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Energie intelligent nutzen

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Von: Joachim Wille

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Installation eines digitalen Stromzählers. dpa
Installation eines digitalen Stromzählers. dpa © picture alliance/dpa

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will Smart Meter statt herkömmlicher Stromzähler durchsetzen, um die Energiewende zu beschleunigen.

Digitale Stromzähler in Haushalten und Betrieben sind eine Voraussetzung, um Energiewende effizienter umsetzen zu können. Ein Beispiel: E-Auto-Besitzer können ihr Gefährt dann bei einem zeitabhängigen Tarif genau laden, wenn viel Ökostrom im Netz ist und die Elektrizität billig angeboten wird. Bisher läuft die Einführung dieser „Smart Meter“ allerdings sehr schleppend. Die Bundesregierung will sie nun beschleunigen.

Ein Gesetzesentwurf zum „Neustart der Digitalisierung der Energiewende“ von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sieht einen gesetzlichen Fahrplan mit verbindlichen Einbau-Zielen und einem konkretem Zeitrahmen für die digitalen Stromzähler vor. Bis 2030 soll damit die nötige vernetzte Infrastruktur bereitgestellt werden, um ein weitgehend klimaneutrales Energiesystem auch hier umsetzen zu können. Bisher findet sich in den Kellern oder Hausfluren zumeist noch die üblichen schwarzen Drehscheiben-Kästen, die den Stromverbrauch analog messen.

In dem Habeck-Entwurf, der nächste Woche nach Abstimmung mit anderen Ressorts im Bundeskabinett verabschiedet werden soll, heißt es: „Der Smart-Meter-Rollout hat bislang noch nicht das für die Energiewende erforderliche Tempo erreicht.“ Tatsächlich arbeitet die Bundesregierung bereits seit rund 15 Jahren an der Modernisierung der Strom-Messstellen. Getan hat sich wenig.

Laut dem Ministerium erfordern der starke Ausbau der erneuerbaren Energien und die zunehmende Nutzung von Strom für Mobilität und Heizung eine intelligente Steuerung von Stromerzeugung und -verbrauch. Das Energiesystem müsse dafür wesentlich flexibler und komplexer werden. Dazu seien die Smart Meter und eine generelle Digitalisierung der Energiewende notwendig.

Die Smart Meter ermöglichen es, die Verbrauchsdaten von Wohnung oder Gewerbebetrieb automatisch an den Stromversorger übertragen. Dies soll mehr für mehr Transparenz beim Energieverbrauch sorgen und die Flexibilisierung erleichtern. Die Daten können auch von den Verbraucher:innen eingesehen werden, etwa per App auf dem Smartphone. Bedenken gibt es unter anderem von Datenschützer:innen, die befürchten, die Angaben könnten missbraucht werden.

Wer steuert das Netz?

Um Kosteneinsparungen zu ermöglichen und eine bessere Synchronisation mit dem fluktuierenden Ökostrom-Angebot zu ermöglichen, müssen laut dem Gesetzesentwurf alle Stromversorger ab 2026 verpflichtend sogenannte dynamische Tarife anbieten. Verbraucher:innen können den Strombezug damit in Billigstrom-Zeiten verlagern. Bisher müssten nur Stromversorger, die mehr als 100 000 Letztverbraucher beliefern, einen dynamischen Tarif anbieten, wenn Kund:innen einen Smart Meter nutzen. Bis 2025 soll diese Schwelle auf 50 000 gesenkt werden, ab 2026 dann ganz fallen.

Privathaushalte sollen für den Smart Meter künftig maximal 20 Euro pro Jahr zahlen, was in den meisten Fällen deutlich weniger ist als bisher. Die Kostensenkung wird laut Ministerium möglich, indem die Netzbetreiber, die Vorteile durch die Umstellung hätten, stärker an der Finanzierung beteiligt werden sollen.

Im der Elektrizitätsbranche wurde der Habeck-Vorstoß im Grundsatz begrüßt. Vom Verband der Elektrotechnik-Elektronik-Informationstechnik (VDE) hieß es, es sei positiv, dass Netzbetreiber künftig anonymisierte Verbraucherdaten einfacher nutzen könnten. Damit könne die Steuerung der Netze verbessert werden.

Allerdings müsse noch verankert werden, dass die Netzbetreiber auch für die Koordination von Steuerungshandlungen im Netz verantwortlich sein sollen – also für die Entscheidung, ob zum Beispiel Solaranlagen, E-Auto-Wallboxen und Wärmepumpen hoch- oder heruntergeregelt werden müssen, um den sicheren Netzbetrieb garantieren zu können. Bisher ist vorgesehen, dass die Betreiber der Strom-Messstellen diesen Job übernehmen sollen. Dies sei unsinnig, da nur die Netzbetreiber selbst „den für einen sicheren Netzbetrieb notwendigen Gesamtüberblick über den Zustand ihres Netzes“ hätten, so der VDE.

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