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Energiepauschale: 10 Fragen und Antworten zum Extra-Geld

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Von: Andreas Höß

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Im September erhalten viele Bundesbürger eine Energiepreispauschale von 300 Euro brutto. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Geld aus dem Entlastungspaket.

München – 300 Euro geschenkt! Die EPP genannte Energiepreispauschale soll einen Teil der enorm gestiegenen Energiekosten auffangen. Doch Rentner bekommen das Geld nur, wenn sie ohnehin Zusatzeinkünfte haben, viele Bedürftige bekommen es gar nicht. Auch andere Details der EPP sind erklärungsbedürftig.

1. Wer bekommt die Energiepauschale?

Sie ist für alle Personen gedacht, die durch die gestiegenen Energiepreise höhere Kosten für die Fahrt zur Arbeit haben. Das Finanzministerium listet zum Beispiel Arbeiter, Angestellte, Auszubildende, Beamte, Minijobber, Aushilfskräfte in der Landwirtschaft, bezahlte Praktikanten und Personen, die gerade einen Freiwilligendienst leisten, als anspruchsberechtigt auf. Im Grunde kann sich also jeder, der arbeitet und dafür Lohn erhält, auf das Energiegeld freuen, das meist im September mit dem Gehalt überwiesen wird. Auch wer in Deutschland wohnt und zum Beispiel nach Österreich in die Arbeit pendelt, ist zuschussberechtigt. In Ehen und Familien bekommen alle erwerbstätigen Personen im Haushalt das Geld.

Wer bekommt die Energiepauschale von 300 Euro? Die Länder wollen beim Entlastungspaket Änderungen für Rentner durchdrücken.
Wer bekommt die Energiepauschale von 300 Euro? Die wichtigsten Fragen und Antworten. © Marijan Murat/dpa

2. Was passiert, wenn man gerade jetzt nicht arbeitet?

Auch wenn der 1. September der Erfassungstag für den Zuschuss ist, kommt es nicht darauf an, ob man genau an diesem Tag in einem Arbeitsverhältnis ist oder nicht. Es reicht, irgendwann im Jahr 2022 zu arbeiten oder gearbeitet zu haben. Auch eine Mindestdauer der Beschäftigung wird nicht verlangt. Auch Saisonarbeiter haben Anspruch auf das Geld, wie merkur.de berichtet.

3. Was ist mit Freiberuflern und Selbstständigen?

Auch denen steht die Pauschale zu. Überwiesen bekommen sie das Geld aber nicht. Ihre EPP wird mit der nächsten Steuererklärung ausgeschüttet.

4. Bekommen auch Rentner die Pauschale?

Rentner bekommen im Normalfall keine EPP. Allerdings gilt das nur für Rentner, die keine Nebeneinkünfte haben. Wer eine Einkommenssteuererklärung abgibt, weil er zum Beispiel nebenher selbstständig arbeitet, bekommt die Pauschale über die Steuer. „Die Einkünfte muss man sich im Einzelfall aber genau ansehen, die Regeln sind nicht wirklich nachvollziehbar“, warnt Matthias Warneke, wissenschaftlicher Leiter vom Bund der Steuerzahler. „So erhalten Rentner, die gewerblich eine Photovoltaikanlage betreiben, die EPP. Wer privat vermietet, bekommt dagegen nichts.“

5. Ist es fair, dass viele Senioren nichts bekommen?

Laut Finanzministerium ist die Pauschale als Ausgleich für höhere Fahrtkosten auf dem Arbeitsweg gedacht – und Pensionäre haben keinen Arbeitsweg.

6. Welche Gruppen gehen noch leer aus?

Arbeitslose, Auszubildende oder Studierende, sofern diese kein Gehalt beziehen.

7. Kann man mit einem Trick an die EPP kommen?

Antje Tillmann von der CDU behauptet, es reiche, wenn Rentner nur einmal auf ihre Enkel aufpassen und dafür zwölf Euro Mindestlohn kassieren. Wer das in seiner Steuererklärung angebe, erhalte die EPP. Das Finanzministerium stellt dazu klar: Wird aus Gefälligkeit zum Beispiel unter Angehörigen „nur pro Forma ein Vertrag abgeschlossen, um die EPP zu erhalten“, besteht kein Anspruch auf die Zahlung. Im Gegenteil: Hier drohen sogar straf- oder bußgeldrechtliche Konsequenzen. Vom Tillmann-Trick kann man nur abraten.

8. Wie hoch sind die Steuer-Abzüge?

Laut Finanzministerium kommen im Schnitt von den 300 Euro voraussichtlich 193 Euro netto bei den Bürgern an. Laut Berechnungen des Bundes der Steuerzahler bleiben einem Single mit 2500 Euro Monatsbrutto 217 Euro, bei 5000 Euro Monatsbrutto wären es 187 Euro. Eine Doppelverdiener-Familie mit zwei Kindern und einem Gesamtbrutto von 6000 Euro im Monat bekommt nach Abzügen 422 statt 600 Euro überwiesen.

9. Wann wird die Pauschale ausgezahlt?

Arbeitnehmer erhalten die Pauschale automatisch mit dem Gehalt im September oder – falls es organisatorisch nicht anders geht – bis allerspätestens Jahresende.

10. Was kostet die Pauschale den Staat?

Rund 10,4 Milliarden Euro, dazu kommen die Kosten für die Durchführung – geschätzt zwischen 225 und 755 Millionen Euro.

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