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Wem dreht Netzagentur-Chef Müller zuerst das Gas ab? Bayern muss bangen

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Von: Moritz Serif

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Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, steht möglicherweise vor schweren Entscheidungen.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, steht möglicherweise vor schweren Entscheidungen. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa/picture alliance

Bundesnetzagentur-Chef Müller weiß, dass es Härtefälle geben wird, wenn er darüber entscheiden muss, wem das Gas zuerst abgedreht werden soll.

Bonn - Unternehmen bangen: Wem wird im Winter bei einem Versorgungsmangel zuerst das Gas abgedreht? Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, wird darüber entscheiden müssen, wenn die Bundesregierung die Notfallstufe ausruft. „Für den Fall einer Gasmangellage werde ich keine guten Entscheidungen treffen können“, sagt er dem Spiegel. Er hoffe, dass es nur wenige schlechte sein werden.

Die Sorgen deutscher Betriebe steigen, da Nord Stream 1 nur noch 20 Prozent des Gases liefert. „Die Entscheidung des russischen Präsidenten in dieser Woche hat den Stress für unsere Gasversorgung signifikant erhöht“, prognostiziert der Präsident der Bundesnetzagentur.

Gas-Krise in Deutschland: Bayern muss bangen

Laut neuer EU-Regelungen haben Haushalte, kleine und mittlere Unternehmen sowie Einrichtungen wie Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser, Altenheime Vorrang. Treffen werde es womöglich vor allem zwei Bundesländer - Bayern und Baden-Württemberg, berichtet der Spiegel.

Besonders hart könnte es das Chemieunternehmen BASF in Ludwigshafen treffen. Laut Tagesschau hat der Konzern bereits einen Notfallplan erarbeitet. Bei der Hälfte der Liefermenge könne das Unternehmen noch produzieren - man rechne jedoch damit, dass die Gaspreise noch weiter steigen. Worst Case wäre ein Produktionsstopp aus Prioritätsgründen, also wenn Müller das Gas abdreht.

Energiekrise: Müller empfiehlt Sparen, doch Potenzial ist vielerorts ausgeschöpft

Müller empfiehlt Bürgerinnen und Bürger seit Wochen, für die Heizkostennachzahlung Geld zurückzulegen. Doch mancherorts haben die Menschen immer weniger Spielraum zum Sparen. So berichtete der Mannheimer Morgen darüber, dass 40 Prozent der Baden-Württembergischen Sparkassen-Kunden kein Geld mehr sparen könnten. Dazu kommt die neue Gasumlage, die einen Durchschnittshaushalt bis zu 1000 Euro mehr im Jahr kosten könnte.

Einige Stimmen fordern daher ein drittes Entlastungspaket, auch wenn FDP-Chef Lindner dagegen ist. „Die Weitergabe der wirklichen Kosten an die Kunden muss zwingend mit einem dritten Entlastungspaket für Menschen mit mittleren und geringen Einkommen einhergehen - ansonsten würde diese Weitergabe zur sozialen Katastrophe führen“, sagte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Auch SPD-Vorsitzende Saskia Eskens fordert Maßnahmen. (mse)

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