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Energiewende

Energiepreise steigen: Warum es vor allem die Heizkosten trifft

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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  • Sophia Lother
    Sophia Lother
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Dass die Energiepreise einen langjährigen Höchststand erreicht haben, hat mehrere Gründe. Verbände und Organisationen fordern die Politik zum Handeln auf.

Berlin/Frankfurt - Die Energiepreise in Deutschland steigen, das bekommen Verbraucher immer deutlicher zu spüren. Gerade aufgrund der steigenden Gaspreise wird Heizen künftig teurer. Eine Beispielrechnung der Verbraucherzentrale für die Welt am Sonntag verdeutlicht das besonders eindrücklich. Während ein Einfamilienhaushalt für eine 100 Quadratmetern große Wohnung 2020 noch 770 Euro für Heizung und warmes Wasser zahlte, werden in diesem Jahr voraussichtlich bis zu 980 Euro auf der Rechnung stehen. Bei einem Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche wird bei einem Gasverbrauch von 18.000 Kilowattstunden ein Anstieg von 990 Euro auf 1260 Euro vorhergesagt.

Grund für den starken Kostenanstieg ist einerseits die Entwicklung der Gaspreise in Europa. Seit fast einem Jahr sind die Kosten für Gasbeschaffung Berichten von Verbraucherschützern zufolge im Anstieg, mit ein Auslöser sei Expert:innen zufolge die Gaspolitik Russlands, die derzeit für vielerorts leere Gasspeicher in den EU-Staaten sorge. Dem Land und seiner Regierung unter Wladimir Putin wird von vielen Seiten vorgeworfen, mit sparsamen Gaslieferungen eine politische Agenda zu verfolgen, die Europa dazu bringen solle, die Pläne zur Energiewende zu verlangsamen und die Inbetriebnahme der umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 zu forcieren.

Einer der Gründe für die aktuelle Gaspreis-Problematik. Obwohl längst nachhaltige Alternativen für Heizsysteme existieren werden immer noch zahlreiche Gasheizungen neu gebaut.

Steigende Energiepreise und leere Gasspeicher: Diese Rolle spielt Russland

Zwar bestätigte mit Vize-Regierungschef Alexander Nowak ein Mitglied der russischen Regierung zuletzt, dass in den europäischen Speichern rund 25 Millionen Kubikmeter Gas fehlten, das liege jedoch nicht an Russland. „Wir sind zu einem Dialog bereit“, erklärte Nowak am Samstag (16.10.2021) bei einem Auftritt im russischen Staatsfernsehen. Russland erfülle seine Vertragsverpflichtungen vollständig und habe seine Lieferungen an die Weltmärkte sogar um 15 Prozent erhöht, sagte der Vize-Regierungschef.

Dagegen stehen jedoch auch kritischere Berichte, etwa Aussagen von dem russischen Energie-Experten Michail Krutichin, der kürzlich in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel berichtete, der russische Gaskonzern Gazprom mache lediglich noch „Dienst nach Vorschrift“ und schließe aktuell so gut wie keine neuen Verträge für zusätzliche Lieferungen ab.

Experten tadeln Immobilienwirtschaft: Langsame Umstellung lässt Energiepreise steigen

Ein weiterer Grund für die aktuelle Lage, die dafür sorgt, dass einige Menschen in Deutschland damit rechnen, zumindest einen Teil des Winters in kalten Wohnungen zu sitzen, seien Versäumnisse im Bauwesen, heißt es in einem Bericht auf der Online-Nachrichtenplattform Tagesschau.de. Laut aktueller Statistiken würde in Deutschland nach wie vor in gut der Hälfte der Wohnungen mit Gas geheizt, die Umstellung auf erneuerbare Alternativen wie Wärmepumpensysteme liefe noch immer schleppend.

Das liege auch daran, dass Vermietern in Deutschland bislang die Anreize fehlten, die Heizkosten für ihre Mietshäuser- und Wohnungen günstiger zu machen. Als Gegenbeispiel nennen Experten und der Bericht der Tagesschau etwa Schweden, wo seit Jahrzehnten eine CO2-Steuer wirksam ist, die das Heizen mit Öl und Gas fast gänzlich vom Markt verdrängt haben. Dem schwedischen Vorbild zu folgen sei in Deutschland allerdings wenig praktikabel, im Gegensatz zu dem Nachbarn im Norden ist hierzulande etwa der Atomausstieg viel weiter fortgeschritten.

Organisationen warnen vor Heikosten-Anstieg: Politik muss Haushalte bei Mehrkosten unterstützen

Weil der Winter bevorsteht, drängen etliche Organisationen und Verbände nun auf ein pragmatisches Handeln der Politik. Der Chef der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, forderte im Gespräch mit der Rheinischen Post „eine Winterhilfe für Millionen Haushalte“. Das Einfachste sei seiner Einschätzung nach ein monatlicher Festbetrag, mit dem sozial schwächere Familien in Deutschland Mehrkosten für Heizung und Strom abfedern könnten. Bei Hartz-IV-Empfängern könnte die Winterhilfe über Jobcenter gezahlt werden, bei Arbeitnehmern könnte dies über den Lohn erfolgen, schlug Vassiliadis vor.

Der europäische Gewerkschaftsbund ETUC hatte im September die Befürchtung geäußert, dass mehr als 2,7 Millionen Menschen in Europa es sich nicht leisten könnten, ihre Wohnung vernünftig zu wärmen, obwohl sie Arbeit hätten. Auf Basis solcher Berichte hat die EU-Kommission bereits am Mittwoch (13.10.2021) Empfehlungen an die Mitgliedstaaten vorgelegt, wie Verbraucher entlastet werden könnten. Sie schlug etwa Gutscheine für einkommensschwache Haushalte oder gezielte Steuersenkungen vor. Außerdem müssten Erneuerbare Energien ausgebaut und die Speicherkapazitäten gestärkt werden. (ska/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst

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