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Energiekrise in Deutschland: Wird das Toilettenpapier knapp - oder nur teurer?

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Von: Wolfgang Mulke

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Ein Mann trägt eingekauftes Toilettenpapier und Küchenrollen aus einem Supermarkt.
Toilettenpapier ist eins der ersten Produkte, die Menschen in der Krise auf Vorrat kaufen. Die hohen Energiekosten könnten die Knappheit verschärfen. (Symbolbild) © Rene Traut/dpa

Wenn die Papierindustrie kein Gas mehr bekommen sollte, könnte auch Toilettenpapier ausgehen. Erst einmal wird es aber teurer.

Frankfurt – Spätestens mit dem Beginn der Pandemie hat sich gezeigt, auf welche Produkte Verbraucherinnen und Verbraucher gar nicht verzichten wollen. Leere Regale gab es in den Supermärkten dort, wo sonst in rauen Mengen Nudeln, Mehl oder Toilettenpapier auf Kund:innen warteten. Auch als der Krieg in der Ukraine losging, legten Konsument:innen sich erst einmal einen Sicherheitsvorrat dieser Waren an. Inzwischen hat sich die Nachfrage zwar wieder normalisiert. Doch der Blick auf die Preise zeigt, dass der Krieg nicht ohne Folgen blieb. Toilettenpapier ist so teuer wie noch nie.

Und es könnte noch dicker kommen. Denn die Papierindustrie gehört zu den besonders großen Energieverbrauchern und die Unternehmen der Branche nutzen für die Erzeugung in der Regel Gas. So schlug der Verband der Papierindustrie schon im Sommer Alarm. „Im Hygienepapier-Produktionsprozess sind wir besonders auf Gas angewiesen“, warnt der Vize-Präsident des Verbands und Chef des großen Herstellers Wepa, Martin Krengel, „bei einem Wegfall können wir die Versorgungssicherheit nicht mehr gewährleisten.“

Energiekrise in Deutschland: Markenunternehmen gehen insolvent

Mit konkreten Aussagen halten sich die Firmen zurück. Aber die Insolvenz des bekannten Markenunternehmens Hakle ist ein Indiz dafür, dass die Unternehmen in unsicherem Fahrwasser unterwegs sind. Sie kämpfen nicht nur mit hohen Energiekosten. Auch die Rohstoffe sind teurer geworden. Die Folgen spüren die Kundinnen und Kunden an der Kasse der Geschäfte. Doch knapp sind derzeit weder Energie noch Rohstoffe. So gehen Kenner der Branche derzeit nicht von der Stilllegung von Produktionsanlagen aus. Allerdings kann sich dies ändern, wenn es tatsächlich zu einer Gasnotlage oder extremen Energiekosten kommen sollte.

Von einer weiterhin sicheren Versorgung geht auch Branchenriese Essity aus. Zum schwedischen Unternehmen gehören bekannte Marken wie Zewa oder Tempo. Die Versorgungssicherheit habe hohe Priorität, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Bisher sei es gelungen, die Kostensteigerungen bei einer anhaltend hohen Qualität der Produkte zu kompensieren. „Dennoch wird Essity, wie alle anderen Hersteller, aufgrund der enorm gestiegenen Kosten seine Preise nach oben anpassen müssen“, kündigt eine Sprecherin an. Auch Wepa, das Hygienepapier für Handelsmarken herstellt, rechnet mit Preisanhebungen.

Toilettenpapier-Hersteller in der Energiekrise: Experimente mit Alternativen

Der Verbrauch an Toilettenpapier in Deutschland ist enorm. 750.000 Tonnen verlassen jährlich die Papierfabriken. Rechnerisch benötigt jeder Bundesbürger laut Verband 134 Rollen im Jahr. Etwa die Hälfte der Produktion besteht aus Recyclingpapieren. Und die Unternehmen experimentieren mit der Beimischung anderer Naturfasern. So setzt Wepa zum Beispiel Miscanthus-Fasern ein, ein Schilfgras. Auch Stroh kommt als Alternative zu frischen Holzfasern in Betracht.

Doch derlei Innovationen ändern nichts an den gegenwärtigen Problemen der Branche. Denn der hohe Energiebedarf wird zum Produktionsrisiko. Im Gegensatz zu den ersten Monaten der Pandemie ist auch Hilfe aus dem Ausland im Falle eines Produktionsstopps nicht in nennenswertem Umfang zu erwarten.

Rund 125.000 Tonnen werden jährlich importiert, die gleiche Menge jedoch führen hiesige Firmen auch aus. Wenn Anlagen in großem Stile stillgelegt werden müssten, hätte das auch für viele andere Branchen weitreichende Folgen. Der Versandhandel stünde ohne Verpackungskartons da, Zeitungen und Zeitschriften ohne Papier. (Wolfgang Mulke)

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