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Energiepreispauschale: Wie Renten-Beziehende die 300 Euro als Zuschlag bekommen

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Von: Isabel Wetzel

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Die Energiepreispauschale soll die steigenden Energiepreise abmildern. Rentner:innen bleiben außen vor, doch mit einem Trick bekommen sie den Zuschlag dennoch.

Frankfurt – Der Ukraine-Konflikt hat die Energiepreise in Deutschland noch einmal kräftig in die Höhe getrieben. Neben steigenden Kosten für Lebensmittel und Benzin, sorgen sich viele Menschen auch um die Rechnungen, die sie bald von ihren Energieversorgern bekommen könnten. Nachdem zahlreiche Kosten bereits in der Corona-Pandemie massiv angestiegen waren, wird jetzt besonders bei vielen Rentnerinnen und Rentnern das Geld, das sie monatlich zur Verfügung haben, zunehmend knapper.

Dennoch werden sie bei der Energiepreispauschale aus dem Entlastungspaket der Bundesregierung nicht berücksichtigt – so scheint es zumindest. Doch mit einem einfachen Trick bekommen auch Bezieher:innen der Rente den steuerlichen Zuschuss.

Rente wird knapp: Energiepreispauschale nur für „steuerpflichtige Erwerbstätige“

Die Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen hat in einem zweiten großen Entlastungspaket 2022 beschlossen, dass jede und jeder „einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige“, die oder der in den Steuerklassen 1 bis 5 einsortiert ist, eine Pauschale von einmalig 300 Euro brutto bekommt. Die Bundesregierung hat Steuersenkungen und die Energiepreispauschale am Donnerstag (12. Mai) beschlossen. Demnach soll die Zahlung von 300 Euro ab September über die Lohnabrechnung des Arbeitgebers ausgezahlt werden. Selbstständige bekommen einen Vorschuss über eine einmalige Senkung der Einkommenssteuer-Vorauszahlung. Erwerbstätige, Selbstständige und Gewerbetreibende haben einen Anspruch auf die Energiepreispauschale – allerdings ist sie steuerpflichtig.

Eine Seniorin betrachtet den starken Anstieg der Energiekosten in ihren Unterlagen. (Illustration)
Eine Seniorin betrachtet den starken Anstieg der Energiekosten in ihren Unterlagen. (Symbolfoto) © Patricia Rehe/Imago

Das schließt laut Kritik der Sozialverbände und der Opposition im Bundestag allerdings einen überwiegenden Teil der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland aus – und trat in Medien, Politik und Gesellschaft eine Welle von Unverständnis und Frust los.

Entlastungspaket 2022
9-Euro-TicketBundesweit gültiges Monatsticket im Regionalverkehr für 9 Euro
Energiepauschale300 Euro für einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige
Hartz-IV-BonusZusätzlicher Zuschuss von 100 Euro für Sozialleistungs-Empfangende
Kinderbonus100 Euro pro Kind
TankrabattEnergiesteuer auf Kraftstoffe gesenkt: Benzin 30 Cent und Diesel 14 Cent weniger pro Liter

Die Ampel-Koalition begründete den Schritt damit, dass für Juli 2022 eine saftige Rentenerhöhung beschlossen wurde. Der rentenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Markus Kurth, betonte noch einmal, dass das einen Anstieg der Renten von 5,35 Prozent in Westdeutschland und von 6,12 Prozent in Ostdeutschland bedeute. Das dürfe trotz hoher Inflation „nicht kleingeredet“ werden. Wollen Seniorinnen und Senioren in Deutschland trotzdem von der Energiepreispauschale profitieren, müssen sie also in erster Linie wieder arbeiten.

Energiepreispauschale trotz Rente: Schon einmalige Erwerbstätigkeit berechtigt zum Zuschuss

Um unter den Sammelbegriff „einkommensteuerpflichtige Erwerbstätige“ zu fallen, ist aber keinesfalls eine Vollzeitanstellung notwendig. Entgegen einer ersten Ankündigung profitieren laut Bundesarbeitsministerium (BMAS) „alle in diesem Jahr geringfügig Beschäftigten von der Energiepreispauschale – sowohl die 450-Euro-Minijobber wie auch kurzfristig (geringfügig) Beschäftigte – unabhängig von der genauen Art der Besteuerung.“

In der Theorie reicht es also, 2022 nur einen einzigen Tag gearbeitet zu haben, um auf der Liste der Begünstigten zu landen, bestätigte die CDU-Finanzexpertin Antje Tillmann der Bild-Zeitung und verriet ein Schlupfloch für die Ruheständler:innen. Sie erklärte: „Es reicht aus, dass zum Beispiel ein Rentner einmal im Jahr 2022 eine Stunde auf seine Enkel aufpasst und dafür von seinen Kindern 12 Euro Mindestlohn im Rahmen eines Minijobs oder aus selbstständiger Tätigkeit erhält. Im Anschluss gibt er diese Einkünfte in der Steuererklärung an und bekommt die Energiepreispauschale im Mai 2023 ausbezahlt.“

Der einzige Haken: Da das Geld nicht direkt vom Arbeitgebenden mit dem Gehalt ausgezahlt wird, sondern der Anspruch auf den Zuschuss erst nach Abgabe der Steuererklärung durch das Finanzamt geprüft wird, bekommen Rentnerinnen und Rentner die Energiepauschale so deutlich später.

Energiepreispauschale trotz Rente: Nachweis der Beschäftigung aufbewahren

Damit ein Arbeitsverhältnis innerhalb der Familie steuerlich anerkannt wird, sollte zudem ein Nachweis aufbewahrt werden, der zeigt, dass die Arbeit oder Dienstleistung ernsthaft vereinbart und auch ausgeführt wurde, heißt es dazu beim Bundesfinanzamt. Es muss aber kein Arbeitsvertrag sein: Den einfachsten Nachweis stellt ein Kontoauszug dar, der den Erhalt des vereinbarten Gehalts dokumentiert. (iwe)

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