nur vor einer Corona-Infektion. Die derzeitige Arbeitswelt führt auch dazu, dass das Verkehrsaufkommen und der CO2-Ausstoß in den deutschen Ballungsräumen deutlich zurückgehen.

Corona hat dem Homeoffice einen Schub gegeben. Ende März, während der ersten Infektionswelle, arbeitete immerhin ein Viertel der Beschäftigten in Deutschland komplett oder ausschließlich zu Hause. Vorher waren es nur 13 Prozent gewesen. Würde sich ein solches Niveau dauerhaft etablieren, könnte das die staugeplagten Städte und die Klimabilanz des Verkehrs spürbar entlasten. Das zeigt eine aktuelle Studie des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) im Auftrag von Greenpeace.

Gelingt es, den Trend zur Arbeit zu Hause zu stabilisieren, könnte das eine Trendwende im Verkehr auslösen. Bisher ist der CO2-Ausstoß in diesem Sektor seit dem klimapolitischen Basisjahr 1990 nur um 0,6 Prozent gesunken, und im vorigen Jahr stieg er sogar wieder an. Laut der Untersuchung würden die Emissionen im Verkehr zum Beispiel um 5,4 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr niedriger liegen, wenn 40 Prozent der Arbeitnehmer dauerhaft an zwei Tagen pro Woche von zu Hause arbeiteten. Das entspricht 18 Prozent aller durch das Pendeln entstehenden Klimagase und drei Prozent der Gesamtemissionen des Verkehrsbereichs. Pro Jahr würden dann gut 35 Milliarden Personenkilometer durch weniger Pendlerfahrten wegfallen. Die Straßen würden gerade in den Rushhour-Zeiten deutlich entlastet.

Potenziale fürs Homeoffice

Die Autoren der IZT-Studie hatten dafür zwei Szen arien durchkalkuliert. Der Anteil der Telearbeit beträgt dabei konservative 25 respektive fortschrittliche 40 Prozent. Zudem wird berechnet, welche CO2-Wirkung ein oder zwei Homeoffice-Tage hätten. Die Forscher halten es für unrealistisch, dass ein großer Anteil der Beschäftigten komplett auf das Zuhause-Arbeiten umsteigen werden oder können.

Der Trend geht in der Tat seit dem Homeoffice-Höchststand im März wieder zurück ins Büro. Anfang Juli arbeiteten laut einer Studie der Universität Mannheim gerade noch sieben Prozent der Arbeitnehmer ausschließlich von zu Hause. Und während vor der Krise knapp 20 Prozent der Beschäftigten mindestens gelegentlich im Homeoffice gearbeitet haben, waren es im Juli nur noch wenig mehr, nämlich 22 Prozent.

Experten erwarten allerdings, dass sich der Homeoffice-Trend mittelfristig aus zwei Gründen wieder stärker etabliert: Viele Mitarbeiter hätten festgestellt, dass es gut funktioniert, dass sie Fahrzeiten sparen und ihr Privatleben besser organisieren können, heißt es dazu beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Zudem hätten Unternehmen festgestellt, dass sie Kosten sparen können. Für eine Firma, die Büros unterhält, seien diese der zweitgrößte Kostenblock nach den Personalkosten.

Darauf setzt auch Greenpeace. „Die Corona-Monate haben gezeigt, dass sich viele Arbeiten problemlos von zu Hause erledigen lassen“, sagt Benjamin Stephan von der Umweltorganisation. Tatsächlich gehen auch Unternehmen wie die Allianz, Siemens, Google oder Facebook davon aus, dass auch künftig große Teile ihrer Belegschaft an den heimischen Schreibtischen arbeiten werden. „Bundesregierung und Unternehmen sollten die Arbeit im Homeoffice jetzt konsequent fördern, denn Telearbeit schützt das Klima, entlastet den Verkehr und schenkt den Arbeitnehmern mehr Zeit und Flexibilität“, so Stephan.

Greenpeace fordert die Politik aber auch auf, den ökologisch sinnvollen Trend sozial gerecht zu gestalten: „Die Bundesregierung sollte jetzt damit beginnen, die Pendlerpauschale schrittweise zu streichen und die frei werdenden Gelder in einen attraktiven öffentlichen Verkehr investieren.“ So könnten auch schlechter bezahlte Arbeitnehmer profitieren, deren Tätigkeiten sich nicht oder nur eingeschränkt ins Homeoffice verlagern lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare