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Blackout-Warnungen von Merz und Söder sind laut Fachleuten unwahrscheinlich

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Von: Moritz Serif

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Markus Söder und Friedrich Merz übertreffen sich gegenseitig mit Horrorszenarien für den Winter. Doch was sagen Fachleute?

Berlin – „Habeck und die Ampel riskieren bewusst einen Blackout“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jüngst der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch CDU-Chef Friedrich Merz malte dieses Horror-Szenario an die Wand. Es drohe eine vollkommene Überlastung des Stromnetzes im Herbst und Winter und eine mangelhafte Versorgung mit Strom. „Wenn diese Regierung so weitermacht und aus ideologischen Gründen am Atomausstieg festhält, droht uns Anfang nächsten Jahres ein Blackout“, sagte er der Bild am Sonntag.

Doch können solche Szenarien tatsächlich eintreten? Oder übertreiben Söder und Merz maßlos? Entscheidend dafür ist, was wir unter einem Blackout verstehen. Davon spricht man jedenfalls, wenn durch ein plötzliches, größeres und vorhergesehenes Ereignis großflächig die Stromversorgung zusammenbricht. Das bedeutet, dass nicht jeder Stromausfall mit einem Blackout gleichzusetzen ist.

ARD-Sommerinterview mit dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz
Friedrich Merz warnt immer wieder vor möglichen Blackouts. Wie seriös ist das wirklich? © Christoph Soeder/dpa/picture alliance

Was man unter einem Blackout versteht

„Mit Blackout wird aber häufig auch der Extremfall bezeichnet, bei dem flächendeckend das Stromnetz in ganz Europa zusammenbricht“, sagt Kai Hufendiek, Leiter des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart, dem Schwarzwälder Boten. Wenn regional oder lokal der Strom für ein paar Stunden ausfalle, dann sei das unangenehm, aber nicht tragisch.

Das sei ein extrem schlimmes Szenario, aber nicht sehr wahrscheinlich, da es zahlreiche technische Vorkehrungen gebe, um das zu verhindern. Allerdings „werden einzelne Stromausfälle wahrscheinlicher als in den Jahren zuvor“, so Hufendiek. Sein Kollege Christian Rehtanz, Professo und Inhaber des Lehrstuhles für Energiesysteme und Energiewirtschaft an der Technischen Universität Dortmund, pflichtet ihm bei.

Weshalb ein Blackout „unwahrscheinlich ist“

„Dass es zu einem Blackout kommt, ist auch in den kommenden Monaten höchst unwahrscheinlich“, sagte er dem RND. Durch die Energiekrise sei die Gefahr nicht größer als sonst. Allerdings ließe sich ein flächendeckender Ausfall nicht gänzlich ausschließen – beispielsweise durch einen russischen Angriff auf den Energiesektor.

Auch eine rascher eingeleitete Energiewende erzeuge keine erhöhte Blackout-Gefahr. „Die Energieversorgungssicherheit ist auch mit einer Vollversorgung aus erneuerbaren Energien gesichert“, erklärte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gegenüber scienexx. Das deckt sich auch mit Einschätzungen der Bundesnetzagentur, die allerdings dennoch empfiehlt, einige Vorräte für den Fall der Fälle zu Hause zu haben.

CDU und CSU wollen Erklärung zur Sicherheitspolitik beschließen
Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) überbieten sich teilweise gegenseitig mit Horrorszenarien. © Carsten Koall; Felix Hörhager/dpa

Blackout-Szenarien von Merz und Söder übertrieben

„Wir sehen aber deutlich, dass der Ausbau der Erneuerbaren keine Beeinträchtigung der sicheren Stromversorgung nach sich zieht“, so ein Sprecher der Agentur. Horror-Szenarien, die Friedrich Merz und Markus Söder regelmäßig an die Wand malen, sind also nach Einschätzungen von Expert:innen übertrieben. (mse)

 

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