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Ein deutscher Stromanbieter hat überraschenderweise hunderte Kundenverträge gekündigt. (Symbolbild)

Steigende Preise für Strom und Gas

Energie-Krise in Deutschland: Großer Anbieter kündigt Verträge – und stellt Strom- und Gaslieferungen ein

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Ein Stromanbieter aus Köln hat am Freitag (08.10.2021) Hunderten Kund:innen, teilweise auch in Hessen, überraschend per E-Mail zu Mitte Oktober ihre Verträge gekündigt.

Köln - Aufgrund stark ansteigender Energiepreise geraten auch Strom- und Gasanbieter in Deutschland mehr und mehr unter Druck. Mit der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft (ehemals 365 AG) hat nun der erste größere Stromversorger in Deutschland angekündigt, die Strom- und Gasversorgung für einige Kund:innen einzustellen. Betroffen von dieser Situation seien Berichten des Nachrichtenportals T-Online.de zufolge auch Haushalte in Hessen.

Der Anbieter, der hinter den Marken Immergrün und Meisterstrom steht, hatte in einer E-Mail am Freitag (08.10.2021) Hunderten Kund:innen angekündigt, bereits am 19.10.2021 ab 24 Uhr die Lieferung mit Strom und Gas einzustellen, berichten Nachrichten- und Verbraucherschutzportale. Eine Begründung für die außergewöhnliche Kündigungswelle gab es nicht. Zuvor wären über den Anbieter bereits mehrfach Beschwerden zu Preiserhöhungen inklusive versteckter Kostenerhöhungen laut geworden. Eine Stellungnahme des Unternehmens gibt es bislang nicht.

Strompreise steigen immer weiter: Deutsche Anbieter leiden unter Situation auf dem Markt

Ursache dieser Entwicklung sei wahrscheinlich die beginnende Energiekrise, die in den vergangenen Wochen und Monaten für explodierende Strom- und Gaspreise auf dem Markt sorgt. So seien zuletzt etwa im besonders stark von der Krise betroffenen Großbritannien die Stromkosten pro Megawattstunde zuletzt von unter 100 Pfund (118 Euro) im September auf über 400 Pfund (470 Euro) gestiegen.

Auch hierzulande lag der Großhandelspreis für Strom pro Megawattstunde bereits im September tageweise über 200 Euro, am Donnerstag (07.10.2021) wurde ein Spitzenwert von 442,90 Euro erreicht - der höchste Strompreis in Deutschland seit 2008.

In Großbritannien, das aufgrund von Lieferproblemen und fehlenden LKW-Fahrer:innen nach dem Brexit auch stellenweise von Lebensmittel- und Sprit-Engpässen betroffen ist, haben im vergangenen Monat mehrere Anbieter Konkurs angemeldet. Doch auch in der EU sind Zeichen für eine drohende Energiekrise sichtbar.

Streit zwischen Russland und EU: Strom- und Gaspreise steigen

Hier wurden zuletzt vermehrt Vorwürfe gegenüber Russland laut, Strom- und Gaslieferungen künstlich zurückzuhalten, um fehlende Genehmigungen für eine baldige Inbetriebnahme der neuen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zu forcieren. Eigenen Angaben zufolge fülle Russland jedoch zunächst die eigenen Energiespeicher, um sich auf einen möglicherweise kalten Winter vorzubereiten. Die Anschuldigungen aus der EU weist man hier zurück - eine Tageszeitung aus Moskau spottete zuletzt auf ihrem Titel: „Europa läuft vor Kälte blau an ohne russisches Gas“.

Steigende Strom- und Gaspreise stellen auch Anbieter in Deutschland vor Herausforderungen.

Verantwortlich für die hohen Preise sei nicht Russland, sondern die Lage auf dem Weltmarkt - und eine verfehlte Energiepolitik der EU, mutmaßt etwa Russlands Präsident Wladimir Putin. Trotz Russlands Warnungen sei sie von Langzeitverträgen abgerückt und zum Handel an den Energiebörsen übergangenen. „Heute ist klar, dass diese Politik ein absoluter Fehler ist“, gab er die Anschuldigungen für die Krise an die EU zurück.

Steigende Energiepreise: Russland will Aus von fossilen Brennstoffen hinauszögern

Klar ist, dass Russland eine EU-interne Diskussion über Klimaschutzmaßnahmen infrage stellt, um einen Ausstieg aus der Stromerzeugung mit fossilen Brennstoffen wie Gas möglichst weit hinauszuzögern. Auch EU-Staaten wie Polen kritisieren, dass die Energiepreise teilweise auf den CO2-Emissionshandel zurückzuführen seien. Dieser macht die Stromerzeugung mit fossilen Energieträgern teurer, um Unternehmen zur Einsparung von Kohlenstoffdioxid zu bewegen.

In der EU drehen sich die Diskussionen deswegen vor allem um die Frage, wie in Zukunft starke Schwankungen bei den Energiepreisen vermieden werden könnten. Die Europäische Kommission will in der kommenden Woche Handlungsoptionen vorschlagen. So ist denkbar, dass EU-Länder beim Einkauf von Gas zusammenarbeiten oder zumindest gemeinsame strategische Reserven anlegen. Erste Richtungsentscheidungen könnten in rund zwei Wochen beim nächsten regulären EU-Gipfel fallen. (Sandra Kathe mit dpa)

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