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Energieagentur IEA: Vehementer Kurswechsel

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Die Energieagentur IEA setzt voll auf den Klimaschutz und schlägt einen radikalen Umbau vor.

Die Internationale Energieagentur (IEA) fordert einen radikalen Kurswechsel: Von sofort an sollten weltweit keine Investitionen mehr in Kohlekraftwerke und die Erschließung neuer Erdöl- und Erdgasfelder erfolgen. Nur so sei es möglich, die globalen Treibhausgas-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts auf netto null zu senken, heißt es in einem Report der Organisation („Net Zero by 2050“). Zudem empfiehlt die IEA, ab 2035 keine neuen Autos mit Verbrenner-Motoren mehr zuzulassen.

Der Kurswechsel in den Report ist symbolträchtig. Viele Fachleute zeigen sich überrascht über die Vehemenz, mit der die IEA nun die Energiewende fordert. Die in Paris ansässige Organisation wurde 1974 vom Industrieländerklub OECD als Reaktion auf die erste Ölkrise gegründet, ihr Schwerpunkt war die Sicherung der Versorgung mit fossilen Energien. Der Klimawandel spielte bei der IEA zwar zuletzt eine größere Rolle, doch unterschätzte sie den Ausbau der Öko-Energien lange, und noch vor wenigen Jahren forderte sie höhere Investitionen in neue Öl- und Gasvorkommen.

Die bisherigen Klimaschutz-Zusagen der Regierungen reichen laut IEA bei weitem nicht aus, um die CO2-Emissionen aus dem Energiesektor bis 2050 auf null zu bringen und den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Daher müsse die Energiewende deutlich beschleunigt werden. IEA-Generaldirektor Fatih Birol sagte, es gebe einen „tragfähigen Pfad“ zu einem klimaneutralen Energiesektor, er sei allerdings „schmal“ und erfordere eine „noch nie dagewesene Transformation“. Die bisher noch für Kohle, Öl und Erdgas geplanten Investitionen müssten in erneuerbare Energien und Innovationen umgeleitet werden.

Ein radikaler Umbau

Der Umbau wäre radikal. Der vorgeschlagene Pfad sieht vor, dass der jährliche Zubau von Photovoltaikanlagen bis 2030 rund 630 Gigawatt und der von Windkraftanlagen 390 Gigawatt erreichen soll – zusammen ist das das Vierfache des Niveaus von 2020. Bei der Photovoltaik entspreche dies in etwa der Installation des derzeit größten Solarparks der Welt pro Tag, so die IEA. Wichtig ist laut der Agentur auch, die Energieeffizienz deutlich zu steigern.

Die IEA betont, der vorgeschlagene Pfad sichere die Energieversorgung, gewährleiste einen Zugang zu Energie für alle Menschen und mache „ein robustes Wirtschaftswachstum“ möglich. Ziel sei eine „saubere, dynamische und widerstandsfähige Energiewirtschaft, die von erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind anstelle von fossilen Brennstoffen dominiert wird“. Die Atomkraft spielt in dem Szenario weiter eine Rolle. Sie würde 2050 rund zehn Prozent des verbrauchten Stroms liefern, ähnlich viel wie heute.

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