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Energie-Krise: „Gaspreise zu deckeln, ist nicht sinnvoll“

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Von: Joachim Wille

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Claudia Kemfert in der Bundespressekonferenz.
Claudia Kemfert in der Bundespressekonferenz. © imago images/Chris Emil Janßen

Die Energieexpertin Claudia Kemfert über eine sozial austarierte Kostenbremse und den Preis der verschleppten Energiewende.

Professorin Kemfert, über die Gaspreisbremse wird heftig debattiert. Droht ein Fiasko wie bei der Gasumlage?

Ich hoffe nicht, das Hin und Her sollte man auf jeden Fall vermeiden. Die Gasumlage ist ja unnötig geworden, bevor sie überhaupt eingeführt wurde. Vor allem deswegen, da Gaskonzerne zwischenzeitlich verstaatlicht wurden und man an diese keine Subventionen zahlen kann. Die Gaspreisbremse hat sowohl eine andere Ursache als auch Intention. Daher wird sie hoffentlich nicht als Gaspreis-, sondern als Gaskostenbremse kommen. Denn Gaskosten zielgerichtet zu entlasten, ist absolut sinnvoll. Gaspreise zu deckeln, hingegen nicht, da die Gefahr groß ist, dass der Gasverbrauch dann nicht ausreichend sinkt. Die hohen Gaspreise sind Ausdruck von Knappheiten. Um gut über den Winter zu kommen, muss der Verbrauch deutlich sinken. Man sollte das Gassparen belohnen.

Ist die soziale Schieflage hinzunehmen, weil es halt so schnell gehen muss?

Nein, soziale Schieflagen muss und sollte man nicht hinnehmen. Man muss dringend zielgerichtet entlasten. Derzeit liegen Vorschläge der Gaskommission auf dem Tisch, was davon politisch umgesetzt wird, ist ja auch noch offen. Hohe Einkommensbezieher verbrauchen mehr und werden prozentual an ihrem Einkommen durch hohe Gaspreise am wenigsten belastet. Bei Ihnen ist das Sparpotenzial hoch.

Zur Person

Claudia Kemfert leitet die Energieabteilung am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie ist Professorin für Energiewirtschaft und Energiepolitik an der Universität Lüneburg, außerdem Vize-Vorsitzende des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung.

Der Umweltrat berät die Bundesregierung hinsichtlich ihrer Umweltpolitik. jw

Müssten denn nicht auch die Nutzer von Öl- und Pelletsheizungen entlastet werden? Hier sind die Kosten ja teils ähnlich stark gestiegen wie beim Erdgas.

Im Grunde ja. Aber auch hier gilt: Das Energiesparen ist zentral. Kurzfristig ist es sicherlich sinnvoll, dass überall, wo es geht, entlastet wird. Das Drama ist aber, dass uns das Geld fehlt für die dringend notwendigen Investitionen in das Energiesparen, im Gebäudebereich ist es vor allem die energetische Gebäudesanierung. Wir zahlen den Preis der verschleppten Energiewende. Es ist wirklich bitter.

Bei den Unternehmen befürchtet vor allem der Mittelstand, durchs Raster zu fallen. Was muss da geschehen?

Unternehmen sollten für das Energiesparen belohnt werden. Die Idee, dass man mittels Auktionen Sparpotenziale ermittelt und dann Unternehmen für das Gassparen belohnt, halte ich für sehr sinnvoll. Auch bei den Unternehmen sollten wir nicht mit der Gießkanne wahllos Geld verteilen, sondern es knüpfen an Einsparauflagen und Umstiegsmaßnahmen. Es muss darum gehen, so schnell wie möglich wegzukommen von der fossilen Energie hin zu erneuerbaren Energien.

Wie sähe Ihr Model für eine Gaspreisbremse aus, die sowohl das Soziale als auch des Energiesparen berücksichtigt?

Zuallererst würde ich, wie gesagt, das Wort ändern. Wir brauchen keine Gaspreis-, sondern Gaskostenbremse. Gaskosten entstehen durch Gaspreis und Gasverbrauch. Der Gasverbrauch muss massiv gesenkt werden. Den Gaspreis allein zu senken, kann uns in eine Gasmangellage bringen, die Gaskrise verschärfen. Allein der Eindruck, dass der Gaspreis gedeckelt wird, vermittelt den falschen Eindruck und kann zu Mehrkonsum verleiten. Der Gasverbrauch muss gesenkt werden. Prämien für das Gassparen wären sinnvoll, für Unternehmen als auch für Haushalte. Und Niedrigeinkommensbezieher sollten zielgerichtet entlastet werden, zum Beispiel durch Pauschalzahlungen.

Wäre das denn schnell genug umzusetzen?

Das Energiegeld von 300 Euro wurde ja bereits eingeführt, da wissen wir, dass es funktioniert. Über diesen Mechanismus kann man pauschale Entlastungen vornehmen. Bezieher höherer Einkommen erhalten so weniger, da sie die Beträge versteuern müssen.

Letzte Frage: Glauben Sie, dass Deutschland halbwegs gut durch den Winter kommt?

Nur wenn der Gasverbrauch deutlich sinkt. Wenn nicht, droht eine Gasmangellage ab Februar oder März. Daher sind alle Gaskunden gefordert zu sparen, wo und wie es nur geht.

Interview: Joachim Wille

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