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Energiepreise: Stotterbremse beim Gas

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Von: Joachim Wille

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Deckel drauf beim Kochen! Auch das spart Gas.
Deckel drauf beim Kochen! Auch das spart Gas. © picture alliance / ZB

Die Gaspreisbremse greift ab sofort, wird aber erst später abgerechnet. Ein Überblick.

Für nicht wenige Erdgas-Verbraucher:innen wird es im Januar ernst. Viele Grundversorger haben zum Jahreswechsel die Preise erhöht, im Schnitt um 50 Prozent, und die monatlichen Abschläge sind entsprechend gestiegen. Allerdings bringt die Gaspreisbremse der Bundesregierung Entlastung. Nach dem „Dezemberabschlag“ folgt nun eine Deckelung des Gaspreises. Spüren werde die Kund:innen das aber erst im März. Fragen und Antworten zum Thema.

Wie lief der Dezemberabschlag?

Für den Dezember übernahm der Staat den Monatsabschlag komplett, um die Menschen zu entlasten. Die Abwicklung ist aus Sicht von Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern weitgehend problemlos verlaufen, wie eine stichprobenartige Abfrage des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) unter seinen Mitgliedsunternehmen zeigte. „Trotz hohen Aufwands und extremen Zeitdrucks bei der Umsetzung ist es gelungen, die Entlastung pünktlich an die Kundschaft weiterzugeben“, so ein VKU-Sprecher.

Wie funktioniert die Gaspreisbremse?

80 Prozent des Gasverbrauchs eines typischen Haushalts werden zu einem vergünstigen Tarif von zwölf Cent pro Kilowattstunde (kWh) abgerechnet. Für die restlichen 20 Prozent gilt der Tarif, der mit dem Versorger abgeschlossen wurde. In ungünstigen Fällen können das 30 Cent pro kWh sein.

Wie wird der Verbrauch ermittelt, der für die Gaspreisbremse berücksichtigt wird?

Zugrunde gelegt wird der vom Gaslieferanten mit Stand September 2022 prognostizierte Jahresverbrauch von 2022.

Was passiert, wenn keine Jahresprognose vorliegt, etwa wegen Umzugs oder Wechsel der Heizung von Öl auf Gas im Jahr 2022?

Dann gilt die Jahresverbrauchsprognose des jeweiligen Netzbetreibers, bei größeren Kunden auch der tatsächliche Verbrauch des Jahres 2021. In allen Fällen muss der Gaslieferant ein Zwölftel des ihm vom Netzbetreiber mitgeteilten und nach gesetzlichen Vorgaben prognostizierten Jahresverbrauchs der Entnahmestelle ansetzen.

Wann treten die Regeln in Kraft?

Die erste Berechnung der Gaspreisbremse erfolgt erst im März. Allerdings wird dann rückwirkend auch der Verbrauch im Januar und Februar berücksichtigt. Die Regelung gilt zunächst für das Jahr 2023. Die Bundesregierung erwägt allerdings, sie bis einschließlich April 2024 zu verlängern.

Wann macht sich die Entlastung tatsächlich bemerkbar?

Die erste Entlastung wird im März gutgeschrieben, und zwar rückwirkend auch für Januar und Februar – also der dreifache Monatsbetrag. Über die ab März vorgesehenen Abschlags- und Vorauszahlungen wollen die Energieversorger bis spätestens 1. März informieren. Haus- und Wohnungseigentümer profitieren direkt von den Entlastungen, Mieter:innen hingegen erst, wenn die Vermieter diese über die Betriebskostenabrechnung weitergegeben haben.

Lohnt es sich, trotz Gaspreisbremse Heizenergie zu sparen?

Durchaus. Viele Verbraucher:innen zahlten in der Vergangenheit deutlich weniger als zwölf Cent pro Kilowattstunde, sie legen jetzt also trotz Preisbremse drauf. Und für 20 Prozent des Vorjahresverbrauchs gibt es ja keine Deckelung. Wer diese 20 Prozent einspart, schont sein Konto damit besonders.

Lohnt es sich, auf einen anderen Versorger umzusteigen?

Das sollte man prüfen, wenn der aktuelle Vertrag einen kurzfristigen Wechsel ermöglicht. Grund: Neuverträge sind im Schnitt heute deutlich billiger als etwa im Herbst. Im September zum Beispiel wurden laut Vergleichsportal Verivox im Schnitt fast 22 Cent pro kWh verlangt, im Dezember waren es nur noch gut 16 Cent. Wer jetzt nach günstigen Tarifen sucht, findet Verträge mit rund 13,5 Cent, was der Gaspreisbremse bereits nahekommt. Wer jetzt auf einen günstigeren Vertrag umsteigt, hilft übrigens auch dem Staat, Finanzmittel zu sparen, denn der Zuschussbedarf, um den Gaspreis auf zwölf Cent zu deckeln, fällt dadurch geringer aus. Eine Verpflichtung, den Versorger zu wechseln, gibt es aber natürlich nicht.

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